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Nach Ermittlungspannen : Kann Weinstein noch verurteilt werden?

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Trotz Zeugin, Tonband und SVD-Ermittlern, die das Geständnis live mithörten, verzichtete Vance damals auf eine Anklage. „Die Aufnahme reichte nicht aus, um ein Verbrechen nachzuweisen. Es gelang bei den Ermittlungen nicht, einen Vorsatz nachzuweisen“, teilte er mit.

Nach Gerüchten, Weinsteins Anwälte hätten Vance von juristischen Schritten abgehalten, wurden weitere verstörende Details bekannt. Ein inzwischen pensionierter SVD-Ermittler berichtete von Einschüchterungsversuchen gegen Gutierrez. Angeblich besuchten Vertreter der Staatsanwaltschaft Mitbewohner des Models, um sie zu Männerbekanntschaften oder eventueller Prostitution zu befragen. „Das Opfer bekam Angst. Wir beschlossen, es zu verstecken – vor dem Staatsanwalt“, sagte der frühere Ermittler Michael Bock später. Viele New Yorker erinnerte die Strategie an den Fall Dominique Strauss-Kahn. Als der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds vor sieben Jahren wegen des angeblichen Missbrauchs des Zimmermädchens Nafissatou Diallo angeklagt wurde, machten immer wieder Berichte über die angeblich bewegte Vergangenheit der Einwanderin aus Guinea die Runde. Die Staatsanwaltschaft in Manhattan, damals wie heute unter Vance’ Führung, ließ die Anklage schließlich fallen. Die Verteidigung, damals wie heute unter Brafmans Führung, feierte einen Sieg.

Nach Recherchen der Website Propublica zeigte sich der 64 Jahre alte Vance in der Vergangenheit wiederholt großzügig gegenüber Spendern. Vor sechs Jahren verzichtete der Sohn des früheren Außenministers Cyrus Vance nach einer Überweisung für seine Wahlschatulle auf eine Anklage gegen Ivanka Trump und ihren Bruder Donald Jr., die Kaufinteressenten angeblich finanzielle Engpässe des Hotels Trump Soho verschwiegen hatten. Auch aus Weinsteins Umfeld wies die Website Zahlungen nach. Insgesamt soll David Boies, früher Jurist der Weinstein Company, mehr als 180.000 Dollar in Vance’ Wiederwahl investiert haben. 10.000 Dollar flossen angeblich kurz nach der Entscheidung des Demokraten, in Battilana Gutierrez’ Fall von einem Strafantrag abzusehen.

Trotz Anschuldigungen von fast 90 Frauen dürfte sich bei Weinstein Optimismus breitmachen. Obwohl auch in London, Los Angeles und Beverly Hills gegen ihn ermittelt wurde, blieben weitere Anklagen bislang aus. Auch in New York kann die Staatsanwaltschaft nach anfangs drei mutmaßlichen Opfern nur noch eines präsentieren, bei dem es keine Widersprüche oder Ermittlungspannen gab. Verteidiger Brafman rüstet sich zum Gegenangriff. Er kündigte an, gegen Ermittler DiGaudio und den „New Yorker“ vorzugehen. Die Zeitschrift soll Evans’ Bericht über die angeblich einvernehmliche sexuelle Begegnung bewusst zurückgehalten haben.

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