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Justus von Dohnányi : Mann mit Haltung

Gekauftes Lächeln: Justus von Dohnányi als Baron und der neue Timm Thaler Bild: Constantin

Justus von Dohnányi spielt in „Timm Thaler“ das verführerische Böse. Er selbst lacht lieber. Und erzählt dabei von Dreharbeiten, Politik und Familie.

          7 Min.

          Nichts zu machen, leider. Justus von Dohnányi will nicht. Dabei schien die Idee so schön.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wie geht Schmunzeln?“

          Es gibt eine nette kleine Szene in dem neuen „Timm Thaler“-Kinofilm von Andreas Dresen. Darin erkundigt sich der böse Baron alias Justus von Dohnányi, der einem Waisenjungen sein ansteckendes Lachen abgeschwatzt hat und nun die Massen verführen will, wie man eigentlich schmunzelt. Und Axel Prahl in einer Knalltütenrolle erklärt nach einer physiologischen Beschreibung des erforderlichen Muskelspiels knapp und lapidar: „Einfach die Mundwinkel Richtung Ohr hochziehen.“

          Das Wesen des Bösen und des Humors

          Das hätte man an diesem Vormittag in einem Berliner Luxushotel gerne einmal live gesehen: Justus von Dohnányi beim Schmunzeln. Dann, zur Abgrenzung, ein Lächeln vielleicht. Einmal diabolisch grinsen. Am Ende ein Lachanfall, bitte. Eine schöne Fotoserie hätte das werden können, schließlich gehört es zum Handwerk eines Schauspielers, Mimik herzustellen, die unterschiedliche Gefühle transportiert, oder, besser vielleicht, Gefühle herzustellen, die sich auch in der Mimik ausdrücken.

          Die Rolle des teuflischen Barons mit dem gekauften Lachen jedenfalls ist geradezu eine Einladung, um in der Begegnung mit diesem Mann das Wesen des Bösen und des Humors zu ergründen. Immerhin ist die Arbeit Dohnányis, der seit vielen Jahren zu den Etablierten des deutschen Films gehört, besonders mit fiesen Charakteren („Das Experiment“, „Napola“) oder mit Selbstironie und Witz („Bis zum Ellenbogen“, „Männerherzen“) verknüpft.

          Kinotrailer : „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“

          Im Gespräch lacht er viel

          Aber, wie gesagt: Justus von Dohnányi weigert sich, auf Kommando den Gesichtsausdruck zu wechseln. Ein Interview ist schließlich keine Theaterprobe. Gestellte Fotos, auf denen Schauspieler sich zu großen Gesten hinreißen lassen, findet er peinlich. Tatsächlich sind am Ende des Treffens jene Bilder die ausdrucksstärksten, auf denen Dohnányi fokussiert, aber natürlich und entspannt in die Gegend blickt.

          Dabei lacht er viel. Im Gespräch wirkt Dohnányi mal verschmitzt, da ausgelassen, dann wieder amüsiert: ein durchaus nachdenklicher Mann, der auch das Schwierige im Leben leicht zu nehmen pflegt. „Ich glaube, dass eine gute Waffe gegen diese Dinge auch das Lachen ist“, sagt er. Bei „Timm Thaler“ heißt es: „Wenn der Mensch lacht, hat der Teufel seine Macht verloren.“ Und ganz nebenbei geraten anderthalb Stunden Interview mit Justus von Dohnányi dann doch zu einer kleinen Typologie des Lachens. Nur Fotos gibt es davon nicht.

          Adlige Herkunft spielt keine Rolle

          Beispiel 1: Wohlfühl-Lachen. Der Schauspieler ist der Sohn des Dirigenten Christoph von Dohnányi, bei der Scheidung seiner Eltern ist er zehn Jahre alt. Anders als bei seinem Onkel, dem ehemaligen Bundesbildungsminister und langjährigen Ersten Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi, wird die erste Silbe seines Nachnamen Ungarisch ausgesprochenen, „doch“. Aber das nimmt der Sechsundfünfzigjährige nicht zu wichtig.

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