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Josefine Preuß im Interview : „Klar bin ich klein und süß“

Steht von Kindesbeinen an an vor der Kamera: Josefine Preuß Bild: Jens Gyarmaty

Schauspielerin Josefine Preuß spielt in der ZDFneo-Serie „Nix Festes“ eine unentschlossene Dreißigjährige. Ein Gespräch über die Generation Y, Komplimente am Arbeitsplatz und den Umgang mit Neid.

          Ein Café in Berlin-Mitte. Bestell- und Umgangssprache ist, wie an so vielen Orten in der Gegend, Englisch. Vor so gut wie jedem Gast stehen ein aufgeklapptes Macbook und eine Flasche mit frisch gepresstem Saft. Auch die neue ZDFneo-Serie „Nix Festes“, in der es um das Lebensgefühl von Menschen um die dreißig in Berlin geht, spielt oft genug in einem Café, aber in einem, das noch nicht gentrifiziert ist. Josefine Preuß ist in ihrer Serienrolle eine dieser Dreißigjährigen. So wie im echten Leben. An diesem Vormittag bestellt sie nur ein Mineralwasser.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie, gar keinen Kaffee mit Soja- oder Mandelmilch?

          Ich kann mit diesem ganzen Frappuccino, mixed cold, vegan nichts anfangen. Aber ich habe auch keine Lebensmittelintoleranz. Ich finde das auch komisch, vor Jahren hatten wir das alle nicht. Da haben wir alle Milch getrunken und Käse gegessen. Wenn ich heute mit Freunden essen gehe, müssen drei Leute vorher eine Laktosepille reinschmeißen.

          Einige reden sich so eine Intoleranz vielleicht auch gerne ein.

          Ich weiß nicht, ob es ein Einreden ist oder ob es so ist, aber früher ging es ja. Man hat allen Kindern Milch gegeben, und sie haben sie verdaut oder nicht.

          Den Angehörigen der Generation Y wird eine recht entspannte Work-Life-Balance nachgesagt, so wie sie auch in „Nix Festes“ zu sehen ist. Sind Sie in diesem Sinne Generation Y?

          Die Work-Life-Balance ist bei mir sehr gut ausgeglichen und ist mir natürlich wichtig. Ich würde weder das normale Leben vor den Beruf stellen noch andersherum, ich kann das ganz gut verbinden. Ich darf ja nun mal meinen Traumberuf ausüben. Meine Work-Life-Balance ist super. Wenn ich drehe, dann drehe ich. Wenn ich lebe, lebe ich.

          Ist man mit dreißig heute weniger erwachsen als Generationen vor uns?

          Ich kann das nicht mit weniger erwachsen betiteln. Die Generation, um die es auch in der Serie geht, hat heute einfach so unglaublich viele Möglichkeiten. Natürlich sollen die Leute sich Zeit nehmen und erst mal schauen, was sie machen wollen und wo ihre Interessen hingehen, aber ich finde, dass man sich durch dieses Überangebot auch mehr Zeit lässt. Ich kann mit Leuten nichts anfangen, die mit Mitte, Ende dreißig im dreißigsten Semester Pädagogik studieren. Komm zum Punkt, werde erwachsen. Viele scheinen sich nicht schnell genug auf das Leben festlegen zu können.

          Es gibt ja auch die anderen Dreißigjährigen, die in der sogenannten Rushhour des Lebens sind.

          Was meinen Sie damit?

          Dass man mit dreißig allmählich das Gefühl hat, unglaublich viel geschafft und abgehakt haben zu müssen, einen tollen Beruf zu finden, einen Partner, Kinder, mal mindestens auf jedem Kontinent gewesen zu sein.

          Das Gefühl habe ich bei dieser Generation im Moment nicht so. Ich glaube, dass sie eher nicht wissen, wohin sie wollen. Und dass sie nicht wissen, was sie nicht wollen, was ich immer wichtiger finde. Dass es immer so ein Herumprobieren ist, dass an der nächsten Ecke das Bessere, Schönere, Höhere wartet. Man kommt nicht an. Die Generation, die wir meinen, ist eher rastlos.

          Glauben Sie, das liegt daran, dass viele der heute Dreißigjährigen von ihren Achtundsechziger-Eltern freiheitlicher erzogen worden sind?

          Es gibt beides, es ist nicht immer nur eine Erziehungssache. Wenn du das elterliche Haus verlässt, musst du ja trotzdem alleine klarkommen.

          Was haben Ihre Eltern damals gesagt, als „Schloss Einstein“ bei Ihnen im Alter von 12 Jahren angeklopft hat?

          Ich habe schon vor „Schloss Einstein“ viele Jahre lang neben der Schule Theater gespielt, und meine Eltern haben das von Anfang an mitbegleitet und gesehen, dass es mir gutgeht und dass es mir Spaß macht. Klar stand die Schule an erster Stelle, aber ich war eine gute Schülerin, also konnte ich auch nachmittags drehen.

          Menschen um die dreißig in Berlin: Wiebke Busch (Josefine Preuß), Basti Hülz (Tim Kalkhof), Jonas Renner (Sebastian Fräsdorf) in „Nix Festes“

          Leben Sie lieber durchgetaktet oder in den Tag hinein?

          Mal so, mal so, kommt drauf an, wie der Abend endet.

          Es gibt ja die Menschen, die noch mal den Snooze-Button an ihrem Handy betätigen . . .

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