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Wasserknappheit in Südafrika : Kapstadt sagt „Day Zero“ ab

Helen Zille kann sich im ersten Stock des Regierungsgebäudes von Western Cape ein bisschen Zeit nehmen, dann ruft der nächste Termin. Es sind hektische Zeiten am Kap der Guten Hoffnung. Nicht nur die Wasserkrise hält die Region in Atem. Außerdem hat sich die politische Lage seit dem Amtsantritt des Staatspräsidenten Cyril Ramaphosa dramatisch geändert. Die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) prescht mit früheren Tabu-Themen wie der Enteignung weißer Farmer ohne Entschädigung voran. Das Westkap ist die einzige Provinz, die nicht vom ANC regiert wird.

Glücklich sei sie nicht darüber, dass der Alarm so unvermittelt abgeblasen wurde, sagt Zille, die neben Englisch, Afrikaans und Deutsch auch Xhosa spricht, die Sprache Nelson Mandelas. Der Anreiz zum Wassersparen könne in der Bevölkerung jetzt schwinden. Und die vielen Berichte über den „Day Zero“ hätten der Wirtschaft schwer geschadet, insbesondere dem Tourismus. „Urlauber stornieren ihre Reisen, wenn sie davon hören. Es ist schwierig, den Leuten zu sagen: Kommt trotzdem, Ihr könnt weiter duschen und trinken, geht nur bitte sorgsam mit Wasser um.“ Der enorme Wirbel auch in der internationalen Öffentlichkeit hat die twitterfreudige Premierministerin überrascht. Ein Ausbleiben der Touristen jedoch hat gravierende Folgen. Der Fremdenverkehr ist der Wirtschaftszweig, in dem die meisten Arbeitsplätze geschaffen werden. „Und wir brauchen dringend diese Jobs.“

Es könnte Jahre dauern, die Regenausfälle wettzumachen

Für das Alltagsleben hat sich durch die Absage des „Day Zero“ erst einmal nichts geändert. Die Restriktionsstufe 6b für den Wasserverbrauch bleibt in Kraft. Demnach dürfen die Bürger nur 50 Liter je Person am Tag nutzen. Bei höherem Verbrauch steigen die Gebühren drastisch, Wasserverschwendern drohen Strafen.

Mit dem Einsetzen des Winterregens in wenigen Monate wird die Wasserknappheit auch nicht behoben sein. Es wird womöglich Jahre dauern, die Regenausfälle wettzumachen. Erschwert werde die Sache noch dadurch, dass die Wetterämter wegen des Klimawandels kaum noch verlässliche Prognosen über Niederschläge machen könnten, sagt Zille.

Um einen „Day Zero“ in den kommenden Jahren zu vermeiden, setzt die Stadt zwar auch auf alternative Wasserquellen – sie lässt Meerwasserentsalzungsanlagen bauen und bohrt nach Grundwasser. Schrittweise sollen diese Projekte zusätzliches Wasser liefern, von 2020 an täglich 300 Millionen Liter – zur Zeit liegt der Tagesverbrauch etwas über 500 Millionen Liter. Doch selbst wenn alle Projekte plangemäß umgesetzt werden, sei eine weitere Krisensituation nicht ausgeschlossen. „Egal wie sehr wir uns bemühen“, sagt Zille, „einen weiteren dramatischen Rückgang der Regenfälle können wir mit unseren Mitteln nicht ausgleichen.“ Die Absage des „Day Zero“ ist eine Entwarnung für Kapstadt – aber unter Vorbehalt.

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