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Katarina Witt : Auf der Bühne immer in der Mitte

„Hinter alldem steckt viel Fleiß, Ehrgeiz und Hartnäckigkeit”, sagt Katarina Witt über ihre Karriere Bild: Julia Zimmermann

Als „Carmen“ lief Katarina Witt im Jahr 1988 die Kür ihres Lebens. Jetzt reist die ehemalige Eiskunstläuferin durch die Welt, um die Olympischen Winterspiele 2018 nach München zu holen. Es ist auch für sie eine neue Chance.

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          Wo ist bloß das Lachen? Schnellen Schrittes durchquert Katarina Witt die Empfangshalle hin zu dem Saal, in dem die Presse wartet. Sie trägt eine schwarze, knapp geschnittene Lederjacke mit silbernen Nieten über einem kurzen, hellgrauen Kleid, ihre großgliedrige Silberkette reicht bis zum Bauch, und ihr dunkles, offenes, schulterlanges Haar rahmt ihr makelloses Gesicht. Katarina Witt sieht perfekt aus, aber sie lacht noch immer nicht. Es ist gerade so, als ob das eigens kreierte Antlitz jetzt noch nicht benutzt werden darf.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dann geht die Tür zur Pressekonferenz auf, und Katarina Witt strahlt. Alle Kameras sind auf sie gerichtet, verfolgen, wie sie um das Podium läuft und zwischen Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Bernhard Schwank, dem Chef der Münchner Olympia-Bewerbung, Platz nimmt. Beide Herren sind in den Fünfzigern, haben graue Haare, tragen Business-Anzüge und die nahezu gleichen randlosen Brillen. In der Mitte sitzt Witt wie eine Rockerbraut zwischen zwei Beamten. Es sind an diesem Tag noch 41 Tage bis zu der Entscheidung, ob München die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten darf. „Wir freuen uns auf das Finale“, sagt Bach ernst und beginnt einen Endlos-Satz, in dem die Ausdrücke „fiebern“, „warmmachen“ und „heiß sein“ auftauchen, die Stimmung aber tiefgekühlt bleibt.

          Dann ist Katarina Witt dran, auch sie bringt nicht alle Sätze zu Ende, aber die meisten münden in ihrem lauten, herzlichen Lachen, das nun auch Bach ansteckt. Er scherzt mit ihr, während die anderen reden, und fast sieht es aus, als sei Witt eigens dafür engagiert, Sportfunktionäre fröhlich zu stimmen. Bei Journalisten klappt das übrigens auch; sie machen ihr Komplimente („Ihr Charme ist ja weltbekannt“), verbunden mit Alibi-Fragen („Woher nehmen Sie die Kraft, durchzuhalten?“). Im Anschluss holen sich einige ein Autogramm oder bitten um ein Foto.

          Das Gesicht der deutschen Bewerbung: Katarina Witt will die Olympischen Winterspiele nach Deutschland holen
          Das Gesicht der deutschen Bewerbung: Katarina Witt will die Olympischen Winterspiele nach Deutschland holen : Bild: dapd

          Ihr Gesicht ist ihr wichtigstes Kapital

          Ein paar Tage später in Berlin trägt Katarina Witt Jeans und eine leichte Sommerbluse, sie hat ihr Haar zusammengebunden und das Gesicht natürlich geschminkt. Sie sieht jetzt wie ein Mensch aus und weniger wie eine Göttin, und ein Porträt wäre jetzt wirklich hübsch von ihr. Aber sie will sich so keinesfalls fotografieren lassen. Anderthalb Stunden dauere es, um sie für professionelle Termine zu stylen, da könne man jetzt nicht einfach so ein Bild machen. Ihr Gesicht, das hat Katarina Witt verinnerlicht, ist ihr wichtigstes Kapital.

          Witt kommt gerade aus Liechtenstein, von den Kleinstaatenspielen, einem Wettkampf der Athleten der kleinsten europäischen Länder. Sie hat dort mit Nora von Liechtenstein, Prinz Albert von Monaco und Jacques Rogge gesprochen – drei von 110 Stimmberechtigten im IOC, dem Internationalen Olympischen Komitee, die am 6. Juli in Durban mit darüber entscheiden werden, ob die Spiele 2018 nach München gehen oder doch nach Peyongchang in Südkorea oder Annecy in Frankreich.

          „Es ist eine aufreibende Ochsentour“

          Seit anderthalb Jahren ist Witt beinahe rund um die Uhr und weltweit auf solchen Veranstaltungen unterwegs, besuchte die Asian Summer Games, die Commonwealth Games, die Youth Olympic Games. Auch dort trifft sie IOC-Mitglieder und versucht, sie von München zu überzeugen. Im Gegensatz zum Verfahren beim Fußball-Weltverband Fifa dürfen die Bewerber für Olympia die IOC-Wahlmänner und -frauen nicht besuchen und schon gar nicht einladen. Bleiben nur die offiziellen Termine – Sportfeste, Wettbewerbe, Generalversammlungen.

          „Es ist eine aufreibende Ochsentour, aber aus dem Koffer zu leben bin ich ja gewohnt“, sagt Katarina Witt. Die schnelle Folge verschiedener Länder, Zeit- und Klimazonen jedoch war auch für sie neu. Einmal, auf dem Weg nach Marrakesch, wollte sie versehentlich schon bei der Zwischenlandung aussteigen; an viele Orte kann sie sich, außer an die Hotellobbys, kaum erinnern.

          Olympia ist für die ehemalige Eiskunstläuferin eine neue Chance

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