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Kinderwunsch : Warum wir dich wollen

Ist der Kinderwunsch erst einmal geweckt, ist er in seiner Qualität mit keinem anderen Wunsch vergleichbar. Bild: Photographer's Choice/Getty Imag

Heute machen Medizin und Geld den Kinderwunsch auch möglich, wo er früher unerfüllt blieb. Aber woher kommt er eigentlich?

          Erst waren es die Freundinnen ihrer drei Jahre älteren Schwester, die plötzlich eine nach der anderen ein Kind bekamen, dann ihre große Schwester selbst, und nicht viel später wuchsen auch die Babybäuche in Saras eigenem Freundeskreis. Die Treffen, an denen Sara* und ihrem Mann Nik am runden Holztisch beim Italiener um die Ecke ein befreundetes Pärchen gegenüber aß, das strahlte und sagte: „Wir bekommen Nachwuchs“, häuften sich.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sara und Nik freuten sich jedes Mal mit den werdenden Eltern, schrieben Glückwunschkarten, betrachteten Babybilder auf Facebook, besuchten Taufen und hörten sich an, ob Tim oder Emma gut schliefen, aßen oder wuchsen und welche Fragen sich plötzlich ans Leben stellten.

          Irgendwann einmal, wenn es passt

          Sara und Nik waren zu diesem Zeitpunkt beide Ende zwanzig und schon fünf Jahre ein Paar. Sie teilten sich ein Auto, eine Altbauwohnung, ein Bett und jede Menge Zukunftsträume. Eine Familie zu gründen gehörte dazu. Drei Kinder sollten es werden. Junge, Mädchen, Junge. Aber noch nicht jetzt. Irgendwann einmal, dann, wenn es passt.

          Wann der Moment genau gekommen war, an dem Sara zum ersten Mal dachte: „Ich wünsche mir ein Kind“, kann die heute Dreiunddreißigjährige gar nicht mehr genau sagen. Die ersten Karriereschritte in dem internationalen Konzern, in dem sie angestellt war, waren genommen. Asien, Neuseeland und Bali hatten Sara und Nik bereist, und das exzessive Ausgehen bis tief in die Nacht hatte seinen Reiz verloren. „Es passte eben, anders kann ich den Zeitpunkt nicht beschreiben“, sagt Sara. Ihr Kinderwunsch hatte sich fast unbemerkt vom Irgendwann ins Jetzt geschoben.

          Andere werdende Mütter erzählen, dass es der richtige Partner an ihrer Seite war, der plötzlich intensiv den Wunsch nach einem Kind weckte. Es gibt auch Frauen, die schildern, dass ein unsicherer Arbeitsplatz oder der steigende Druck von Freunden und Familie letztlich ausschlaggebend waren, auf die Verhütung zu verzichten. Bei so manchen drängte auch das Alter, und andere wussten schon immer, dass sie mit spätestens 25 eine Familie gründen wollten.

          Warum aber entscheiden sich Menschen überhaupt dafür, Kinder in die Welt zu setzen? Ist die Antwort darauf so banal, wie sie scheint? Biologie und gesellschaftliche Prägung haben sicher ihre Finger im Spiel. Erklärt das aber schlüssig, wann Menschen diesem Wunsch Taten folgen lassen oder auch nicht? Erklärt es, wo der Wunsch nach einem Kind eigentlich herkommt und warum er so umfassend und einschneidend sein kann? Warum wir gleichzeitig aber immer weniger Kinder haben? An der Beantwortung dieser Fragen entscheiden sich Einzelschicksale, aber auch die Zukunft von Partnerschaften - und wenn man der überhitzten demographischen Debatte dieser Tage glauben will, entscheidet sich daran womöglich auch die Zukunftsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften.

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