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Jürgen Vogel & Moritz Bleibtreu : „Wir sind zu allem fähig“

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Ein Mann und sein Schatten: Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu stellen ihre Rollen in „Stereo“ nach Bild: Lucas Wahl

Zwei der größten Stars des deutschen Films, Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu, spielen erstmals Seite an Seite. Ein Gespräch über Freundschaft, Vorbilder und Spießer - und das Tier im Mann.

          So was erlebt man auch nicht alle Tage: ein Interview, in dem die Schauspieler mittendrin aufspringen, auf ihrem Handy herumtippen oder kurz mal den Raum verlassen - und trotzdem offene, nachdenkliche Antworten geben. Ein Hotel in Hamburg, der Stadt, in der Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu aufgewachsen sind, und zwei Stars, die partout keine sein wollen, die den deutschen Film in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber stärker geprägt haben dürften als jeder andere Schauspieler ihrer Generation. Berührungsängste mit dem durchkalkulierten Kommerzkino eines Schweiger oder Schweighöfer kennen sie nicht.

          Doch ihre Karrieren sind von anderem Kaliber. Mit ihrer markanten, immer authentisch wirkenden Art sind sie, eine seltene Kombination, Charakterdarsteller und Publikumslieblinge zugleich. Vogel, Jahrgang 1968, und Bleibtreu, Jahrgang 1971, kennen sich schon länger, auf der Leinwand gekreuzt haben sich ihre Wege jedoch fast noch nie. In „Quellen des Lebens“ war, in nur wenigen gemeinsamen Szenen, Vogel als Bleibtreus Vater zu sehen, so wie einst im zweiten Teil des „Paten“ Robert DeNiro den Vater Al Pacinos spielte.

          Maximilian Erlenweins Film „Stereo“, der am 15. Mai ins Kino kommt, ist für Vogel und Bleibtreu das, was „Heat“ für DeNiro und Pacino war: der erste Film, in dem beide gleichberechtigte Hauptrollen spielen. Der doppelbödige Thriller, in dem Bleibtreu anfangs als eine Art dunkles Alter Ego Vogels auftritt, bietet beiden Schauspielern die Chance, ihre ganze Vielseitigkeit auszuspielen. Auch im Interview bedienen sie alle Facetten: laut und leise, albern und ernst, höflich und schnoddrig; sie spielen sich die Bälle zu und werfen einander auch schon mal einen ins Gesicht.

          Jürgen Vogel, wenn Sie im wirklichen Leben in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen könnten: Käme Moritz Bleibtreu in die engere Wahl?

          Bleibtreu: Bloß nicht!

          Vogel: Wenn ich das wirklich könnte, würde ich eher in die Haut einer Frau rutschen. Das ist viel interessanter.

          Und was, Herr Bleibtreu, würden Sie machen, wenn Sie einen Tag als Jürgen Vogel verbringen könnten?

          Bleibtreu: Motorradfahren. Ich hab’ ja keinen Motorradführerschein. Ich würde seine Ducati nehmen und einfach den ganzen Tag brachial durch Berlin heizen. Oben ohne, meine Tattoos zeigen, die ich selbst nicht habe. Einfach mal auf Jürgen Vogel machen.

          Vogel: Macht voll Spaß.

          Bleibtreu: Und natürlich seinen gesamten Ruf versauen.

          Vogel: Kannst du gar nicht! Du kannst ja fast alles tun!

          Sie sind beide gebürtige Hamburger, haben eine nicht immer leichte Kindheit hinter sich, haben die Schule abgebrochen. Sie können Premierenpartys nicht viel abgewinnen, Sie schätzen Ehrlichkeit, Kampfsport, Ihre Privatsphäre und teure Uhren.

          Vogel: Gut recherchiert! Man merkt sofort, wir sitzen Profis gegenüber.

          Worin unterscheiden Sie sich?

          Vogel: Ich bin sensibler (lacht).

          Bleibtreu: Tatsache ist, dass uns viel verbindet, und das ist wichtiger als das, was uns unterscheidet. Aber wir sind unter grundsätzlich verschiedenen Umständen groß geworden. Ich bin ein Künstlerkind, nicht wirklich antiautoritär, aber doch sehr liberal erzogen. Jürgen kommt da aus einer ganz anderen Ecke.

          Vogel: Mein Vater war Kellner, meine Mutter Hausfrau, wir haben fast überhaupt keine Knete gehabt. Es waren Arbeiterverhältnisse, mit vielen Geschwistern in einer beschissenen Gegend. Aber die Sozialisierung ist egal, du kannst dir als Schauspieler trotzdem sehr ähnlich sein.

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