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Kinderlose Frauen : Es geht auch ohne

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Neben der bewussten Entscheidung gegen Kinder, weil die Uhr einfach nicht tickt, gibt es auch rationale Gründe, sich gegen ein Leben mit Kindern zu entscheiden. In den siebziger Jahren beispielsweise hörte man von vielen kinderlosen Paaren, dass man in diese schreckliche Welt keine Kinder setzen könnte. „Heute haben viele Frauen Angst davor, in der Kleinfamilie zu verschwinden“, sagt Sarah Diehl, Autorin von „Die Uhr, die nicht tickt – kinderlos glücklich“. Frauen wollten sich ihre Freiräume aufrechterhalten. Es gehe nicht unbedingt darum, dass diese Frauen kein Interesse an Kindern hätten; sie sähen jedoch die Kleinfamilien als sehr isoliert an. Dieses Leben, das auch das in Deutschland sehr dominante Mutterideal vorgebe, wolle nicht jede Frau, sagt Diehl, die für ihr Buch mit zahlreichen Frauen gesprochen hat, die sich gegen Kinder entschieden haben. „Es wird als naturgegeben angesehen, dass eine Frau ein Kind haben möchte“, sagt Diehl. Unser Familienkonzept sei sehr eng. Frauen werde von unserer Gesellschaft unterstellt, dass der Kinderwunsch automatisch zum Frausein dazugehöre, auch wenn es durchaus erfüllende andere Lebenswege gebe.

Aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer genetischen Vorbelastung

Diehl hat den Eindruck, dass der Kinderwunsch oft nur deshalb Thema bei Frauen sei, weil ihnen von allen Seiten suggeriert werde, dass sie zeitlich unter Druck stehen und diese essentielle Erfahrung in ihrem Leben unbedingt machen müssten – egal, ob sie tatsächlich ein Familienleben haben wollten oder nicht.

Viele Frauen schieben das Thema Kinder auch einfach auf später, wenn sie nach Kindern gefragt werden, obwohl für sie selbst bereits klar ist, dass sie keine Kinder wollen. Diehl berichtet auch von Frauen, die erleichtert waren, als sie in die Wechseljahre kamen, weil dann das Thema Nachwuchs abgeschlossen war – und keiner mehr Fragen stellte.

Es gibt aber auch Paare, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer genetischen Vorbelastung keine Kinder bekommen können oder wollen. „Die Botschaft nach außen ist aber erst einmal, dass diese Menschen keine Kinder wollen“, sagt Carsten Wippermann vom Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung, der im Rahmen einer repräsentativen Studie 5000 kinderlose Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren befragt hat. „Hier werden Kinderlose schnell stigmatisiert, vor allem von Familien. ,Ach, die Frau wollte doch nur Karriere machen. Sie war so ehrgeizig, dass sie auf Kinder verzichtet hat.’ Hier wird schnell geurteilt, anstatt genau hingesehen, was die Gründe sind“, sagt Wippermann.

20 Jahre Schmerzen, Eisenmangel, schwere Blutungen

„Es wird erst einmal davon ausgegangen, dass Frauen Kinder bekommen wollen“ – das ist auch die Erfahrung von Asmona Logan, die selbst keine Kinder hat. „Da bauen Familienangehörige auch schon einmal gedanklich das eigene Büro in ein Kinderzimmer um“, berichtet Logan von recht übergriffigen Erlebnissen. Sie selbst wird keine Kinder bekommen, da sie sich aufgrund von Myomen die Gebärmutter hat entfernen lassen. „Wenn mich Bekannte fragen, wann es denn bei mir endlich so weit sei, dann sage ich: Nie“, erzählt Logan, die mit dem Thema selbst im Reinen ist; den Fragenden ist dies dann aber meist recht unangenehm.

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