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Wenn Kinder sprechen lernen : Raus mit der Sprache!

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Doch gerade am Anfang könne es für Kleinkinder frustrierend sein, dass sie noch nicht alles sagen können, was sie vielleicht möchten. Einige Kinder fangen dann zum Beispiel an zu beißen. „Denn auch beißen ist eine Form der Kommunikation und oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Hier kann es helfen, dem Kind je nach Situation zu sagen: Wenn du mitspielen willst, dann sag’ ,Ich will mitspielen!‘ Beißen ist verboten“, sagt Zuta, die selbst Mutter zweier Kinder ist und über Kommunikation mit Kindern auf ihrem Blog kirschkerneknacker.de schreibt.

Auch wenn Eltern intuitiv vieles richtig machen, gibt es laut Zuta doch auch einiges, was Kinder beim Sprechenlernen hemmen könne. So sei es zum Beispiel nicht förderlich, alles zu kommentieren, was das Kind sagt, oder zu korrigieren. „Kinder müssen sich auch beim Sprechenlernen entwickeln können“, sagt Zuta. Auch eigne sich nicht jede Situation zum Lernen: etwa beim Abendessen. Hier gehe es um das Essen und um die sozialen Komponenten des Essens. Außerdem seien Kinder gerade abends oft müde.

Kinder sollten nicht unterbrochen werden

„Kontraproduktiv ist es, Kindern beim Essen ein Rederecht einzuräumen, wenn bei mehreren Kindern vielleicht das Kleinste nicht zu Wort kommt. Das ist zwar gut gemeint, kann aber zu einer massiven Stresssituation für das Kind führen. Und so etwas kann zu Sprechstörungen führen, wie Sprechunlust oder Sprechangst – dass Wörter im wahrsten Sinne im Hals steckenbleiben.“ Besser sei es, Kinder zu beobachten und, wenn sie was sagen möchte, ihnen die Aufmerksamkeit zu geben, die sie in der Situation brauchen, so die Sprechtrainerin.

„Kinder sollten außerdem nicht beim Sprechen unterbrochen werden und immer aussprechen können“, sagt Zuta. „Das klingt selbstverständlich, ist aber gerade im Alltag und in Stresssituationen nicht immer einfach umzusetzen.“ Auch müssten Kinder das soziale Miteinander lernen: Jeder hat das Recht zu reden! Geschwister und Eltern dürfen ausreden und werden nicht unterbrochen.

Eltern sollten Kinder nicht zum Sprechen zwingen. Ein klassisches Beispiel ist das Wort „danke“. „Sag danke!“ „Wie heißt das? Danke.“ – Das sind die klassischen Ermahnungen, die Kinder immer wieder zu hören bekommen. „Ich halte das für sehr überheblich gegenüber dem Kind. Eltern geben damit einem Wort eine Gewichtung, die nicht sinnvoll ist. Kinder lernen ,bitte‘ und ,danke‘ von ganz allein durch Nachahmung“, sagt Zuta. Wenn Eltern selbst diese Wörter benutzten, dann würden das auch die Kinder irgendwann ganz selbstverständlich übernehmen.

Schimpfwort-Verbote wenig sinnvoll

Ein schwieriges Thema sind im Alltag immer wieder Schimpfwörter. So darf man in der Gegenwart von manchen Eltern und Kindern gewisse Wörter überhaupt nicht verwenden und wird mit bösen Blicken gestraft, wenn man es doch macht. Andere Familien haben ein Sparschwein in das zehn Cent geworfen werden, wenn ein Schimpfwort benutzt wird. „Ich halte generell von einem Schimpfwort-Verbot wenig“, sagt Zuta. „Vor allem, wenn es ein Wort ist, das Eltern selbst in der ein oder anderen Situation benutzen.“

Fällt einem die Milch runter oder bleibt man mit dem Zeh an der Treppe hängen, dann rutsche einem ein Wort wie „Scheiße“ schon einmal raus. „Kommt das Kind in eine ähnliche Situation, dann sollte man ihm das Wort nicht verbieten, aber ihm natürlich erklären, dass dies kein schönes Wort ist, was man eigentlich nicht benutzt. Auch das Kind muss lernen, wann es angebracht sein kann und wann nicht“, sagt Zuta.

Aus „Nuni“ wird „Spaghetti mit Tomatensoße“

„Kommunikation ist meist dann erfolgreich, wenn der Sprecher sich Mühe gibt, verstanden zu werden. Denn dann steigt auch die Bereitschaft zuzuhören“, so Zuta. Dazu gehörten immer auch die Körpersprache und Blickkontakt. „Reden Eltern mit ihrem Kind nur ,nebenbei‘, ohne sich ihnen zuzuwenden, dann ist es auch verständlich, wenn das Kind nicht zuhört oder Anweisungen ignoriert.“ Deshalb sei es sinnvoll, nicht nur verbal Kontakt zum Kind herzustellen, sondern auch körperlichen Kontakt.

„Ab dem dritten bis zum vierten Lebensjahr schreitet die Entwicklung des Spracherwerbs rasant voran, und aus einem sprechen lernenden Kind, entwickelt sich ein sprechendes Kind“, sagt Zuta. Dann heißt es nicht mehr „Nuni“, sondern „Mein Lieblingsessen ist Spaghetti mit Tomatensauce“.

„Talker“ und „Bloomer“

Wenn Kinder zum Zeitpunkt des zweiten Geburtstags weniger als 50 verschiedene Wörter aktiv benutzen, gelten sie als „late talker“, das ist etwa bei jedem fünften Kind der Fall. Ausgeschlossen werden muss dann im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchung U7, ob sie schlecht hören.

Etwa die Hälfte dieser Kinder sind sogenannte sprachliche Spätentwickler, auch „late bloomer“ genannt, die bis zum 3. Geburtstag den Anschluss geschafft haben. Bei den anderen kann sich aus dem verzögerten Sprechbeginn eine Spracherwerbsstörung entwickeln, das heißt, die Satzbildung ist auch mit vier oder fünf Jahren noch fehlerhaft, die Lautbildung unvollständig und der Wortschatz eher klein. Diese Kinder müssen gegebenenfalls logopädisch behandelt werden.

Dauergespräche mit dem Handy in Gegenwart von Babys und Kleinkindern können die Sprachentwicklung verzögern. Forscher sagen, dass Kinder nur Wörter lernen, wenn der Sprecher sich ihnen aufmerksam zuwendet.

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