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Rechtstipps für Narren : Wer bezahlt die teure Krawatte nach der Weiberfastnacht?

Jecken in Düsseldorf: Viel ist erlaubt, aber nicht alles. Bild: dpa

Wie weit geht die Narrenfreiheit? Ob eine Angestellte nach Weiberfastnacht die teure Seidenkrawatte des Vorgesetzten ersetzen muss, hängt vom Humor des Chefs ab. Wer verkleidet geblitzt wird, kann dagegen mit einem Einspruch Erfolg haben.

          Die Karnevalsfeier mit den Arbeitskollegen und dem Chef soll Spaß machen. Sie kann aber zum arbeitsrechtlichen Minenfeld werden. Eine Empfehlung für Feierwütige: Besser vorab über die Gepflogenheiten im Unternehmen wie die Kostümierung oder das gemeinsame Glas Kölsch informieren, bevor es zu böse Überraschungen gibt. Ein Recht auf Kostümierung am Arbeitsplatz gibt es nicht. Und nicht nur an Karneval gilt: Ist ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit betrunken, riskiert er eine Abmahnung.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn Weiberfastnacht und Rosenmontag das öffentliche Leben weitgehend still legen, sind es keine gesetzlichen Feiertage. Selbst in Köln, Düsseldorf und Mainz sind diese Tage sogenannte Brauchtumstage. Jecken müssen sich für diese Tage Urlaub nehmen. Ausnahmen dazu können die Unternehmen selbst regeln, also über Betriebsvereinbarungen oder die sogenannte betriebliche Übung. Darunter verstehen Juristen bestimmte Verhaltensweisen des Arbeitgebers, die sich regelmäßig wiederholen, und damit Rechtsansprüche begründen. Feiert ein Betrieb seit 20 Jahren Weiberfastnacht und schenkt den Mitarbeitern einen Tag Urlaub, muss der Geschäftsführer ausdrücklich darauf hinweisen, wenn er diese Praxis ändern will. Zur Teilnahme an eine betriebsinterne Karnevalsfeier kann kein Mitarbeiter gezwungen werden. Zieht ein Jeck also gerne ohne die Kollegen um die Häuser, muss er dafür aber einen Tag Urlaub beantragen.

          Verstärkte Präsenz der Polizei

          Krawatten haben heute bekanntlich eine kurze Lebensdauer. Ob ein Mitarbeiter die teure Seidenkrawatte des Vorgesetzten ersetzen muss, hängt in erster Linie vom Humor des Chefs ab. In einigen Regionen würde eine Schadenersatzklage sogar Erfolg haben. Vor einem Amtsgericht im Rheinland dagegen nicht. Dort feiert die Justiz selbst gerne mit. So sind die Gerichte in den Karnevalshochburgen am Weiberfastnacht und Rosenmontag teilweise geschlossen.

          Autofahrer sollten an den tollen Tagen nicht nur auf die verstärkte Präsenz der Polizei achten. Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Schon ab einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,3 Promille kann die Polizei von einer sogenannten relativen Fahruntüchtigkeit ausgehen. Allerdings muss der Fahrer des Fahrzeugs zusätzlich durch seine unsichere Fahrweise aufgefallen sein. Ab einer BAK von 0,5 Promille braucht es diese Ausfallerscheinungen nicht mehr, um den Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen. Die Folgen für den angetrunkenen Jecken sind eine Geldstrafe sowie ein Fahrverbot von einem Monat. Verursacht er noch einen Unfall, muss er außerdem damit rechnen, dass seine Versicherung eine Regulierung verweigert. Für den Schaden und auch mögliches Schmerzensgeld muss er dann einstehen.

          Auch auf das Fahren in voller Kostümierung oder mit einer Maske sollte verzichtet werden. Sie können die Sicht und die Bewegungsfreiheit des Fahrers einschränken. Das kann im Falle eines Unfalls zu seinen Lasten gehen. „Ich war das gar nicht!“ – wer verkleidet geblitzt wird, könnte mit einem Einspruch sogar Erfolg haben. Jedoch kann die Straßenverkehrsbehörde ihm dann zur Auflage machen, über jede Fahrt künftig Buch führen zu müssen.

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