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Aufnahme in Heldentempel : Josephine Baker als erste schwarze Frau im Panthéon

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hielt am Dienstag eine Rede zu Ehren von Josephine Baker. Bild: AP

Zum ersten Mal hat Frankreich eine schwarze Frau in den nationalen Heldentempel aufgenommen. Als Josephine Baker 1906 zur Welt kam, deutete nichts darauf hin, dass sie einmal als Unsterbliche gewürdigt werden sollte.

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          An der Fassade des Panthéon sind Bilder aus Josephine Bakers schillerndem Leben projiziert, ein Kinderchor singt ihr Lied „Dans mon village“.  Zum ersten Mal hat Frankreich am Dienstagabend in einer feierlichen Zeremonie eine gebürtige Amerikanerin und schwarze Frau in den nationalen Heldentempel aufgenommen, in dem ruhmreiche Persönlichkeiten wie Victor Hugo, Voltaire, Émile Zola und Alexandre Dumas ruhen. Präsident Emmanuel Macron betonte, dass die Ehrung der Künstlerin, der Widerstandskämpferin, schwarzen Bürgerrechtlerin und Wahlfranzösin zuteilwerde. Bakers Sohn Brian, eines der zwölf Adoptivkinder Bakers, hatte jahrelang für die Aufnahme seiner berühmten Mutter ins Panthéon geworben. Annähernd 40.000 Franzosen unterzeichneten eine Petition, Emmanuel Macron machte den Einzug schließlich möglich. 

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Als Freda Josephine McDonald 1906 in einem Armenviertel in Saint Louis zur Welt kam, deutete nichts darauf hin, dass sie einmal als Unsterbliche gewürdigt werden sollte. In ihrer amerikanischen Heimat im Bundesstaat Missouri erlebte sie früh, was es heißt, dunkler Hautfarbe zu sein.

          Josephine Baker mit ihren Adoptivkindern Marianne, Koffi und Brahim (von links nach rechts).
          Josephine Baker mit ihren Adoptivkindern Marianne, Koffi und Brahim (von links nach rechts). : Bild: AP

          Im Alter von acht Jahren musste sie als Dienstmädchen arbeiten, erlebte mit elf Pogrome gegen Schwarze und wurde mit dreizehn zwangsverheiratet. Sie schaffte es, bei einer Tanztruppe anzuheuern und tingelte mit ihrem Ensemble bis an den Broadway. Im Alter von 19 Jahren kam sie zum ersten Mal auf Tourneereise nach Paris. Die „Revue Nègre“, wie die Bühnennummer damals genannt wurde, war ein Riesenerfolg. Baker steppte und wippte im Bananenrock auf der Bühne und machte den Hot Jazz salonfähig.

          „Man trägt mich auf Händen“

          In Berlin wurde sie 1926 als „schwarze Venus“ gefeiert.  „Berlin, das ist schon toll! Ein Triumphzug. Man trägt mich auf Händen“, notierte Baker in ihren Memoiren. Fast wäre sie an der Spree geblieben, doch dann kam von Les Folies Bergère ein so gutes Angebot, dass sie es zurück an die Seine zog. 1937 nahm sie die französische Staatsbürgerschaft an. Sie war auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich, im September 1939 ließ sie sich von der französischen Luftwaffe rekrutieren.

          Als Showstar trat sie vor den Truppen auf, zugleich wurde sie mit Geheimdienstmissionen beauftragt. Sie unterstützte die Résistance und horchte diskret die Nazi-Besatzer aus. 1957 wurde sie dafür mit dem Croix de Guerre ausgezeichnet. Ihre Orden wurden am Dienstag auch  in den Panthéon überführt. Später kämpfte Baker für die Bürgerrechte in den USA und unterstützte Martin Luther King. 1951 endete eine Tournee in New York im Eklat. Sie wurde im berühmten Stork Club als Schwarze nicht bedient.  „Ich bin schwarz, aber ich bin Französin", sagte Baker einmal,  „es ist mein Land, das einzige, wo ein Mensch in Frieden leben kann"

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