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Studie über Kindesmissbrauch : „Es gibt eine Scheu, sich in die Familie einzumischen“

  • -Aktualisiert am

In Niedersachen stehen 2019 bei einer Schweigeaktion gegen sexualisierte Gewalt Kinderschuhe auf dem Boden. Bild: dpa

Missbrauch in Familien wird oft ignoriert. Das liegt nicht nur daran, dass Opfer sich kaum wehren können – sondern auch keine Hilfe bekommen, wie eine neue Studie zeigt.

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          Wenn Kinder innerhalb der eigenen Familie missbraucht werden, geschieht dies teils jahrelang unentdeckt. Daher stellte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs am Dienstag in Berlin eine Studie über sexuelle Gewalt in der Familie seit 1945 vor. Insgesamt 870 Berichte von Personen Im Alter von 16 bis 80 Jahren wurden für die Studie ausgewertet. Der Hauptteil der Berichte stammte von Menschen mittleren Alters, die in ihrer Kindheit missbraucht worden waren.

          Die Ergebnisse zeigen: 87 Prozent der Täter sind Männer, 89 Prozent der Opfer sind Mädchen und weibliche Jugendliche. Als Missbrauch wurden Vergewaltigung, aber auch übergriffige Berührungen gewertet. Fast die Hälfte der 1153 angegebenen Täter (48 Prozent) waren leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter, gefolgt von anderen männlichen Verwandten. Zehn Prozent der Täterinnen waren Mütter, die den Missbrauch oft duldeten.

          Gewalt ist keine Privatangelegenheit

          Ein grundlegendes Problem sei es, dass missbräuchliches Verhalten einerseits nicht erkannt werde. Andererseits würden Personen im Umfeld missbräuchlicher Familien es häufig nicht wagen, einzugreifen – selbst wenn das Opfer vom Missbrauch erzählt. Das gelte für Verwandte und Freunde, aber auch sozialpädagogische Fachkräfte der Jugendämter. „Es gab und gibt eine große Scheu, sich in die Familie einzumischen“, erklärte die Vorsitzende der Kommission und Autorin der Studie Sabine Andresen am Dienstag.

          Ziel der Studie sei es daher, ein gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen, sodass Opfer sich trauen Hilfe aufzusuchen – aber auch Außenstehende erkennen, dass Gewalt keine Privatangelegenheit sei und einschreiten. Die SPD-Politikerin Angela Marquardt, welche im Betroffenen-Rat der Kommission sitzt, betonte, es gebe im Vergleich zu Missbrauchsfällen in der Kirche und im Sport bisher keine nachhaltige Debatte über Missbrauch in Familien. Die Studie soll einen Beitrag dazu leisten, dies zu ändern.

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