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Die britische Schauspielerin Kate Winslet erhielt einen Oscar für ihre Rolle im Film „Der Vorleser“. Bild: dpa

Kate Winslet im Interview : „Ich kann ein Tier häuten und zerlegen“

  • -Aktualisiert am

Schauspielerin Kate Winslet über das Leben in der Wildnis, ihre Angst vor dem Filmemachen, die Erziehung ihrer Kinder, ihren dritten Ehemann Ned – und die Basis ihrer engen Freundschaft mit Leonardo DiCaprio.

          6 Min.

          Kate Winslet hat beim Interview in einem Boutique-Hotel im Londoner Stadtteil Soho viel zu erzählen. Als ihre Agentin den Raum betritt, um das Interview nach der vorgesehenen Zeit zu beenden, insistiert sie freundlich, aber sehr bestimmt: „Sorry, Darling. Das geht jetzt nicht. Wir haben hier gerade ein richtig gutes Gespräch und brauchen mehr Zeit.“ Zu Anfang fragt sie den Interviewer, ob er aus Deutschland komme.

          Ja, aus Hamburg.

          Leider spreche ich kein bisschen Deutsch.

          Das ist ja keine Schande.

          Doch, irgendwie habe ich das Gefühl, ich sollte Deutsch können.

          Warum?

          Immerhin habe ich mal lange in Deutschland gearbeitet, als wir „Der Vorleser“ gedreht haben. Ich habe viel Zeit mit deutschen Filmcrews verbracht. Natürlich sprechen die alle Englisch. Aber irgendwie gibt es mir immer das Gefühl, wir Briten seien faul.

          Beim Filmemachen sind Sie alles andere als faul. Wie motivieren Sie sich für neue Aufgaben?

          Eine meiner Motivationen ist Angst. Ich habe immer ein bisschen Angst, zu versagen. Und es ist ganz egal, wie viele Filme ich inzwischen gemacht habe. Im Hinterkopf habe ich immer diese Furcht, die Rolle falsch zu spielen. Diese Angst treibt mich eben auch an.

          Inwiefern?

          Ich habe vor „Zwischen zwei Leben“ „Wonder Wheel“ mit Woody Allen gedreht. Zwischen beiden Filmen hatte ich nur drei Wochen Zeit. Normalerweise mache ich so etwas nicht. Aber wer sagt schon einen Film mit Woody Allen ab? Ich hatte kaum Zeit, mich vorzubereiten. Man brachte mir das Drehbuch für „Wonder Wheel“ vorbei. Ich war völlig aufgeregt, und draußen wartete jemand, der das Drehbuch wieder mitnehmen sollte, nachdem ich damit fertig war. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, saß ich auf der Treppe und fühlte mich krank und überwältigt. Denn ich wusste, dass ich die Dreharbeiten nicht absagen wollte. Gleichzeitig hatte ich keinen Schimmer, wie ich diese Rolle spielen sollte.

          Wie arbeitet man sich aus so einem Angst-Loch wieder heraus?

          Dabei hat mir meine Tochter geholfen. Sie sagte: Erstens ist es lächerlich, wie du dich hier aufführst. Und zweitens findest du doch immer eine Lösung. Hör dir doch einmal zu. Das macht doch alles keinen Sinn. Du reißt dich jetzt zusammen und arbeitest erst einmal mit Woody Allen, und dann machst du den anderen Film. Eins nach dem anderen.

          Ihre Tochter ist inzwischen auch eine Art Coach und Vertraute geworden?

          Ja. Meine beiden Teenager sind unglaublich ehrlich mit mir. Und sie sind auch kaum beeindruckt von meinem Beruf, weil ich sie eben aus dem ganzen Rummel um meine Person heraushalte. Ich habe sie auch als Kinder nicht ständig auf Filmsets geschleppt. Sie durften an ganz wenigen ausgewählten Tagen mitkommen, um mir bei der Arbeit zuzusehen. Aber auch nur dann, wenn ich wusste, dass sie etwas dabei lernen. Sie waren nie diese verwöhnten Schauspielerkinder, die am Set aufkreuzen, sofort wissen, wo das Catering steht, und sich fürchterlich aufspielen. Sie haben immer höflich darauf gewartet, bis man ihnen ihren Platz zugewiesen hat. Und mein Sohn Joe ist mein moralischer Kompass, dabei ist er erst dreizehn.

          Für den Woody-Allen-Film arbeitet Kate Winslet auch gerne in den Sommerferien.

          Bei welchen Gelegenheiten?

          Ich bin neulich mit in die Schule gekommen, zu einem Projekt. Ein Klassenkamerad von ihm hatte sich dasselbe Thema ausgesucht wie er. Ich habe ihm gesagt: „Joe, du hast das Thema viel besser umgesetzt.“ Da hat er ganz sanft meine Hand genommen, mir direkt in die Augen gesehen und geantwortet: „Mum, das musst du jetzt nicht sagen. Er ist so ein guter Junge.“ Beide Kinder verstehen inzwischen auch, wie wichtig mir die Schauspielerei ist und was es bedeutet, Schauspielerin zu sein. Und inzwischen arbeiten wir gewissermaßen als Team an meinen Rollen.

          Filmemachen als Familienprojekt?

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