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Kinderbücher für den Winter : Dann schweben wir beide Hand in Hand

Gemeinsam Lesen: besonders schön im Winter Bild: obs

Freundschaft mit Gespenstern, lebensrettender Rap, Reisen nach Phantásien, Christkinder in Berlin und eine störrische Erzglocke: Wer im Winter Lesestoff für die ganze Familie sucht, hat reiche Auswahl.

          5 Min.

          Eine Glocke für alle: „Es pflügte einmal im heiligen Rußland ein Bauer das Feld“ – so, im gehobenen Märchenton, fängt die Geschichte an, und dieser Ton klingt bis zum Ende durch. „Die Glocke von grünem Erz“ ist eine weniger bekannte Geschichte von Otfried Preußler – kein Vergleich mit der Prominenz der „Kleinen Hexe“, des „Räuber Hotzenplotz“ oder des „Krabat“ –, aber sie ist als Werk Preußlers sofort durch die Sprache des passionierten Erzählers zu erkennen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Geschichte handelt von dem Fund des pflügenden Bauern in seinem Boden: einem eisernen Ring, an dem eine Glocke befestigt ist, die der Bauer mit der Hilfe seines Ochsen ans Tageslicht bringt. „Das ging leicht und glatt, wie man eine Rübe zieht. Und doch war die Glocke größer und schwerer als alle Glocken im ganzen Land.“

          Die Glocke, so scheint es, entscheidet selbst, dass sie sich finden und bergen lässt. Das ganze Dorf nimmt sich nun ihrer an, man baut einen Glockenturm für sie und erfreut sich an ihrem Klang. Der aber weckt den Neid des Zaren. Er kommt mit seinen Männern ins Dorf, versucht die Glocke abzutransportieren, scheitert aber an ihrem Gewicht – man könnte auch sagen, sie will nicht mitkommen. Und der Zar lässt sie zerstören.

          Dabei bleibt es aber nicht, und die kraftvollen Illustrationen Herbert Holzings unterstreichen die Wendung, die die Geschichte nun nimmt: Aus den Splittern der großen Glocke werden viele kleine – „eines so rund und vollkommen wie die anderen“ –, so dass nun jeder in der Umgebung ein Glöckchen besitzt. Darüber, was das bedeutet, wird man von Vorleser zu Zuhörer leicht ins Gespräch kommen.

          Otfried Preußler, Herbert Holzing: „Die Glocke von grünem Erz“; Thienemann Verlag, Stuttgart 2005; 32 S., geb., 14,90 Euro. Ab 5 Jahre.

          Die Oma im Audioguide: Dass ein Kind Lust hat, mit seiner Oma ins Museum zu gehen, kommt vielleicht gar nicht so selten vor. Dass sich das Mädchen Alma trotzdem so rasch und so entschieden für die Idee ihrer Großmutter erwärmen kann, hat vermutlich mehr mit der Oma als mit der Unternehmung selbst zu tun. Alma weiß, dass einem Vorschlag aus dieser Richtung etwas Besonderes folgen wird, und sie wird ebenso wenig enttäuscht wie die Leser.

          Wo ist Oma? Eine Illustration aus „Alma und Oma im Museum“, Verlag Beltz & Gelberg

          Denn im Museum erwartet Alma eine Reise durch die phantastische Bilderwelt des Mittelalters, die sie allein antritt – oder fast allein, denn die Oma ist zwar zunächst verschwunden, aber sie hat sich in die Bilder geschlichen, wo sie nun zwischen den eigentlichen Figuren steht und sich von ihrer Enkelin suchen lässt. Dass diese Aufforderung auch an die Leser ergeht, erhöht den Reiz an diesem verspielten Buch – auch weil die Suche alles andere als einfach ist.

          Zugleich aber ist die Oma als Stimme im Audioguide präsent, so dass sie einen ständigen Dialog mit der Enkelin führt. Dabei legt sie ihr die Bilder, vor denen Alma steht, nicht etwa aus, sondern diskutiert mit ihr darüber, so dass Alma nicht einfach belehrt wird, sondern alles kommentieren kann

          Geschrieben und gemalt hat das Nikolaus Heidelbach, und wie er die Kunstwerke, die er in der Mittelalter-Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums vorgefunden hat, seinem eigenen Buch zugrunde legt und seinen eigenen Stil damit interagieren lässt, ist äußerst erkenntnisstiftend und mit diesem Buch noch an kein Ende gekommen. Fürs nächste Mal haben sich Alma und Oma den zweiten Stock des Museums vorgenommen.

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