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Karl Lagerfeld während der Haute Couture in Paris 2005 im Grand Palais, dort präsentierte er seine Winterkollektion 2006. Bild: Helmut Fricke

Frankreich trauert : „Karl Lagerfeld war Paris“

Der frühere Präsident Nicolas Sarkozy, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der Regierungssprecher nehmen mit Dankesworten Abschied von dem Mann, der Chanel rettete. Sogar die Gelbwesten verbreiten Trauerbekundungen.

          Karl Lagerfeld habe „Exzellenz und Eleganz à la française“ verkörpert, schreibt der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy. „Merci Karl Lagerfeld!“ Auch Regierungssprecher Benjamin Griveaux nimmt mit Dankesworten Abschied von dem Mann, der Chanel rettete. „Frankreich und Paris verdanken ihm so viel“, schrieb Griveaux. Als wolle er den Modeschöpfer vor der Welle der Nachrufe schützen, verbreitete der Regierungssprecher zudem ein Zitat Lagerfelds: „Das Wichtigste, was man über mich wissen sollte, ist, dass es nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, was die anderen alles über mich sagen.“ In Frankreich haben die Sprüche Lagerfelds einen eigenen Begriff, sie werden „Karlismen“ genannt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Welt der Haute Couture trauere um ihren „Kaiser“, hieß es in Funk und Fernsehen. Das Magazin „Le Point“ titelte: „Der unergründliche Kaiser ist tot“. Die Zeitung „Le Monde“ verbreitete von neuem ihre Enquete zu Lagerfeld: „Tugend und Laster“. „Er war eine Art Unsterblicher“, sagte der Modeschöpfer Jean-Charles de Castelbajac am Dienstag über den Kollegen und stellte ihn in eine Reihe mit Yves Saint Laurent und André Courrèges: „Ihm gelang es, seine Wurzeln zu behalten, obwohl er voll auf die Zukunft ausgerichtet war.“ Der Denkmalschützer Stéphane Bern, der den Franzosen die architektonischen Schätze ihres Landes näherbringt, würdigte in Lagerfeld einen „hellen und kultivierten Geist, einen Ästheten des XVIII. Jahrhunderts“. „Wer immer das Wort Mode hört, der stellt sich das Gesicht, die Silhouette, die Brille Karl Lagerfelds vor“, sagte Kulturminister Franck Riester. Frankreich verliere mit Lagerfeld einen großen Botschafter und die Welt einen der größten Modeschöpfer.

          Karl Lagerfeld 1983 in Paris beim Einkleiden eines Models vor der Chanel-Schau Bilderstrecke

          Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo würdigte den Designer als einen außergewöhnlichen Künstler und sagte: „Karl Lagerfeld war Paris.“ Der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, nannte Karl Lagerfeld „einen großen Inspirator“ für Mode und Kultur. Er habe dazu beigetragen, Paris zur Modehauptstadt der ganzen Welt zu machen, sagte Arnault der französischen Nachrichtenagentur AFP. Arnault bezeichnete den gebürtigen Hamburger zudem als ein „kreatives Genie“ und lobte dessen Arbeit für die italienische Modemarke Fendi, die zu Arnaults Konzern gehört.

          Sogar die Protestbewegung der Gelbwesten verbreitete im Internet Trauerbekundungen. Sie behauptete, Lagerfeld sei einer von ihnen gewesen. Der Modeschöpfer hatte in einer Kampagne der Regierung für die gelbe Warnweste geworben, da sie Leben retten könne.


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          © Reuters

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