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Kathedrale in Brasilien : Größer ist nur der Petersdom

Gläubige in Aparecida Bild: Imago

In Brasilien ist das zweitgrößte katholische Gotteshaus der Welt gebaut worden. Bis zu 45.000 Gläubige finden darin Platz. Anteil daran haben auch drei Fischer, denen 1717 eine zerbrochene Marienstatue ins Netz ging.

          Die Marienstatue misst gerade einmal 36 Zentimeter. Ihr zu Ehren hat man in der Stadt Aparecida im Bundesstaat São Paulo das zweitgrößte katholische Gotteshaus der Welt gebaut, das bis zu 45.000 Gläubigen und Pilgern Platz bietet. Nur der Petersdom im Vatikan ist größer als die Kathedrale „Nossa Senhora da Conceição Aparecida“.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Geschichte von „Unserer Lieben Frau der Erschienenen Empfängnis“, begann am 12. Oktober 1717. Drei Fischern war nach einer erfolglosen Nacht auf dem Fluss Paraíba do Sul im Morgengrauen die in zwei Teile zerbrochene Marienstatue ins Netz gegangen. Sie war ihnen gleichsam aus den Wassern erschienen – „aparecida“, wie es auf Portugiesisch heißt. Als die Fischer ihre Netze wieder auswarfen, machten sie üppigen Fang. Es war das erste Marienwunder, das man der kleinen Statue aus Ton zusprach. In den drei Jahrhunderten seither folgten zahlreiche weitere Wunder, die man ihr zuschrieb. Weil sich die Figur unbekannten Ursprungs offenbar lange im Wasser befunden hatte, war die einst wohl vorhandene Bemalung einem tiefen Schwarz gewichen. Zumal für die Nachkommen der aus Afrika verschleppten Sklaven in Brasilien gewann die „schwarze Madonna“ von Aparecida bald große Bedeutung.

          Aus der kleinen und später etwas größeren Kapelle, die man Mitte des 18. Jahrhunderts für die Marienstatute errichtet hatte, wurde bald eine Kirche bescheidenen Ausmaßes, ehe man 1955 mit dem Bau der monumentalen Kathedrale nach Plänen des Architekten Benedito Calixto begann. Am 4. Juli 1980 wurde die Basilika von Papst Johannes Paul II. während dessen Pastoralbesuch in Brasilien geweiht. Im gleichen Jahr wurde der 12. Oktober, der Gedenktag der Muttergottes von Aparecida, zum staatlichen Feiertag. Denn mit der wachsenden Bedeutung der kleinen Madonnenfigur war auch Maria zur nationalen Schutzpatronin aufgestiegen.

          Die Autobahn von São Paulo nach Rio de Janeiro führt fast mitten durch die Stadt, die heute vor allem vom Pilgertourismus lebt. Um die Kathedrale sind zuletzt immer mehr unansehnliche Hotels und klotzige Pensionen in die Höhe geschossen. Seit Tagen waren von überallher die Pilger auf der Autobahn zum Nationalschrein geströmt. Die dreitägigen Feierlichkeiten mit Gottesdiensten, Popkonzerten und Freiluftmessen begannen am Dienstag. Am Donnerstag kamen wohl mehr als eine halbe Million Gläubige nach Aparecida. Papst Franziskus übersandte als Geschenk zum Jubiläum eine Goldene Rose und schickte als seinen Vertreter den italienischen Kardinal Giovanni Battista Re nach Aparecida. Bis Jahresende werden im wichtigsten Wallfahrtsort Brasiliens bis zu vier Millionen Pilger erwartet.

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