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Harry und Meghan bei Oprah : Bei ihr ist nichts tabu

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„Wir wollen alle dasselbe“

Dass die Moderatorin auch immer wieder über eigene Erfahrungen wie den sexuellen Missbrauch durch einen Verwandten, ihre Schwangerschaft mit 14 Jahren und den Tod des Neugeborenen, Drogenvergangenheit oder verzweifelte Abnehmversuche berichtete, ließ Millionen Amerikanerinnen 25 Jahre lang jeden Nachmittag den Fernseher einschalten. „Ich versuche zu zeigen, dass es zwischen mir und dem Publikum keinen Unterschied gibt. Wir alle wollen dasselbe, nämlich das Beste aus uns herausholen“, fasste Winfrey ihre Philosophie in der Reihe „Secret of My Success“ an der Stanford University zusammen.

Zu ihrem Erfolgsgeheimnis gehört auch der Glaube an den vielstrapazierten amerikanischen Traum. Wenn ein schwarzes, armes Mädchen aus Mississippi es schaffen kann, so Winfreys Credo, können andere das auch. Mit einem geschätzten Vermögen von fast 2,6 Milliarden Dollar zählt die Talkerin nicht nur zu den reichsten Selfmadefrauen in den Vereinigten Staaten. Mit der Gründung ihres Senders „Oprah Winfrey Network“ (OWN), einem Buchclub sowie Filmrollen gelang ihr auch der Wandel von der „Queen of Trash TV“ zur einflussreichen „Queen of All Media“. Donald Trump, damals noch Immobilieninvestor in New York, träumte 1999 öffentlich davon, die Medienunternehmerin bei einer eventuellen Präsidentschaftskandidatur zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Barack Obama ließ sich 2008 bei seinem Wahlkampf von Winfrey unterstützen. Der sogenannte Oprah-Effekt, Synonym für ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung, soll Obama damals laut einer Studie der Wirtschaftswissenschaftler Craig Garth-waite und Tim Moore bei den Vorwahlen bis zu eine Million Stimmen gebracht haben und damit die Nominierung der Demokraten für das Präsidentenamt anstelle von Hillary Clinton.

Dass die oft als einflussreichste Frau der Welt gefeierte Winfrey nach Obamas Einzug in das Weiße Haus auffällig unauffällig blieb, lag angeblich an Michelle Obama. Der neuen First Lady sollen die Versuche der prominenten Wahlhelferin missfallen haben, bei der Organisation des West Wing mitzureden. Als eine Art Trostpreis verlieh Obama Winfrey Ende 2013 immerhin die Presidential Medal of Freedom, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der Vereinigten Staaten. Gerüchte über eigene politische Ambitionen lässt Winfrey dagegen regelmäßig zurückweisen.

Geschäftlich nähergekommen

Zu Hause in der Nobelenklave Montecito bei Los Angeles, wo im vergangenen Sommer auch Prinz Harry und Ehefrau Meghan eine elf Millionen Dollar teure Villa bezogen haben, bereitete Winfrey stattdessen das Interview mit den neuen Nachbarn vor. Seit Herzogin Meghan die ihr bis dahin nur flüchtig bekannte Talkerin zu ihrer Hochzeit nach Windsor einlud, sollen sich die beiden privat und auch geschäftlich nähergekommen sein. Bei Instagram bewarb Winfrey veganen Kaffee, den die frühere Schauspielerin inzwischen vertreibt, bei Apple TV verhalf sie Prinz Harry zu einer Dokumentation über psychische Gesundheit.

Im Gegenzug für die Hilfe bei der Markenbildung soll das Paar dem vor einigen Tagen aufgezeichneten Tell-All zugestimmt haben. Wie CBS und Winfreys Produktionsgesellschaft Harpo (rückwärts gelesen Oprah) mitteilten, spricht am 7. März zuerst Herzogin Meghan vor der Kamera über die Anfänge als Royal, Ehe, Mutterdasein, zweite Schwangerschaft, Philanthropie sowie die Anstrengungen des Lebens vor den Augen der Öffentlichkeit. Anschließend befragt Winfrey Prinz Harry zum Umzug nach Kalifornien und nach Projekten wie dem Millionenvertrag mit Netflix und Travalyst, seiner Initiative für nachhaltiges Reisen.

Es ist wahrscheinlich, dass sie auch zu Königshaus und Zerwürfnissen des Herzogspaares mit der britischen Verwandtschaft bohrt. „Ich kann mir ganz gut vorstellen, was bei einem Interview ohne Tabuthemen alles zutage tritt. Das wird bestimmt nicht schön“, unkte Tom Bradby, Journalist und Freund von Prinz Harry, schon nach dem Megxit. „Die Briten hätte das Königshaus anschließend vermutlich weiter auf seiner Seite. Bei dem Ansehen im Ausland wäre das vielleicht anders.“

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