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Christoph Waltz im Gespräch : „Ich bin noch nie cool gewesen“

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Nach dem zweiten Oscar „betrachtet man mich nicht mehr als vorübergehendes Phänomen“: Christoph Waltz Bild: dpa

Im Kino ist er gerade als fieser Chef zu sehen. Im Interview spricht der Schauspieler Christoph Waltz über Freiheit, Festanstellung und Rebellion. Und darüber, welcher seiner beiden Oscars der wichtigere war.

          7 Min.

          Christoph Waltz sitzt in einem Zimmer auf der zweiten Etage des „Corinthia“-Hotels im Londoner Regierungsviertel Whitehall. Dass er very british wirkt, liegt nicht nur am karierten Jackett aus feinem Tweed. Er war jahrelang selbst Londoner, in den Achtzigern hat er mit seiner Familie hier gewohnt. Heute umgibt den gebürtigen Wiener die Aura eines Weltbürgers, dem nicht nur im Kino alle Wege offenstehen; momentan soll er für eine Rolle im neuen James-Bond-Film im Gespräch sein, womöglich in der des Bösewichts. In unseren Kinos ist Waltz erst einmal in der Fortsetzung der amerikanischen Komödie „Kill the Boss“ zu sehen, er spielt darin einen fiesen Großunternehmer, der drei Freiberufler abzockt. Die rächen sich mit einer Entführung. Zu Beginn des Gesprächs mit dem Journalisten - man ist sich früher schon begegnet - kehrt Waltz die Rollen von Interviewer und Interviewtem kurzerhand um.

          Christoph Waltz: Ihre Haare sind so schön lang geworden.

          Das ist für eine Rolle.

          Was spielen Sie denn? Wieder den Journalisten?

          Wieder den Journalisten.

          Sie sehen viel jünger aus mit den langen Haaren, seltsamerweise. Normalerweise machen kurze Haare jünger.

          Wie ist das bei Ihnen?

          Ich sehe älter aus mit langen Haaren.

          Und deswegen gerade lieber kurz?

          Nein, das ist einfach praktischer für mich.

          In Ihrem neuen Film geht es im weitesten Sinne um klassische Arbeitsverhältnisse.

          (Lacht) Im weitesten Sinne, ja.

          Wann waren Sie denn in Versuchung, so ein konventionelles Arbeitsverhältnis einzugehen?

          Ich war, ehrlich gesagt, nie in Versuchung. Ich hab dieses klassische Arbeitsverhältnis gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Und dann hatte ich eine sehr prägende Theater-Erfahrung, mit einem Regisseur, den ich restlos bewundert habe. Das war Benno Besson. Zu der Zeit wurde ich gerade umworben, von hier und da. Das Ganze spielte sich in der Welt des Staatstheaters ab. Und dann habe ich das einmal mit ihm besprochen, und er sagte: So eine Festanstellung hat natürlich auch Nachteile, aber als Erfahrung für einen Schauspieler ist es sehr gut, sich da mal ein paar Jährchen durchgebissen haben zu müssen. Und das habe ich mir sehr zu Herzen genommen und dann dieses klassische Arbeitsverhältnis begonnen - und es eigentlich jeden Abend bereut.

          Das klingt schlimm. Was haben Sie da genau gemacht?

          Theater.

          Film-Trailer : Kill the Boss 2

          Das bezeichnen Sie als klassisches Arbeitsverhältnis?

          Das war ein klassisches Arbeitsverhältnis. Fest angestellt an einem Theater, mit Dienstplan und dreizehntem Monatsgehalt. So fing es schon mal an, ich habe gesagt, ich will für zwölf Monate ordentlich bezahlt werden. Ich kann ja nur zwölf Monate arbeiten. Da hieß es dann: Das kannst du doch umrechnen. Und ich antworte: Ich will das nicht umrechnen. Dreizehntes Monatsgehalt, da fühle ich mich wie ein Beamter. Ich will für meine Arbeit bezahlt werden und nicht für mein Arbeitsverhältnis. Das ging schon einmal nicht. Sozialversicherung, Krankenversicherung - allein die Tatsache, dass ich privat versichert war, hat Probleme ergeben.

          Fühlen Sie sich schnell in Strukturen gefangen?

          Ja, sehr.

          Wie schnell geht das?

          Bevor es noch passiert.

          Da wittern Sie schon Unheil?

          Absolut.

          Haben Sie mal überlegt, worin diese Aversion gründet?

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