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Katharina Schüttler : Die große Meerjungfrau

  • -Aktualisiert am

Das Augenspiel: Können Katharina Schüttlers Augen töten? Bild: F.A.Z./Christian Thiel

Katharina Schüttler hat sich als „Hedda Gabler“ in die erste Liga der Bühnenstars gespielt. Davon muß sie sich jetzt ein wenig erholen und würde gern mal etwas Anspruchsloses machen.

          Katharina Schüttler ist ein Scheinmädchen. So wie es in der Geschichte von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, den Scheinriesen Herrn Tur-Tur gibt, der immer kleiner wird, je näher er kommt, ergeht es dem Betrachter mit der Schauspielerin, die in der zurückliegenden Saison zu einem der hellsten Sterne am deutschen Theaterhimmel aufgestiegen ist. Je näher sie kommt, desto reifer erscheint sie.

          Wenn Katharina Schüttler in einen Biergarten schlendert - eine zierliche Gestalt in Sandalen, schwarzem Rock und Oberteil, Ray-Ban-Pilotenbrille auf der Nase -, könnte man sie auf den ersten Blick für eine der vielen in Berlins Prenzlauer Berg herumschwirrenden Erstsemester-Studentinnen halten, die noch nicht genau wissen, ob sie „später vielleicht was mit Medien“ machen wollen oder „lieber was mit Menschen“.

          Dann wundert man sich auch nicht mehr, warum die immerhin Sechsundzwanzigjährige vor kurzem im Kinofilm „Wahrheit oder Pflicht“ in der Rolle einer Zwölftkläßlerin zu sehen war. Aber spätestens wenn sie zu erzählen beginnt, hat man es nicht mit einem Mädchen zu tun, sondern mit einer klugen und nachdenklichen jungen Frau.

          Schüttler: „Herausforderungen sind toll”

          2006: Das Jahr der Katharina

          Katharina Schüttler ist zur Zeit an der Berliner Schaubühne unter der Regie von Thomas Ostermeier als „Hedda Gabler“ auf der Bühne zu sehen. Besser gesagt: Sie war es bis vor zwei Wochen, denn jetzt sind Theaterferien, auf die sie sich „komischerweise genauso freut wie früher auf die Schulferien“. Sie hat noch ein paar Drehtermine, und danach wird sie zum ersten Mal seit langer Zeit „vier Wochen lang gar nichts machen“.

          Einfach nur Luft holen und vielleicht sogar „irgendwo hinfahren“ - aber bisher ist sie noch nicht dazu gekommen, etwas zu planen. Ein Privatleben zu organisieren wird schwieriger, wenn man auf einmal als neue deutsche Schauspiel-Sensation gehandelt wird. Ende des vergangenen Jahres schrieb eine Kritikerin, das Jahr 2006 werde das Jahr der Katharina Schüttler, und bislang sieht es so aus, als habe das Orakel richtig gelegen.

          Als Hedda Gabler hat Katharina Schüttler die meisten Kritiker aus den Sitzen gehauen und große Teile des nicht leicht zu enthusiasmierenden Schaubühnen-Publikums hingerissen. Dabei hatte sie anfangs erhebliche Bedenken, ob sie die Rolle annehmen solle. Eine Woche lang rang sie mit sich, bevor sie zusagte.

          Herausforderungen stellt sie sich

          Wenn sie von ihren Zweifeln erzählt, klingt das nicht kokett. Selten gebe es Inszenierungen, bei denen man von vornherein wisse, daß die Aufmerksamkeit so groß sein werde, wie es bei „Hedda“ zu erwarten gewesen sei, sagt sie. Immerhin hatte Thomas Ostermeier zuvor mit seiner „Nora“-Inszenierung und Anne Tismer in der Hauptrolle triumphiert.

          „Wenn der Regisseur seit drei Jahren mit einer anderen Ibsen-Inszenierung um die Welt fährt, die überall abgefeiert wird, und dann kommt der Folge-Ibsen wieder mit einer Frauentitelrolle, dann weißt du, daß jeder Pups-Kritiker von sonstwo kommen wird. Das ist natürlich ein großes Risiko. Außerdem dachte ich, daß ich eigentlich zu jung für die Rolle bin. Das Stück ist sauschwer - das hat mir alles angst gemacht. Ich wußte, alle werden mich mit Anne Tismer vergleichen.“

          Fast eine Woche lang habe sie sich dann täglich am Telefon mit ihren Eltern beraten, die sie ermutigten, die Rolle anzunehmen: „Meine Eltern haben mir gesagt, wenn man aus Angst etwas nicht mache, werde man es ein Leben lang bereuen. Dann lieber gucken, wie stark man ist und was man kann. Es ist ja auch toll, vor solchen Herausforderungen zu stehen. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte mich das ewig beschäftigt.“

          Fix und fertig nach den Aufführungen

          Trotzdem habe sie sich bei der ersten Probe bemühen müssen, ihr Zittern zu verbergen. „Ab dem zweiten Tag ging es dann“, erzählt sie. Tatsächlich gab es nach der Premiere keine Kritik, in der Anne Tismer nicht erwähnt wurde. Es gab allerdings auch kaum eine, in der Katharina Schüttler nicht gefeiert wurde.

          Inzwischen ist sie an der Schaubühne auch als Lavinia/Ulrike in Eugene O'Neills „Trauer muß Elektra tragen“ zu sehen, einer dreistündigen Mischung aus der Orestie und angewandter Psychoanalyse der großbürgerlichen Kernfamilie, die Ostermeier in eine zeitgenössische Bungalow-Hölle versetzt hat. Die Kritiker waren bei dieser Inszenierung nicht ganz so begeistert wie bei Hedda, doch Katharina Schüttler und Susanne Lothar, die im Stück ihre Mutter spielt, wurden meist gepriesen.

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