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„Eine neue Sensibilität“ : Die katholische Kirche lässt Trauerfeier für Selbstmörder zu

  • -Aktualisiert am

Mailand Bild: dpa

Für strenggläubige Katholiken ist der Suizid eine Sünde, eine Frevel an Gottes Willen. Für Selbstmörder DJ Fabo öffnet nun eine Kirche in Mailand ihre Pforten. Der Musiker soll eine christliche Trauerfeier erhalten.

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          Am Freitagabend in Mailand können sich Freunde und Verwandte in der Kirche Sant’Ildefonso in einer kleinen Zeremonie von Fabiano Antoniani verabschieden und für ihn beten. Vor zehn Jahren wäre das noch unmöglich gewesen; denn der Discjockey „Fabo“ hatte sich vergangene Woche in der Schweiz selbst das Leben genommen. Nach einem schweren Verkehrsunfall wollte der Vierzigjährige nicht länger unter seiner bis zum Hals reichenden Querschnittslähmung und Blindheit leiden. Selbsttötung aber wird in Italien nicht nur vom Staat verboten, der dem bekannten DJ trotz seiner Bitten mit Hinweis auf die Gesetzeslage den assistierten Suizid untersagte. Vor allem die Kirche ist seit jeher gegen Selbsttötung.

          Die Geschichte von DJ Fabo sei nicht nur „sehr traurig“, sagte nun Kurienbischof Vincenzo Paglia, der frühere Chef des Familienrates. Sein Tod sei eine „unermessliche Niederlage für ihn und die Gesellschaft“. Aber während nach dem viel diskutierten Suizid von Piergiorgio Welby im Dezember 2006 in Rom trotz einer intensiven Debatte die Kirchen noch für eine Gedächtnisfeier geschlossen blieben, lässt das Erzbistum Mailand für DJ Fabo nun ein kirchliches Totengebet zu. „Nach einem Treffen mit der Mutter von Fabiano hat sich der Gemeindepastor dafür entschieden, Sant’Ildefonso für Familie und Freunde zu öffnen“, heißt es.

          „In tiefstem Herzen dürstete Fabo nach Liebe, nach einem Sinn des Lebens“

          Es werde keine Messe geben, wohl aber einen kirchlichen Platz zum Gedenken, fügte Fabos Lebensgefährtin Valeria an, die sich so einen Abschied auch gewünscht hatte. Während die Mutter Mina praktizierende Katholikin ist, dürfte Sohn Fabiano nicht unbedingt katholisch empfunden haben. Der Verstorbene wollte, dass seine Asche im indischen Bundesstaat Goa verstreut wird, wo er einige Lebensjahre verbracht hatte. Und so wird es geschehen.

          In ihrer Reaktion auf die Zeremonie für DJ Fabo stellte die Witwe von Piergiorgio Welby fest: „Ich bin glücklich. Seit der Sache mit meinem Mann gab es in der Kirche einen Wandel.“ Das habe gewiss etwas mit Papst Franziskus zu tun und seinem „Jahr der Barmherzigkeit“, das Ende 2016 auslief. Nach dem Suizid ihres Mannes habe die Hierarchie noch die Kirchen für eine Trauerfeier geschlossen, „obwohl es damals schon viele Schwestern und Geistliche auf unserer Seite gab“. Heute herrsche eine „neue Sensibilität auch in der Kirchenführung“.

          Die Mutter und seine Lebensgefährtin waren bis zum letzten Augenblick bei Fabo. Er war mithin bei seiner Selbsttötung nicht allein. Doch für Erzbischof Paglia war sein Wunsch nach dem Tode ein Zeichen von Einsamkeit. „In tiefstem Herzen dürstete Fabo nach Liebe, nach einem Sinn des Lebens“, sagte der Geistliche Radio Vatikan. „Er fragte sich, ob es sich lohnt, das Leben auch in schwierigen Momenten zu leben.“ Leider sei ihm die Gesellschaft darauf die Antwort schuldig geblieben. Allgemein herrsche Verwirrung um Begriffe wie Euthanasie, Beihilfe zur Selbsttötung, Schmerztherapie und Patientenverfügung. Nicht nur müssten diese Begriffe im Blick auf anstehende Gesetze voneinander getrennt werden. Vor allem müsse sich die Gesellschaft gegen den Individualismus wenden, wenn sie mit Fabo einen „armen, jungen Mann gerade dann allein lässt, wenn er mitten in einem ausgelassenen Leben plötzlich in so ein Drama gerät“.

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