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Kabbala in Hollywood : Der Punkrock unter den Religionen

  • -Aktualisiert am

Auch Paris Hilton zählt jetzt zu den Anhängern der Kabbala-Lehre Bild: AP

Kabbala-Lehre, Buddhismus, Scientology und manches mehr: In Hollywood suchen immer mehr Stars in pseudo-religiösen Lehren nach dem Glück. Daraus hat sich ein ganzer Pool neu zusammengebastelter Spiritualität gebildet.

          Dass ein dünnes, rotes Bändchen für so viel Wirbel sorgt, hat selbst Hollywood überrascht: Als das Starlet Paris Hilton mit dem Schmuck am Handgelenk bei der Fashion Week in New York auftauchte, schickte nicht nur das Publikum im Zelt des Bryant Park fragende Blicke in die Runde. Auch zu Hause in Los Angeles debattierten Scharen von Fans des blonden It-Girls, was es mit dem Faden auf sich haben könnte. Seit Madonnas spektakulärem Wandel von der mit sadomasochistischen Musikvideos rebellierenden Katholikin zur Anhängerin der postmodernen Kabbala-Lehre weiß nahezu jeder, der Bildunterschriften in Klatschblättern dechiffrieren kann, dass ein rotes Bändchen am Handgelenk den Besuch eines der weltweit etwa fünfzig Kabbala-Zentren signalisiert.

          Ganz so leicht wollte Hilton es ihren Fans aber wohl doch nicht machen. Während Madonna und prominente Glaubensbrüder und -schwestern wie Demi Moore samt Ehemann Ashton Kutcher und seit kurzem angeblich auch Supermodel Naomi Campbell sowie Oscar-Preisträgerin Charlize Theron das rote Band brav am linken Handgelenk tragen, sorgte die Realityshow-Berühmtheit Hilton mit dem Bändchen an der Rechten für Verwirrung. Prompt fragten sich Beobachter, was Hilton der Welt denn nun eigentlich beweisen wollte. Ihren Beitritt zu Hollywoods Kabbala-Imperium, jenem jüdisch inspirierten Mystizismus, der Celebrities seit einigen Jahren erfolgreich „erneuerndes und heilendes“ Wasser für fünf oder mehr Dollar pro Fläschchen verkauft und ihnen dennoch bei der Vermehrung des Vermögens helfen möchte?

          Trotz neuer Spiritualität - Paris Hilton frönt weiterhin dem Shopping

          War es demnach nur eine unschuldige Verwechslung von links und rechts durch die „Simple Life“-Darstellerin, die ihre notorischen Aufmerksamkeitsstörungen meist mit Medikamenten korrigiert? Oder symbolisierte die rote Wollschnur an Hiltons Handgelenk vielleicht die plötzliche Hinwendung zum Buddhismus wie bei Richard Gere und Orlando Bloom, bei dem das Band à droite Mut und Tatkraft signalisiert? Hatte sie die Religion, in Kalifornien seit den Siebzigern bevorzugt mit spirituality umschrieben, für sich entdeckt und würde weltliche Freuden zugunsten höherer Weihen vernachlässigen? Erleichtert registrierten Hiltons Anhänger in den Wochen nach dem Zurschaustellen des Bändchens, dass ihr Idol weiterhin dem Shopping in den Edel-Boutiquen von L.A. frönte und die Nachtclubs am Sunset Strip nicht früher als üblich verließ, um sich irgendwelchen neoreligiösen Ritualen hinzugeben.

          Madonna ist die wohl bekannteste Kabbala-Anhängerin

          „Nein, nein“, beruhigt auch Kabbala-Lehrer David eine Gruppe von Sinnsuchenden in Madonnas spiritueller Alma Mater, dem schmucken Zentrum der Organisation am Robertson Boulevard in Beverly Hills. „Kabbala ist keine Religion, sondern ein universelles System der Selbstverwirklichung.“ Anstelle starrer Regeln gelte es, Freude zu erleben und dauerhafte Erfüllung zu erfahren. David, ein adretter Endzwanziger mit Kippa auf dem schwarzen Haar und rotem Bändchen unter der linken Manschette, beschreibt der zustimmend nickenden Charlotte und ihrem Freund Gary, einem Musiker, seinen eigenen Weg zur Entfaltung. „Ich hatte scheinbar alles, bevor ich Kabbala entdeckte. Ich verdiente mit 19 so viel wie andere mit dreißig, besaß ein großes Auto, gab mit meiner Supermodel-Freundin an und fuhr jedes Wochenende nach Las Vegas zum Pokerspielen“, erinnert er sich. „Trotzdem war ich ständig launisch und reizbar.“ Erst durch Kabbala habe er erfahren, wie die menschliche Seele funktioniert, und sein „Licht“ gefunden. Charlotte und Gary atmen erleichtert auf. Wie viele Kurse („Die Kraft von Kabbala“) für mehrere hundert Dollar der professionelle Anwerber bis dahin belegen musste, wie viele Bücher, CDs, Heilwasser und natürlich rote Wollbändchen für 26 Dollar er im gut bestückten „Bookstore“ des Kabbala-Zentrums gekauft hat, mochte David nicht verraten.

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