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Judi Dench im Gespräch : „Ich will mich selbst gar nicht sehen“

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Führungspositionen hat sie im Blut: Judi Dench hat in ihrer langen Karriere zahlreiche Königinnen gespielt und eine Geheimdienstchefin. Eine der Großen Damen von Bühne und Film ist sie ohnehin Bild: Polaris/laif

„Ich versuche, alles mit Humor zu sehen“: Judi Dench, die Grande Dame des Kinos, im Gespräch über schlanke Blondinen und sehr junge Männer, ihre Wettleidenschaft und ihren Tod bei James Bond.

          Der Blick aus dem Garten der „Villa Laguna“ auf dem venezianischen Lido hat etwas Unwirkliches. Am anderen Ende der Lagune flimmert an diesem warmen Spätsommervormittag Venedig wie eine Fata Morgana. Wenn sich dann auch noch Dame Judi Dench an den Tisch setzt, dezent gebräunt, mit weißer Hose zur weißen Bluse, wie eine britische Upperclasstouristin im Italien-Urlaub, fühlt man sich endgültig, als sei man auf unerklärliche Weise in einer Filmproduktion gelandet.

          Bekannt wurde die 1934 geborene Britin in den sechziger Jahren auf der Bühne, als Mitglied der „Royal Shakespeare Company“. Dann entdeckte man sie auch für das Kino. 1988 schlug die Queen sie zur „Dame Commander of the Order of the British Empire“. Zehn Jahre später wurde sie für ihre Rolle als Queen Elizabeth in „Shakespeare in Love“ mit dem Oscar ausgezeichnet. Jetzt sehen wir die „Dame“ als Frau aus dem Volke; in „Philomena“, dem auf einer wahren Geschichte basierenden neuen Film des britischen Regisseurs Stephen Frears, spielt sie eine Frau auf der Suche nach ihrem Sohn. Anfangen aber müssen wir mit Bond – James Bond; dessen Chefin „M“ nämlich durfte Dench als erste Frau in der 007-Geschichte spielen.

          Ich muss ja sagen, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal von einem Bond-Film gerührt sein könnte. Aber als Sie in „Skyfall“ in der Kirche dahingeschieden sind, war es so weit. Wie emotional war dieser Abschied für Sie?

          Was meinen Sie denn? Sie können darauf wetten, das ich auch gerührt war – und zwar sehr. Ich war nun immerhin ganze siebzehn Jahre dabei. Jetzt haben sie mir den Laufpass gegeben. Aber MI6, der britische Auslandsgeheimdienst, hätte eine Mitarbeiterin jetzt wohl auch langsam verabschiedet, oder? Ich habe schon überlegt, ob ich meinen Nachfolger Ralph Fiennes vor Beginn der Dreharbeiten zum neuen Bond anrufe, um einfach am anderen Ende der Leitung schwer zu atmen (lacht). Aber wissen Sie was? Ihre Kollegen fragen mich in Interviews immer noch, wer mein Lieblings-Bond ist. Ist das zu fassen?

          Und wer ist Ihr Lieblings-Bond?

          (Lacht.) Wie soll ich diese Frage beantworten? Ich fand es damals eine tolle Idee, „M“ mit einer Frau zu besetzen, nachdem diese Rolle so viele Männer gespielt hatten. Trotzdem habe ich nicht verstanden, warum sie ausgerechnet mich gefragt haben. Und mir war auch nicht klar, wie viel Verantwortung mit so einer ikonographischen Figur verbunden ist und was es im Grunde für eine Revolution im Bond-Universum war. Das wird mir jetzt alles erst im Rückblick im vollen Umfang bewusst. Aber ich bin froh, dass ich damals etwas unbedarft war. Denn ich hätte sonst vor der Kamera vor lauter Bedeutung keinen Fuß vor den anderen setzen können.

          Wie haben eigentlich Ihre weiblichen Fans auf diese Rolle reagiert?

          Ich habe keine weiblichen Fans. Meine Fan-Base besteht ausschließlich aus sehr jungen Männern. Das können Sie sich doch denken, oder? Die Freunde meines Enkels finden es ganz schön cool, mich zu besuchen.

          Wie hat sich das Schauspielen für Sie im Laufe der Jahre verändert? Sind Sie vor zwanzig Jahren anders an eine Rolle herangegangen als heute?

          Vor zwanzig Jahren? Sie sind reizend, junger Mann. Also, eine Regel, an die ich als junge Schauspielerin garantiert nicht geglaubt habe, ist die Theorie, dass weniger mehr bedeutet. Mein erster richtiger Job war die Ophelia in „Hamlet“, und ich habe wirklich alles versucht, um sie so richtig wahnsinnig wirken zu lassen. Am Ende war sie die wahnsinnigste Person, die jemals auf der Bühne des „Old Vic“- Theaters stand. Heute weiß ich, dass ich eventuell etwas übertrieben habe. Als junge Schauspielerin fühlst du das auch, aber du vertraust diesem Instinkt noch nicht. Ein großer Auftritt ist ja im Gegenteil oft ganz minimalistisch. Und trotzdem bin ich bis heute immer noch ganz überwältigt von all den Entscheidungen, die ich selbst in diesem minimalistischen Rahmen treffen kann. Und wenn ich einen fertigen Film sehe, sitze ich immer noch mit offenem Mund da und denke: Du hättest das auch auf mindestens zwölf andere Arten spielen können.

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