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Barbie wird 60 : Und noch immer keine Falten

  • -Aktualisiert am

Seit Barbie in 1959 auf den Markt kam, hat sich einiges an der Puppe verändert. Bild: Picture-Alliance

Die Barbie-Puppe wird 60 Jahre alt, sie ist eines der berühmtesten Spielzeuge der Welt. Was viele nicht wissen: Ihr Vorbild war eine Figur aus Deutschland.

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          Eine Frau, die Generationen von Mädchen (und Jungs) geprägt hat, feiert runden Geburtstag. Sie ist Präsidentin, Model, Ärztin oder Ingenieurin. Dabei immer top gestylt, makellose Figur und schimmerndes platinblondes Haar: Ihre 60 Jahre sieht man Barbara Millicent Roberts wirklich nicht an. Besser bekannt ist die Frau aus den Spielzeugabteilungen unter ihrem Spitzenamen „Barbie“.

          Im Jahr 1959 kam die erste Puppe auf den Markt, benannt nach Barbara, der Tochter von „Mattel“-Gründerin Ruth Handler und ihrem Mann und Geschäftspartner Elliot. Das Unternehmen produzierte damals Spielzeugmöbel und Puppenkleider, bevor Ruth Handler mit dem Vertrieb der Plastikpuppe begann.

          Der Ursprung des Erfolgs-Models aber liegt in Deutschland. Handler hatte bei einer Europa-Reise die „Bild-Lilli“ entdeckt, die sie für ihre Tochter mit in die Vereinigten Staaten  brachte. Diese Figur war einem populären Comic-Charakter nachempfunden, der seit 1952 in der „Bild“-Zeitung erschien. Die Zeichnungen erfreuten sich solcher Beliebtheit, dass die Hauptfigur „Lilli“ schließlich als Plastikpuppe produziert wurde. Auch die Lilli konnte schon in verschiedene Kleider gesteckt werden, hatte kämmbares Haar und trug eine beachtliche Schicht Make-up. Die deutsche Modepuppe inspirierte Ruth Handler. Die Ähnlichkeit zur Barbie, wie wir sie kennen, ist kaum zu übersehen.

          Barbie hat sich emanzipiert

          Handlers Barbie wurde 1959 auf der Spielwarenmesse in New York vorgestellt und trat ihren Siegeszug in die Kinderzimmer dieser Welt an. Schon im ersten Jahr wurden 300.000 Exemplare verkauft. 1964 kaufte Mattel schließlich die Rechte der „Bild“-Lilli auf – so konnte Barbie auch in Deutschland heimisch werden. Die Produktion der Lilli, von der es immerhin rund 130.000 Exemplare gab, wurde eingestellt. Barbies deutsche Vorgängerin ist heute ein Sammlerstück: Auf Ebay beginnen die Preisvorstellungen für die wenigen Angebote bei 700 bis 800 Euro.

          Eine „Bild-Lilli“ aus den 50ern.

          Seitdem hat sich einiges getan. Barbie wurde mehr als eine Milliarde Mal verkauft.  Auch ihre Möglichkeiten haben sich erweitert. Die Puppe ist mit der Zeit gegangen, hat sich angepasst und gleichzeitig emanzipiert. Seit 1965 kann sie Astronautin, seit 1973 Chirurgin sein, mittlerweile auch Präsidentin. Mittlerweile gibt es Barbie mit Hidjab oder Afro, als Märchencharakter oder als Abbild von echten Frauen, als Asiatin oder Afrikanerin. Sie schlüpft in viele Rollen und ist ausgestattet mit unzählbaren Accessoires und Kleidern. Barbie gilt als das Mädchen-Spielzeug schlechthin.

          Diskussionen ruft immer wieder ihre unrealistisch schlanke, übergroße Figur hervor. Barbie fördere den Schlankheitswahn und vermittle jungen Mädchen ein unrealistisches Schönheitsideal, heißt es. Ihr Körperbau sei wohl eher eine Männerphantasie (die Comics der „Bild“-Lilli wurden übrigens wirklich von einem Mann gezeichnet). Die Kritik ist an Mattel nicht spurlos vorbeigegangen, aber es dauerte lange, bis das Unternehmen reagierte. 2016 brachte Mattel schließlich Modelle mit anderen Körperformen auf den Markt: Seitdem gibt es Barbie auch als „curvy“ (wobei „curvy“ in der wirklichen Welt auch anders aussieht) sowie in größerer oder kleinerer Statur.

          Medienprofi und Filmstar

          „Ich wollte, dass kleine Mädchen durch die Puppe alles sein konnten, was sie wollten. Barbie stand immer dafür, dass eine Frau die Wahl hat“, so wird Ruth Handler auf der Website von Mattel zitiert. Auch wenn sie mit 60 eigentlich eine alte Dame ist: Barbie geht mit der Zeit. Unter @barbiestyle gibt es Lifestyle-Fotos der Puppe auf Instagram zu sehen, die so professionell aussehen, dass sie manchen Influencer neidisch werden lassen dürften. Die Zahl der Follower, 1,9 Millionen, tut das sowieso. So gehört es sich nun mal für einen echten Filmstar: Barbie starrt nicht nur mit festgefrorenem Grinsen aus den Puppenhäusern dieser Welt, sondern seit 2001 auch vom Bildschirm. Über 30 Animations-Filme umfasst die Barbie-Reihe mittlerweile. Dort darf die Puppe inzwischen sogar Abenteuer erleben. Wahlweise ist sie dabei Popstar, Meerjungfrau oder irgendwas mit Pferden. Oder Einhörnern.

          Wie auch immer man zur Barbie steht, ob man sie liebt, hasst oder als Ausgeburt eines unerreichbaren Schönheitsideals verteufelt: Für viele ist die Plastikpuppe ein Wegbegleiter durch die Kindheit, ob nun als Einhorn-Reiterin oder Action-Heldin. Sie ist Sexsymbol, Politikum, Filmstar – und längst mehr als ein Spielzeug.

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