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Bertelsmann-Stiftung-Studie : Jugend fühlt sich zu wenig ernst genommen

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Besonders besorgt sind Kinder wegen Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen an Schulen. Bild: AP

Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen erfährt in der Schule laut einer Studie Ausgrenzung, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt. Den Eindruck, Schule und Gesellschaft mitgestalten zu können, haben nur wenige Jugendliche.

          Ein Großteil der jungen Menschen in Deutschland fühlt sich einer Studie zufolge zu wenig ernst genommen und nur unzureichend an Entscheidungen beteiligt. Je älter die Jugendlichen sind, desto weniger haben sie den Eindruck, Schule und Gesellschaft mitgestalten zu können, wie aus der am Mittwoch in Gütersloh veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Demnach sieht nur rund ein Drittel der befragten 14-Jährigen für sich ausreichende Mitwirkungsmöglichkeiten. Bei den Achtjährigen sei es jeder Zweite. Die Stiftung hat nach eigenen Angaben über 3.000 Kinder und Jugendliche zu ihren Wünschen, Bedürfnissen, Sorgen und Gewalterfahrungen befragt.

          Die wichtigsten Themen sind den Angaben zufolge Vertrauen, Zugehörigkeit, Sicherheit und Selbstbestimmung. Besonders besorgt seien Kinder wegen Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen an Schulen. „Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen erfährt in der Schule Ausgrenzung, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt. Insgesamt ein Viertel fühlt sich an ihrer Schule nicht sicher“, erklärte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Die Politik müsse die Schüler besser schützen.

          Die Ergebnisse zeigten auch, dass „Kinder mit materiellen Sorgen häufiger Gewalterfahrungen machen“. Je mehr Geld eine Familie habe, desto geringer sei das Risiko, gehänselt, geschlagen oder ausgegrenzt zu werden. Rund die Hälfte der Jugendlichen sorgt sich laut Studie um die Finanzen ihrer Familie. Etwa 16,3 Prozent fürchten permanent Geldnot. Um drohender Kinderarmut zu begegnen, braucht es laut Dräger ein Teilhabegeld, das Jugendlichen vor allem Freizeitaktivitäten ermöglicht.

          Im ZDF-Morgenmagazin beklagte die Leiterin der Studie, die Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, die Folgen der Kinderarmut. Betroffene Kinder und Jugendliche könnten oft keinen Familienurlaub machen und litten unter großen Belastungen und Sorgen um die Probleme der Familie. Darüber hinaus hätten sie schlechtere Chancen in der Schule und könnten weniger zusammen mit Freunden unternehmen – etwa Eis essen gehen oder ins Kino.

          „Kinder wissen selbst am besten, was sie brauchen“, ergänzte Andresen. Daher müssten sie etwa bei der Festlegung der Regelsätze für Sozialleistungen selbst befragt werden. Ihre Perspektive und ihr tatsächlicher Bedarf würden bisher zu wenig beachtet. Das neue „Starke-Familien-Gesetz“ zeige zwar einige gute Ansätze, gehe die Probleme aber nicht grundsätzlich genug an.

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