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Studieren mit Kind : Uni, Familie, Leben – alles auf einmal

  • -Aktualisiert am

Zeit zusammen: Luisa, hier mit ihrem jüngeren Sohn Nevio, beim Spielen und Arbeiten. Bild: Jens Gyarmaty

Als Studentin Kinder zu bekommen, das klingt wie ein Wahnsinnsvorhaben. Dabei gibt es durchaus Argumente für ein Leben zwischen Kita und Mensa.

          7 Min.

          Luisa Todisco war 26 Jahre alt, ihr Schwangerschaftstest positiv. Das Gefühl: Panik. Wovor? Vor allem! Sie hatte gerade das erste Semester ihres Bachelor-Studiums in Wirtschaftskommunikation hinter sich, die Noten standen noch aus. Ihren Freund Matthias datete sie erst seit zwei Monaten. Zwischen Studium und Werkstudentenstelle, zu der sie jeden Tag eine Stunde hin und wieder zurück pendelte, kam sie auf 70 Arbeitsstunden pro Woche. Wo also noch ein Kind unterbringen? „Irgendwer hatte mir damals erzählt, das Studium sei die beste Zeit, um Kinder zu bekommen“, erinnert sich Todisco heute. Mit dem Gedanken gespielt hatte sie schon. Geplant war die Schwangerschaft nicht. Doch die junge Frau und ihr Freund aus Berlin beschlossen: Wir kriegen das Kind.

          Laut aktuellen Erhebungen des Deutschen Studentenwerks sind etwa 5 Prozent aller Studierenden in Deutschland Eltern mit mindestens einem Kind. Die Hälfte davon ist verheiratet, ein gutes Drittel in einer festen Partnerschaft, 13 Prozent sind alleinerziehend.

          Bei der Frage, ob ein Studium mit Kind richtig sei, scheiden sich noch immer die Geister. Das traditionelle Lager meint, zuerst müsse das abgeschlossene Studium her, danach der Job – am besten eine Festanstellung –, bevor an Nachwuchs zu denken sei. Die anderen finden, Argumente wie die größere Flexibilität und die Vorteile im späteren Berufsleben sprächen für eine Kombination aus Kind und Campus. Nicht zuletzt spielt für viele Frauen auch die biologische Uhr eine Rolle: Im Durchschnitt sind Eltern im Studium 31 Jahre alt und damit gut sieben Jahre älter als ihre kinderlosen Kommilitonen.

          Hilfe vom Studentenwerk

          Todisco würde sich immer wieder dafür entscheiden. Ihren zweiten Sohn Nevio bekam sie deshalb bewusst während des Studiums. Sie wurde an ihrer Universität, der HTW Berlin, zur Frauenbeauftragten gewählt und gründete eine Elterninitiative, die sich für kinderfreundliche Angebote und eine Campus-Kita einsetzt. Heute schreibt und berät sie auf ihrem Blog „StudierenPlus“ rund ums Thema Studium und Studieren mit Kind.

          „Meine Beratung ist damals ziemlich schlecht gelaufen“, erinnert sich Todisco. Der Mitarbeiter drückte ihr einen Urlaubsantrag in die Hand und wünschte ihr alles Gute. „Zum Glück gab er mir den Tipp, zum Studentenwerk zu gehen.“ Die Sachbearbeiterin dort nahm sich viel Zeit für Todisco und beriet sie. Das Studentenwerk gehört mit seinen bundesweit 58 Standorten zu den ersten Anlaufstellen für Studierende mit Kind. Daneben bieten auch viele Universitäten mittlerweile eine Beratung in eigenen Elternbüros. Wer auf seinem Campus keines hat, kann sich an die Frauenbeauftragte oder Studierendenvertretung wenden.

          Gerade bei der Frage, wie man Kind und Studium finanzieren kann, liege das Problem in der Unübersichtlichkeit der Informationen zu Fördermöglichkeiten und Zuschüssen. „Studierende mit Kind sind noch in der Minderheit“, erklärt Todisco. Deshalb wüssten Sachbearbeiter der entsprechenden Institutionen und Ämter oft selbst nicht über bestimmte Zuschüsse und deren Kombinationsmöglichkeit Bescheid. Dabei bringt gut informiert zu sein nicht nur bares Geld; es beeinflusst gleichzeitig die Entscheidung über die Betreuung des Kindes.

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