https://www.faz.net/-gum-86hmg

Jungschauspielerin : „Ist ein bisschen verrückt gerade“

Macht sich privat nie die Haare, und schminken, sagt sie, könne sie sich auch nicht: Jungschauspielerin Schüle beim Fotoshooting in München. Bild: Jan Roeder

Mit dem Film „Freche Mädchen“ fing sie an, da war sie erst 14. Als dann vor drei Jahren mit einem „Tatort“ der Durchbruch kam, war sie überrascht. Emilia Schüle hat keine Allüren und wirkt jünger, als sie ist. Dabei ist sie ein Vollprofi.

          7 Min.

          Vielleicht ist es absurd, mit Emilia Schüle über Erinnerungen zu sprechen. Mit einer Frau, die „Mädchen“ sagt, wenn sie über sich und Gleichaltrige redet. Für ihren großartigen Auftritt in der Achtziger-Jahre-Persiflage „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ musste sie recherchieren wie für ein Historienspektakel, weil sie selbst erst 1992 geboren ist. Sie hat eine Zwangsprostituierte und eine Heroinsüchtige gespielt, jetzt ist sie als jugendliche Delinquentin in „Boy 7“ zu sehen. Aber ihr Gesicht ist glatt. In diesem Alter hinterlässt die Erfahrung noch keine Spuren. Wenn Schüle über ihr Junkie-Mädchen aus dem „Punk“-Film spricht, stellt sie Gemeinsamkeiten heraus: „Weil ich auch jung bin und Spaß und Freunde haben will und an die Liebe glaube.“

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Schauspielerin sitzt in einem Café im Bayerischen Viertel in Berlin-Schöneberg. Flächige Wangen, Stupsnase, Krateraugen: eine Schönheit vom Typ Kindchenschema. Sie trägt Espadrilles in Flieder und einen flaschengrünen Strickmini, ultrakurz – mit 22 darf man das. Seit knapp zehn Jahren ist Emilia Schüle im Filmgeschäft. Reflektiert, fast abgeklärt kann sie davon erzählen, was es heißt, so früh von Erwachsenen umgeben zu sein, Verantwortung zu tragen und parallel zur Schule regelmäßig zu drehen. Plötzlich jedoch schlägt sie sich mit der Hand gegen die Stirn und flucht laut. Sie blickt auf ihren Cappuccino: „Ich hätte mit Sojamilch bestellen müssen!“, stöhnt sie und erklärt, dass sie seit einer Woche auf Anraten ihrer Ärztin komplett auf Milchprodukte, Gluten und Zucker verzichte. „Ich hab’s vergessen!“

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Mit der Erinnerung ist es so eine Sache im Leben der Emilia Schüle. Neuerdings führt die Schauspielerin Tagebuch. Nicht so wie andere Mädchen, die Raum und Zeit brauchen für ausschweifende Gedanken und Gefühle. Schüle hat für jeden Tag eine kleine Spalte, um Ordnung im Kopf zu halten. Zwei Sätze reichen. „Nur, damit ich ungefähr weiß, was ich gemacht habe. Ich hab ja keinen Alltag, keine Struktur“, sagt sie. Und: „Ich merke manchmal, dass ich so viel mache, dass ich mich gar nicht mehr erinnern kann, was genau jetzt zum Beispiel letzten Dienstag so passiert ist.“

          Für den Doppel-„Tatort“ mit Maria Furtwängler, in dem die Jungschauspielerin als „Wegwerfmädchen“ aus einem Müllberg stieg, ist Schüle 2014 mit den Nachwuchs-Auszeichnungen der Goldenen Kamera und des Deutschen Schauspielerpreises geehrt worden. Spätestens seitdem dreht sie „spannende Projekte“ und „echt tolle Filme“, wie sie sagt, sie wird auf dem roten Teppich fotografiert, gibt Interviews, macht Modestrecken. Diesen Sommer ist sie wochenlang nach Prag gependelt, weil sie für einen Fernsehkrimi vor der Kamera stand, der in den zwanziger Jahren spielt. Jetzt dreht sie einen Fünfziger-Jahre-Dreiteiler in Berlin. Zwischen beiden Projekten lag nur eine Woche Pause. Kostüm- und Leseproben, Recherche. Mittendrin ein Coaching in London.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          2,50 Meter hoch, etwa 2,30 Meter breit: So sieht sie aus, die Zelle des Sports

          Lost in Translation (3) : Zelle des Sports

          Einmal live zugeschaut bei den Könnern in Tokio, schon zuckt der Leib. Corona sitzt im Nacken. Doch auch in der Zelle ist Sport möglich. Selbst wenn bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.