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Julio Iglesias : „Für uns Haudegen ist es schwer geworden“

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So brav, wie Sie sich hier geben, wird meine Großmutter fast ein bißchen enttäuscht sein.

Haben Sie ihr gesagt, daß Sie ein Interview mit mir machen?

Ja, sie hat mich beneidet.

Mich freut es, daß Ihre Großmutter mich kennt.

Kennen Sie meine Großmutter auch?

Sorry, aber ich kann doch nicht jede Frau kennen.

Das sind nun wieder Sätze, die wir an Ihnen lieben! Das ist der Geist von Mick Jagger und Paul McCartney. So wie die beiden gehören Sie auch zu den Legenden des Geschäfts. Woran liegt es, daß Langzeit-Karrieren wie Ihre heute kaum noch möglich sind?

Das hört sich vielleicht etwas altmodisch an, aber in den sechziger und siebziger Jahren haben wir von den Radiosendern einfach mehr Zeit bekommen, einen Hit zu landen. Die haben einen Song drei, vier Monate lang gespielt, auch wenn er sich nicht sofort durchgesetzt hat. So konnten die Lieder überhaupt erst in das Blut der Leute übergehen. Deshalb vererben sich diese Songs auch, weil sie nicht nur gehört wurden, sondern in die Gene eingedrungen sind. Wenn eine Frau meine Lieder geliebt hat, hatte sie diese Musik in sich, und wenn sie ein Kind bekommen hat, hat sie diese Musik vererbt - so wie Ihre Großmutter.

Sie meinen, Musik ist auch nur Biologie?

Es spielt keine Rolle, wie Sie meine Musik finden, aber Sie kennen sie. Inzwischen ist es selbst für uns Haudegen schwer geworden, sich da durchzusetzen. Sie kommen ja schon mit 80 000 Alben in die Charts, da ist dann viel Bewegung drin. Trotzdem gibt es Songs, von denen man zwei Millionen verkauft - und ehrlich gesagt: meist ist das ein Zufall.

Der Pop ist eben vielfältiger geworden, Sie müssen sich den Erfolg inzwischen mit anderen Künstlern teilen.

Das ist ja nicht schlimm. Heute hat jeder einzelne einen eigenen Geschmack. In der Schule ist das Bekenntnis zu einer bestimmten Band ein Bekenntnis zur eigenen Lebenseinstellung, und die soll heute, bitte schön, möglichst individuell sein. Ich kann gut damit leben.

Trotzdem scheinen Sie der Vergangenheit ein bißchen hinterherzutrauern.

Manchmal habe ich masochistische Tendenzen und höre mir meine Alben aus den siebziger Jahren an, dann die aus den Neunzigern. Weil ich dann merke, daß ich viel gelernt habe, daß ich nicht stehengeblieben bin. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich noch am Leben bin.

Vor allen Dingen als Ikone. Sie gelten als Vater des Latin Pop, als Vorfahr von Christina Aguilera und Co. Macht Sie das stolz?

In der New York Times stand neulich, daß ich der einflußreichste Latino-Künstler der Geschichte bin. Da habe ich fast das Frühstücksei verschluckt. Ich habe erst gedacht, daß ich meinen eigenen Nachruf lese, aber dann habe ich überlegt: Eigentlich stimmt das, was die da schreiben. Und wissen Sie was: Das macht mich stolz.

Herr Iglesias, Ihr Leben hört sich unglaublich beschäftigt an. Was machen Sie, wenn Sie entspannen?

Nichts. Aber nichts zu machen fällt mir immer noch schwer. Also lade ich Gäste ein, das vertreibt mir die Zeit, und manchmal kommt auch noch etwas Gutes dabei heraus. Zum Beispiel treffe ich mich regelmäßig mit Bill Clinton und seiner Frau. Wir reden dann über seine Stiftung - und ich freue mich, wenn ich ihm helfen kann.

Jetzt sagen Sie nicht, Sie planen Ihren Einstieg in die Politik.

Da kann ich Sie beruhigen, dann tue ich lieber nichts.

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