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Kai Havaii von „Extrabreit“ : „Irgendwie hatten wir alle wieder Bock drauf“

Mehr als nur „Neue Deutsche Welle“: Kai „Havaii“ Schlasse (M.) mit Bubi Hönig (Gitarre), Stefan Klein (Gitarre), Rolf Möller (Schlagzeug) und Lars Hartmann (Bass), v.l. Bild: dpa

Extrabreit waren Punk, eine der bekanntesten Bands der Neuen Deutschen Welle – und dann lange weg. Im Interview spricht Sänger Kai Havaii über das erste Album seit zwölf Jahren, die Vorzüge des Ruhrgebiets und die Stromlinienförmigkeit mancher junger Bands.

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          Herr Havaii, im Titelsong Eures neuen Albums singen Sie von den „Fressen aus dem Pott“. Da kommt der alte Punk-Geist von früher durch – kann man so was noch glaubhaft singen, wenn man, wie Sie, mittlerweile jenseits der 60 ist?

          Oliver Georgi

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Ganz ehrlich? Wir haben uns sehr wenig Gedanken gemacht, welche Attitüde wir damit zeigen wollen. Der Song ist einfach eine Hommage an unsere Heimat, das Ruhrgebiet und an die Art der Menschen dort. Die sind sehr direkt, sehr geradeaus, sehr loyal. Eigentlich ist das Ruhrgebiet an sich schon Punk und Rock’n’Roll. 

          Rio Reiser ist lange tot, die Ärzte mittlerweile zahm und die Hosen sowieso. Sind „Extrabreit“ die letzten verbliebenen Punker? Immerhin haben Sie auf Ihrer Homepage mal geschrieben, ohne Extrabreit seien Bands wie die Ärzte undenkbar gewesen.

          (lacht) Der Satz stammt nicht von uns, sondern ist ein Zitat aus der „Berliner Morgenpost“. Aber wir waren sicher mit die Ersten, die in Deutschland rotzige, einfache Gitarren-Songs mit Alltagstexten machten. Und wenn man unter Punk eine gewisse Attitüde versteht, auch mal unkonventionell zu denken und unberechenbar zu bleiben, sich nicht um den Mainstream zu scheren, passt der Begriff auf uns.

          Haben die Misserfolge, die die Band nach der NDW hatte, vielleicht sogar dabei geholfen, unkonventionell zu bleiben? Nicht zu erfolgreich, arriviert und damit Mainstream zu werden wie die Hosen?

          Vielleicht, kann sein. Wenn man lange ununterbrochen Erfolg hat, wird man zum Celebrity und wächst zu einer Art Konzern heran. An dem hängen dann plötzlich eine Menge Existenzen, und auch wenn man es gar nicht will, muss man plötzlich Erwartungen erfüllen, um diesen Status zu erhalten. Bei uns war das anders; nach unserer langen Pause 1998 bis 2002 war es ziemlich schwer, sich bei den Leuten wieder in Erinnerung zu rufen. Das macht demütig. Wir mussten uns unseren Status, den wir mittlerweile wieder haben, sehr hart erkämpfen.

          Inwiefern hart?

          Wir haben live gespielt bis zur Erschöpfung, auch vor 120 Leuten in Hintertupfingen. Es wurde uns kein roter Teppich ausgerollt, nur weil wir in den 80ern mal eine der bekanntesten deutschen Bands waren. Aber diese Erfahrung hat uns als Band noch mehr zusammengeschweißt und uns daran erinnert, dass wir immer schon eine „band on the road“ waren. Alle fünf Jahre ein Album machen, dann auf Tour gehen und danach wieder in der Versenkung verschwinden, so waren wir noch nie drauf.

           „AUF EX!“ ist das erste Extrabreit-Album seit 12 Jahren. Warum haben Sie dann so lange pausiert? 

          Wir hatten einfach nicht den unbedingten Drang, der dafür nötig ist. Wir haben in all den Jahren immer mal Demos gemacht, die dann aber wieder in der Schublade verschwanden. Die Musik ist eine Weile in den Hintergrund getreten; ich habe in der Zeit viele andere Sachen getan und unter anderem zwei Bücher veröffentlicht. Bis wir uns Anfang des Jahres im Studio getroffen, ein paar Sachen angehört und beschlossen haben, doch nochmal ein Album zu machen. Irgendwie hatten wir alle plötzlich wieder Bock drauf.

          Hat sich Ihre Art zu schreiben mit den Jahren verändert?

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