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Kinderbücher über Krieg : Der Ball und die Grenze

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Es gibt Autoren, die vor dem Hintergrund eigener Fluchterfahrung schreiben wie Julya Rabinowich in „Dazwischen Ich“: eine Teenagerstory aus der Ich-Perspektive über das Mädchen Madina, das zwischen allem hängt – Kind- und Erwachsensein, Heimat und Fremde, neuen Freunden und dem Gedanken an ihre Großmutter, die zurückgeblieben ist bei den Soldaten. Andere, wie Kirsten Boie, haben sich von Flüchtlingen ihr Schicksal erzählen lassen und erzählen es nun weiter; zusammen mit Illustrator Jan Birck berichtet Boie in „Bestimmt wird alles wieder gut“ für Kinder ab 6 Jahren vom Alltag in einer zerbombten Stadt wie Homs, von der Flucht, der Erstunterkunft – und zugleich von Lieblingspuppen und Hassan, der auf der Straße Fußball spielt: also allem, was Kinder hier eben auch so kennen. Am Ende des Spektrums stehen ganz philosophische Ansätze, die das Thema streifen, aber viel Empathie vermitteln, so wie Tomi Ungerers „Antworten auf Kinderfragen“ in „Warum bin ich nicht Du?“.

Manches fällt in die Kategorie „Gut gemeint“

Doch natürlich gibt es, wie immer, wenn es um Komplexes geht, auch jene Bücher, die wohlmeinende Tanten einem zum Geburtstag schenken, um einem Bildungskram unterzujubeln. Und die man wegen ihres substantivlastigen Oberlehrertons doch nie liest. In diese Kategorie von „Gut gemeint“ gehört etwa „Ein Blick in die deutsche Geschichte. Vom Ein- und Auswandern“: Dort schreiben die Autoren Jochen Oltmer und Nikolaus Barbian etwa: „Gehen wir zurück bis zum Anfang der Neuzeit, und so geraten sogenannte ‚Peuplierungsmaßnahmen‘, die Zuwanderung von Glaubensflüchtlingen und die Siedlungswanderungen nach Osten in den Blick.“

Oltmer ist Professor für historische Migrationsforschung, Barbian Geschichtslehrer – und so liest sich das Ganze auch. Ein paar Aha-Momente gibt’s aber dann doch; das liegt am Charme der Zeichnungen von Illustratorin Christine Rösch. Etwa wenn auf einer Seite ein unförmiger Sack, ein Pappkoffer und zwei Plastiktüten mit arabischer Beschriftung zu sehen sind, darunter jeweils eine Zeile: „Gepäck eines Schwabenkindes“, „Koffer eines italienischen ‚Gastarbeiters‘“, „Gepäck eines syrischen Geflüchteten“. Momente, in denen sich diese Fluchtgeschichten überlagern, haben wirklich das Potential, Klischees zu brechen.

Doch es ist der Kinderbuchautor Peter Härtling, mittlerweile 83, der mit „Djadi, Flüchtlingsjunge“ über einen Elfjährigen, der als „UmF“, als „Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“, in einer WG als Pflegekind aufgenommen wird, den Kern trifft. Denn Härtling, der als Kind selbst mit Mutter, Tante, Schwestern die Flucht erlebte, er weiß, wie es sich anfühlt, dieses Fremdsein. Und wie das Böse in eine Kinderwelt einbricht. Als er die Bilder des toten Aylan Kurdi am Strand in der Türkei sah, habe er gewusst, er müsse darüber schreiben: „Mir wurde klar, dass es sinnvoll ist, vorzuführen, wie traumatisiert und verschlossen Flüchtlingskinder sein können – und wie Erwachsene damit umgehen könnten“, sagt er. Sobald man die eigene Wunde zeige, würden Kinder zutraulich, gäben etwas von sich preis, sie merkten: „Da ist einer, der weiß was.“

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