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Keira Knightley im Gespräch : „War ich zickig? Absolut.“

„Ich weiß gar nicht wirklich, wie ein Leben ohne Berühmtheit ist“: Keira Knightley, 27 Bild: picture alliance/empics

Keira Knightley hat viel mit ihrer neuen Rolle „Anna Karenina“ gemeinsam, auch wenn sie nicht stolz darauf ist. Im F.A.S.-Interview spricht die Schauspielerin über Liebe, Eifersucht und Arbeitsmoral.

          5 Min.

          Ms. Knightley, mit Anna Karenina spielen Sie eine der bekanntesten Frauenfiguren der Weltliteratur, die schon viele Male im Kino zu sehen war. Weshalb haben Sie sich diese Rolle ausgesucht?

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Genau deshalb. Es gibt ja einen Grund, warum literarische Klassiker, warum sich diese Bücher, diese Geschichten und diese Charaktere so lange halten. Sie sprechen eine universelle Wahrheit aus. Die Menschen können sich zu jeder Zeit mit ihnen identifizieren und von ihnen lernen.

          Haben Sie die 1200 Seiten von Leo Tolstoi gelesen?

          Ich habe das Buch gelesen, als ich 18, 19 war. Und in meiner Erinnerung war es einfach nur unglaublich schön. Als ich es dann vor dem Dreh noch einmal gelesen habe, hatte ich einen ganz anderen Eindruck: viel, viel dunkler.

          Es heißt, Tolstoi habe Anna erst als abschreckendes Beispiel darstellen wollen, als Ehebrecherin, als gefallene Frau. Beim Schreiben aber soll er sich in sie verliebt haben. Wie erging es Ihnen?

          In meiner Arbeit geht es vor allem um Empathie und den Versuch zu verstehen. Sosehr man eine Person auf den ersten Blick vielleicht verurteilt, so sehr muss man versuchen, zu verstehen, wie diese Person handelt und warum sie etwas tut. Mit diesem Vorsatz bin ich das Buch durchgegangen. Und erst da habe ich gemerkt, wie sehr auch Tolstoi Anna immer wieder verurteilt.

          Mit Graf Wronski (Aaron Taylor-Johnson) geht Anna Karenina (Keira Knightley) eine leidenschaftliche Affäre ein. Der Film läuft ab dem 6. Dezember im Kino.

          Anna ist mit Alexej Karenin verheiratet, einem angesehenen Regierungsbeamten. Die beiden haben einen Sohn, den sie über alles liebt. Dann beginnt Anna eine leidenschaftliche Affäre mit Graf Wronski. Verstehen Sie, warum?

          Ja, sicher. Ich glaube, zwischen Anna und Karenin gibt es Liebe. Aber es ist nie eine romantische, sexuelle Liebe. Die fühlt Anna zum ersten Mal mit 28, mit Wronski. Und es ist für mich absolut verständlich, dass es sie dann plötzlich erwischt: O, dieses Gefühl, das so unglaublich mächtig ist, das ist wirklich Liebe! Das ist Annas große Tragödie: Als sie das erst einmal gespürt hat, kann sie nichts anderes tun, als die Liebe zu akzeptieren. Sie kann nicht mehr anerkennen, dass es auch zwischen ihr und ihrem Ehemann Liebe gibt. Und als sich die anfängliche, körperliche Liebe mit Wronski abschwächt, denkt sie gleich, ihre ganze Liebe scheitert.

          Was sind für Sie die wichtigsten Gründe, weshalb Menschen Affären eingehen?

          Unzufriedenheit. Ein Gefühl, dass einem etwas fehlt, das Verlangen, etwas aufzumischen, das Verlangen nach einem emotionalen Etwas, das in der eigenen Beziehung fehlt.

          Wo fängt Untreue an?

          Genau zu dieser Frage habe ich einen Film gemacht: „Last Night“. Ist es der Gedanke, ist es der erste körperliche Kontakt, sind es schon die verwirrten Gefühle? Ich habe keine Antwort gefunden. Das ist ganz individuell. Es kann sich von Beziehung zu Beziehung ändern, wo die Linie verläuft.

          „Ob ich sie mag? Mmmmh. Ich weiß nicht“: Knigthley über Anna Karenina.

          Wie ist es mit Liebes- und Sexszenen am Filmset?

          Ich nehme das sehr ernst, und wenn man mit Liebesgeschichten zu tun hat, dann muss man auch die sexuelle Seite einbeziehen. Denn die ist Teil der Liebe, Teil des Menschseins. Aber was ich tue, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist simuliert, es ist nicht wirklich. Es ist ein Job wie jeder andere. Wie Untreue kommt einem das nie vor.

          Wird Treue überschätzt?

          Nein, das hängt doch von jedem persönlich ab. Ich würde niemals davon träumen, die Beziehung von anderen zu beurteilen. Meine Beziehung versuche ich natürlich so zu führen, wie ich es kann. Aber man weiß nie, was passiert. Für mich gibt es in diesen Dingen nicht nur Schwarz oder Weiß.

          Sind Sie eifersüchtig?

          Zu meiner Persönlichkeit gehört sicher auch Eifersucht - so wie bei jedem. Es ist ein sehr tierischer Trieb, das, was man hat, zu verteidigen. Und wenn jemand versucht, das wegzunehmen, was dir vermeintlich gehört, dann kommt die Eifersucht hervor.

          „Ich wollte nie in einer Rolle gefangen sein“: Nach drei Folgen „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp hatte Knigthley genug.

          Hat Eifersucht auch ihre guten Seiten?

          Ich sehe nichts Positives an Eifersucht. Aber ich habe, wie gesagt, nie jemanden ohne sie getroffen. Sie gehört einfach zu uns Menschen. Und das ist ja das Wunderbare an einem Werk wie Anna Karenina. Es zeichnet ein wahres Bild der Menschen.

          Mögen Sie Anna?

          Mmmh. Nein, ich weiß nicht. Ich habe sie absolut verstanden. Ich konnte mich in sie hineinfühlen. Sie hat all die Eigenschaften, die unsere Persönlichkeit ausmachen. Ich hoffe, dass ich nie zu Extremen neige wie sie. Aber all die Facetten ihrer Persönlichkeit sind auch Teil meiner. Es wäre lächerlich, das zu leugnen. Habe ich manchmal die Menschen verletzt, die ich am meisten liebe? Absolut. Habe ich Dinge gemacht, die ich bereue? Habe ich mich danebenbenommen, war ich zickig? War ich absolut.

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