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„Die Basis“ : Früherer Fernsehpfarrer Jürgen Fliege in Corona-Protest-Partei

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Der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege vor einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf der Theresienwiese im September 2020 Bild: dpa

Er behaupte nicht, das Virus sei eine Erfindung, so der ehemalige Fernsehseelsorger Jürgen Fliege. Doch die Lockdown-Maßnahmen seien nicht gerechtfertigt gewesen. Im Frühjahr ist er der Partei „Die Basis“ beigetreten.

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          Der frühere TV-Seelsorger Jürgen Fliege engagiert sich laut einem Medienbericht für die Corona-Protest-Partei „Die Basis“. Der 74 Jahre alte evangelische Theologe, der im vergangenen Jahr bei einer „Querdenker“-Veranstaltung aufgetreten war, habe seine Mitgliedschaft bestätigt, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Demnach trat Fliege im Frühjahr in die Partei ein. Er behaupte nicht, dass das Virus eine Erfindung sei, sagte Fliege dem Magazin, es sei auch gefährlicher als die Grippe. Die Lockdown-Maßnahmen seien jedoch nicht gerechtfertigt gewesen. Der ehemalige Fernsehpfarrer, der bis 2005 eine eigene Talkshow im Ersten hatte, forderte „Sondersendungen, die keine Angst machen“, sondern zeigten, „wie man sein Immunsystem stärkt, zum Beispiel mit Vitamin D und Waldläufen“.

          Der ehemalige TV-Moderator stand in den vergangenen Jahren wegen einer Nähe zu Esoterik und einem Vertrieb umstrittener esoterischer Produkte wiederholt in der Kritik. Im Jahr 2011 stellte Fliege den Verkauf einer sogenannten Fliege-Essenz ein, der er angeblich persönlich durch Handauflegen und Beten heilende Kräfte verliehen habe. Die ehemalige Sektenbeauftragte des Landes Hamburg, Ursula Caberta, warf Fliege vor, Esoterik-Scharlatane und deren Methoden und Produkte hoffähig zu machen und ihnen einen Anstrich von Seriosität zu verleihen.

          Die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr aus Hannover hatte im November eine Veranstaltung der Initiative „Querdenken“ in München scharf kritisiert, auf der unter anderen Fliege aufgetreten war. Die Demonstration war zu einem Gottesdienst deklariert worden, weil die bayerische Corona-Schutzverordnung für Freiluftgottesdienste im Gegensatz zu Demonstrationen keine Teilnehmerbegrenzung vorsah.

          Fliege war Pfarrer in Düsseldorf, Essen und Aldenhoven bei Aachen, bevor er 1994 in der ARD mit einer nach ihm benannten Talkshow auf Sendung ging. Im Jahr 2005 wurde das Format eingestellt. Seit 2010 befindet er sich im Ruhestand. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu Gesundheitsthemen und zur Lebenshilfe.

          „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch hatte sich Anfang Mai in der „Welt am Sonntag“ zu Berichten geäußert, wonach er ebenfalls einen Mitgliedsantrag bei „Die Basis“ gestellt hat. Er finde den „basisdemokratischen Ansatz“ der Partei interessant, sagte er. „Für mich sind hier die Inhalte ausschlaggebend.“ Grundsätzlich sei eine Parteizugehörigkeit aber „etwas sehr Persönliches“, ihn habe die „öffentliche Skandalisierung“ gewundert, so Bruch.

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