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Durch Stammzellspende : Deutscher Student rettet kanadischem Minister das Leben

Vereint: Trudeau, Kehl, LeBlanc Bild: obs

Der kanadische Minister Dominic LeBlanc verdankt dem Studenten Jonathan Kehl sein Leben. Nun traf er seinen genetischen Zwilling in Kanada.

          2 Min.

          Was für Zufälle das Leben manchmal parat hält: 2017 schiebt sich der Schüler Jonathan Kehl bei einer Registrierungsaktion der Knochenmarkspenderdatei DKMS in seiner Schule in Bad Hersfeld ein Wattestäbchen in den Mund, ohne sich etwas dabei zu denken.

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fünf Jahre später fliegt der mittlerweile zum Studenten gereifte Kehl nach Kanada, um einen Mann zu treffen, dem er ein zweites Leben geschenkt hat. Und da dieser Dominic LeBlanc heißt und Minister im Kabinett von Premier Justin Trudeau ist, die beiden Politiker zudem seit Kindestagen befreundet sind, möchte auch ­Trudeau dem Deutschen Danke sagen. Der Fotograf des Regierungschefs hält die Szene fest. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich überhaupt jemals als Spender angefragt werde“, sagt Jonathan Kehl, „und dann so was“.

          LeBlanc war an Blutkrebs erkrankt

          Im Herbst 2021 bekam der heute 23 Jahre alte Kehl einen Brief der DKMS, in dem er erstmals den Namen Dominic LeBlanc las. 2019 hatte sich der junge Mann aus Bad Hersfeld einer Stammzellentnahme unterzogen. Direkt danach wurde ihm mitgeteilt, dass seine Stammzellen an einen Mann aus Kanada gegangen seien.

          In vielen Ländern, so auch in Kanada, ist nach zwei Jahren Anonymitätsfrist die Preis­gabe der Identität des Empfängers an den Spender möglich – falls Letzterer das möchte. „Ich habe den Namen in die Suchmaschine eingegeben. Und es gab ganz viele Treffer. Im ersten Moment war das schon ein Schock“, berichtet Kehl.

          Der heute 54 Jahre alte Dominic LeBlanc, Jurist und Minister unter anderem für zwischenstaatliche Angelegenheiten und Infrastruktur, hatte im Jahr 2019 die Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom erhalten, eine Blutkrebserkrankung, die vom lymphatischen System ausgeht.

          In einem Video der DKMS erzählt er, wie erschüttert er und seine Familie gewesen seien, als die Ärzte ihm eröffneten, dass er voraussichtlich nur noch ein paar Monate zu leben habe, wenn keine Lösung gefunden werde – nur eine Stammzellspende konnte ihn retten. LeBlancs Ärzte in Mont­real stellten eine Abfrage mit seinen Gewebemerkmalen an die internationalen Datenbanken. Als LeBlancs genetischer Zwilling wurde Jonathan Kehl identifiziert: die Person, die in den entscheidenden Gewebemerkmalen mit dem Patienten übereinstimmt und somit als Stammzellspender infrage kommt.

          „Wir haben eine Verbindung fürs Leben“

          Jonathan Kehl hatte nur kurz Zeit, den ersten Schreck über seinen prominenten Zwilling zu verdauen, dann erhielt er schon eine E-Mail von ihm. LeBlanc hatte sie extra ins Deutsche übersetzen lassen. Kehl, Lehramtsstudent für Religion und Biologie in Kassel, antwortete, wie dankbar er sei zu erfahren, dass es LeBlanc gut gehe. Kurz darauf sprachen die beiden Männer per Videotelefonie das erste Mal miteinander.

          „Ich saß in meinem Zimmer, er in seinem Büro in Ottawa vor der kanadischen Flagge“, sagt Kehl. Bereits bei diesem Gespräch lud der Minister den Studenten ein, ihn in Kanada zu besuchen. Unter anderem wegen der Pandemie musste die Reise immer wieder verschoben werden. Ende September kam es dann endlich zu der Begegnung.

          Gemeinsam mit einem guten Freund, der vom Minister mit nach Kanada eingeladen wurde, reiste Jonathan Kehl erst nach Ottawa, wo er auch Premier Trudeau traf. Danach nahm LeBlanc die beiden Deutschen mit in seine Heimatstadt Moncton an der Ostküste. Dort lernte Kehl LeBlancs Ehefrau und dessen Stiefsohn kennen. Der Kanadier sprach von Kehls „besonderer Großzügigkeit“ und seiner „reinen Herzensgüte“.

          Kehl beschreibt LeBlanc als sehr nahbaren Menschen, der Lebensfreude ausstrahle und jeden Tag genieße. Ein Gegenbesuch ist nun für 2023 geplant. Der kanadische Zwilling will sehen, wo der Deutsche lebt. „Wir haben jetzt eine Verbindung fürs Leben“, sagte Dominic LeBlanc.

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