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Urlaub ohne Juan Carlos : Ein Sommer des Missvergnügens

Beim Besuch der spanischen Königsfamilie auf Mallorca gehen König Felipe VI. (l) und Königin Letizia (r) mit ihren Töchtern Prinzessin Leonor (Mitte, links) und Infantin Sofia durch die Straßen des Dorfes Petra. Bild: dpa

Juan Carlos hat Spanien verlassen, sein Aufenthaltsort ist unklar. Der traditionelle Sommerurlaub der Königsfamilie findet ohne ihn statt. Insider fanden die Königsfamilie schon vorher dysfunktional.

          6 Min.

          Es sind einsame Sommertage in Marivent. Am Freitag kam König Felipe in der Sommerresidenz in Palma de Mallorca an. Dort begrüßte seine Mutter Sofía den überschaubaren Rest der königlichen Kernfamilie: Neben Felipe sind nur Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor und die Infantin Sofía übrig geblieben. Früher waren die Sommerferien auf Mallorca ein Höhepunkt im Jahr der Königsfamilie. Keiner durfte fehlen, wenn Juan Carlos dort Hof hielt, während es Sofía genoss, alle ihre Kinder und Enkel um sich zu haben. Amerikanische Präsidenten, Lady Di und das Ehepaar Gorbatschow schauten in dem herrschaftlichen Anwesen mit einem riesigen Park und eigenem Zugang zum Meer vorbei. Dort legte der gesamte Clan mit der Jacht „Fortuna“ ab. Balearische Unternehmer hatten sie Juan Carlos geschenkt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Doch die Fortuna-Tage liegen lange zurück. Marivent ist zu einem traurigen Symbol für den Zerfall der einst stolzen Bourbonen-Dynastie geworden. Die Jacht ist verkauft, die Familie begnügt sich mit einem viel bescheideneren Motorboot. Felipe und Letizia kommen nicht, um sich zu erholen. Sie planen einen zehn Tage dauernden Arbeitsurlaub. Sie wollen alle Inseln des Archipels aufsuchen, um mit den Bildern Werbung für Spanien als sicheres Reiseland zu machen – obwohl auf Spanien gerade wieder eine neue Corona-Welle zurollt. Felipe wird politische Gespräche mit dem spanischen Ministerpräsidenten und der balearischen Regionalpräsidentin führen. Danach folgt in diesem Jahr kein privater Urlaub wie sonst. Es geht zurück nach Madrid in den Zarzuela-Palast, aus dem Juan Carlos am vergangenen Wochenende auf dem Höhepunkt einer der schwersten Krisen, die das Königshaus bisher durchlebte, ausgezogen ist.

          Juan Carlos hatte seinen Sohn bei dessen Krönung ermahnt, er müsse sich die Unterstützung der Spanier immer wieder aufs Neue verdienen. Seit 2014 arbeitet Felipe hart daran, auch wenn das schmerzhafte Entscheidungen mit sich bringt. Auf Mallorca wird bei seinen ersten öffentlichen Auftritten zu beobachten sein, was die Abreise seines Vaters für ihn selbst bedeutet. Ähnlich wie das britische zieht es auch das spanische Königshaus in Madrid vor, zu Familienangelegenheiten zu schweigen – bis es nicht mehr geht. Auch über die Entscheidung von Juan Carlos, Spanien zu verlassen. In einem äußerst knappen Kommuniqué hatte Felipe bisher nur am Montag seinem Vater Respekt und Dank dafür bekundet.

          Verdacht der Geldwäsche und Steuerhinterziehung

          Der politische Druck war von Tag zu Tag gewachsen, nachdem immer mehr Einzelheiten über das dubiose Finanzgebaren des emeritierten Königs bekanntgeworden waren. Im Mittelpunkt stehen dabei die 100 Millionen Dollar, die der saudische König Abdullah vor 12 Jahren auf das Schweizer Konto einer panamaischen Stiftung von Juan Carlos überwies. Kurz zuvor hatte ein spanisches Firmenkonsortium den Auftrag für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Medina nach Mekka bekommen. Im Jahr 2012 schenkte der Monarch einen Großteil des Geldes seiner „innigen Freundin“ Corinna Larsen, die von 2000 bis 2005 mit Johann Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Sayn verheiratet war und seitdem unter diesem Nachnamen trägt.* Inzwischen laufen in Genf und Madrid Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung gegen ihn. Laut Presseberichten hatte Juan Carlos zudem Millionensummen aus anderen Golfstaaten erhalten. Nach seiner Abdankung im Juni 2014 soll ihm der frühere Sultan von Oman in London ein Penthouse im Wert von mehr als 62 Millionen Euro überlassen haben.

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