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Julia Stiles : Starlet für das denkende Publikum

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Julia Stiles im Interview zum aktuellen Film „Das Bourne Ultimatum” Bild:

Mit elf Jahren begann Julia Stiles Theater zu spielen. Auf der Leinwand überzeugte sie vor allem in Shakespeare-Adaptionen. Dadurch ist sie eine Art Intellektuellen-Darling geworden. Jetzt ist sie an der Seite von Matt Damon im „Bourne Ultimatum“ zu sehen.

          Sympathisch an Julia Stiles ist, dass sie sich keine große Mühe gibt zu behaupten, ein Interview-Marathon zur Vermarktung ihres neuen Filmes sei eine wahnsinnig aufregende Angelegenheit. „Klar wird das auf die Dauer etwas langweilig“, sagt die Schauspielerin, die in dem gerade angelaufenen Film „Bourne Ultimatum“ an der Seite von Matt Damon spielt. Am Vortag hat sie eine Reihe Interviews in London gegeben, heute verbringt sie den Tag mit deutschen Journalisten plaudernd in einem Berliner Luxushotel. „Die Fragen wiederholen sich halt“, sagt sie achselzuckend und wirkt dabei nicht arrogant, sondern nur ziemlich nüchtern und geerdet.

          Im „Bourne Ultimatum“ hat sie ihren dritten Auftritt in der Blockbuster-Agentenserie. Auch in den ersten beiden Teilen war sie als C.I.A.-Nachwuchskraft Nicky Parsons zu sehen. „Aber diesmal durfte ich endlich auch aus dem Büro raus“, erzählt sie über das wachsende Gewicht ihrer Dauernebenrolle in der prägenden Agentenfilm-Serie der nuller Jahre. Für die Schauspielerin ist der obskure Agent auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte die ebenso passende wie zweifelhafte Heldenfigur für eine unübersichtliche Zeit: „Die Angriffe vom 11. September passierten, bevor der erste Bourne-Film in die Kinos kam. Das hat das Klima verändert, das Publikum reagiert anders auf Gewalt im Kino. Die Vorstellung von einem Action-Helden, der ungebrochen cool ist, weil er Leute abknallen und schnelle Autos fahren kann, und dem die Frauen hinterherrennen, das kommt nicht nur mir heute ziemlich archaisch vor.“

          Sie ist eine Art Intellektuellen-Darling geworden

          Julia Stiles ist 26 Jahre alt und wird schon seit längerem als eine der talentiertesten Schauspielerinnen ihrer Generation gehandelt. Bisher fehlte es ihr gelegentlich an Drehbüchern, um ihr Potential auszuschöpfen, aber das hält manchen Filmfreund nicht davon ab, sie als „die nächste Meryl Streep“ anzupreisen. Bei vielen Kritikern hat sie seit langem einen Stein im Brett; selbst wenn sie in dürftigeren Werken zu sehen ist, wird sie oft mit Nachsicht behandelt. Als sie im vergangenen Jahr in John Moores nicht eben umwerfender Neuverfilmung des Horrorklassikers „Das Omen“ spielte, schrieb die „New York Times“, Julia Stiles sei eigentlich „zu intelligent für so einen Müll“. Sie ist eine Art Intellektuellen-Darling geworden, „a thinking man's actress“, ein Starlet für das denkende Publikum.

          Bei der Premiere von „Das Bourne Ultimatum” in Berlin

          Für eine Hollywood-Schauspielerin ist sie denn auch angenehm nachdenklich und ironisch - was möglicherweise nicht nur an ihrem IQ liegt, sondern auch daran, dass sie nicht in erster Linie Hollywood-Schauspielerin ist, sondern New Yorkerin. Dass sie immer noch dort wohnt, erde sie: „New Yorker sind durch Prominenz absolut nicht zu beeindrucken. Ich treffe dort auf Leute aus allen möglichen Branchen. Wäre ich in L.A., würde ich wahrscheinlich meine Zeit ausschließlich mit Schauspielern oder Leuten aus der Filmindustrie verbringen“, befürchtet sie. In den Klatschspalten findet man sie entsprechend selten. Sie ist seit einer Weile geräuschlos mit dem Künstler Jonathan Cramer zusammen.

          Sie überzeugt vor allem in Shakespeare-Adaptionen

          Stiles ist in Manhattan aufgewachsen, auf der Greene Street mitten in Soho. Ihr Vater war Lehrer, ihre Mutter eine Keramikkünstlerin. Sie wurde in einem künstlerischen Milieu groß und entdeckte ihre Berufung ziemlich früh. Im Alter von elf Jahren schrieb sie an das New Yorker Ridge Theatre, sie würde gern mitspielen. Man ließ sie. Kurz darauf war sie bereits auf der Bühne des renommierten Experimentaltheaters „La MaMa“ im East Village zu sehen. Als sie 13 war, hätte sie fast ihre erste größere Filmrolle bekommen, doch Kirsten Dunst (mit der sie Jahre später neben Julia Roberts in „Mona Lisas Lächeln“ zu sehen sein sollte) schnappte ihr den Part in „Interview with the Vampire“ vor der Nase weg.

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