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Kampagne : Das kleine Du und das große Deutschland

  • Aktualisiert am

Oliver Voss, Geschäftsführer Kreation der Werbeagentur Jung von Matt Bild: Roman Raacke

Er warb schon für Tui, Ebay und Mini - und jetzt für Deutschland. Ein Interview mit Oliver Voss, der den Satz „Du bist Deutschland“ erfunden hat. Die Kampagne soll die Stimmung im Lande verbessern - und verselbständigt sich langsam.

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          Er warb schon für Tui, Ebay und Mini - und jetzt für Deutschland. Ein Interview mit Oliver Voss*, der den Satz „Du bist Deutschland“ erfunden hat. Die Kampagne soll die Stimmung im Lande verbessern - und verselbständigt sich langsam.

          Gleich im Vorgespräch zu der Kampagne im vergangenen Winter bin ich, als wir uns zu einer ersten Besprechung trafen, abgeschweift und auf den Satz gekommen. In den Gesprächen wurde derweil geklärt, worum es eigentlich genau geht.

          Und worum geht es eigentlich?

          Es geht der Initiative, die von vielen Verlagen getragen wird, darum, mit einer Kampagne die Stimmung im Lande zu verbessern. Denn es ist schon auffällig, daß viele Deutsche glauben, ihr Schicksal nicht selbst in der Hand zu haben. Aber mit dem Satz war es natürlich nicht getan: Ich habe mich dann mit meinen Kollegen beraten und gemeinsam mit dem Autor Philipp Jessen die Kampagne entworfen.

          Geht jetzt endlich ein Ruck durchs Land?

          Sie wollten also eine positive Stimmung aufbauen?

          Ja, aber dabei nicht "shiny happy people" zeigen. Der Satz paßt, weil wir den Leuten damit sagen: Es hängt an Dir, was in Deutschland passiert. Es geht um Dich!

          Ziemlich appellativ!

          Wir haben nicht theoretisiert, das stimmt. Mit der direkten und persönlichen Ansprache wollten wir vermeiden, daß die Deutschen wieder im Dichten und Denken verharren. Wir wollten die Leute packen. Damit jeder tut, was er kann. Deshalb die Passage: "Deutschland hat genug Hände, um sie einander zu reichen und anzupacken. Wir sind 82 Millionen."

          Und Sie konnten dabei nicht auf Ihre klassischen Werbesprüche zurückgreifen?

          Genau. Wenn es um Sportschuhe oder Schokoriegel geht, für die ich auch Werbung gemacht habe, sind wir in erster Linie Erfüllungsgehilfen. Hier ging es um Deutschland. Da muß man sich einer anderen Sprache bedienen, als wenn man etwas verkauft. Und wenn ich an die positiven Reaktionen etwa von Angela Merkel und Gerhard Schröder auf die Kampagne denke, ist uns das auch gelungen.

          Sie haben einen geradezu münteferinghaft knappen Satz geschaffen. Für den Mini haben Sie 2001 "Is it love?" erfunden. Sie haben es mit den Drei-Wort-Sätzen aus Subjekt, Prädikat und Objekt!

          In der Kürze liegt eben die Prägnanz.

          Bei Ebay haben Sie immerhin einen vierten Schritt hinzugefügt: "3 . . . 2 . . . 1 . . . meins!"

          . . . wobei ich mir die Kampagnen nicht allein ausgedacht habe. An Ebay sind zum Beispiel auch Uwe Düttmann (Bilder), Sebastian Strasser (Regie), Wolle Schneider (Text) und Götz Ulmer (Art Direction) beteiligt.

          "Du bist Deutschland" könnte Ihr berühmtester Satz werden. Viele Satiriker und Karnevalisten freuen sich über Ihre Vorlage. Die "tageszeitung" titelte am 31. Oktober zu einem Bild von Franz Müntefering: "Du bist SPD". Am gleichen Tag trat er zurück. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

          Die Kampagne verselbständigt sich - und das wollten wir erreichen: Die Leute sollen darüber in ihrer eigenen Sprache sprechen. Wir haben die Werbung nicht nur für andere Werber gemacht, sondern für die große Öffentlichkeit. Daher geht es jetzt auch mit einem zweiten Teil weiter - in Form von Interviews mit den Hauptfiguren.

          Der große Anspruch der Kampagne stößt sich aber an der Wirklichkeit.

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