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Johnny Depp vs. Amber Heard : Gewonnen hat die Klatschpresse

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Heards Anwälte nannten Depp einen „hoffnungslos Süchtigen“, seine Anwälte nannten sie eine „zwanghafte Lügnerin“. Bild: AFP

Der im Prozess ausgetragene Rosenkrieg zwischen Johnny Depp und Amber Heard ist vorerst vorbei – einziger Gewinner: die „Sun“. Vom früheren Paar bleiben hingegen nur unappetitliche Einblicke in eine dysfunktionale Beziehung.

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          Wer gewonnen hat, ist noch nicht klar, nur die vielen Verlierer stehen schon fest. Nach mehr als drei Wochen ist am Dienstag in London der Prozess zu Ende gegangen, den Johnny Depp gegen den Verlag der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ angestrengt hatte. Der Hollywood-Star sah sich verleumdet und klagte gegen den Verlag und den Chefredakteur Dan Wootton, nachdem er 2018 in einem Artikel als „wife-beater“, als „Ehefrauen-Schläger“ bezeichnet worden war. Außerdem war dort die Rede von „erdrückenden Beweisen“, dass er seine ehemalige Frau Amber Heard während der 15 gemeinsamen Ehemonate misshandelt habe. Diese Beweise musste die „Sun“ nun nachträglich erbringen. Anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten liegt die Beweislast nach englischem Recht bei dem Verlag, der eine womöglich verleumderische Behauptung aufgestellt hat.

          Im Fall Depps hat das zu einem unangenehmen und in Teilen skurrilen Spektakel geführt. Denn zugunsten der Zeitung sagte unter anderen Amber Heard selbst aus, die bemüht war, die Beweisführung des Blatts zu stützen, indem sie die unschönen Episoden der Ehe detailreich offenlegte: von Hunden, die Depp laut Heard aus dem Fenster eines fahrenden Autos hielt, bis hin zu Flaschen, die er „wie Granaten“ nach ihr geworfen habe. Der presserechtliche Prozess weitete sich so zu einer Promi-Fehde aus. Denn nicht nur der Verlag der „Sun“, sondern auch Heard wollte mit allen Mitteln klarmachen, dass Depp ganz zu Recht als „Ehefrauen-Schläger“ bezeichnet worden sei. Der wiederum bestritt die Vorwürfe, zeichnete seinerseits das Bild der „Ehemänner-Schlägerin“ Heard und irritierte mit Erzählungen über Exkremente im Ehebett.

          Am Montag und Dienstag brachten beide Prozessparteien ihre letzten Argumente vor. Sasha Wass, die Verteidigerin der „Sun“, nannte Depp in ihrem Plädoyer einen „hoffnungslos Süchtigen“, der nicht in der Lage sei, „seine Wut zu kontrollieren“. Er und seine Anwälte nutzten „altmodische Methoden zur Diskreditierung von Frauen“. Depps Anwalt David Sherborne nannte Heard dagegen eine „zwanghafte Lügnerin“ und konterte, sein Mandant habe seine Rauschgift- und Medikamentensucht nie geleugnet. Doch darum gehe es nicht: „Wir sind alle hier, weil die Zeitung und Wootton sich entschieden haben, diese äußerst schwerwiegende Behauptung zu veröffentlichen, eine Behauptung, die, wie Herr Depp sagt – und immer gesagt hat –, völlig unwahr ist.“

          Das Urteil wird erst in einigen Wochen erwartet. Doch für die Öffentlichkeit scheint es am Ende dieser Zurschaustellung müßig, einen Gewinner zu suchen. Da ist einerseits Heard, die im Zuge des Prozesses mal als neue Galionsfigur der #MeToo-Bewegung gefeiert, mal von anderer Seite als eine gewissenlose Lügnerin geschimpft wurde, die das Moment der Bewegung ausnutze. Depp wiederum gilt den einen als prügelnder Ehemann, den anderen als das eigentliche Opfer, denn das Thema der häuslichen Gewalt gegen Männer sei ohnehin unterschätzt. Ob eine Verurteilung der „Sun“ Depp nützen wird oder ein Freispruch Heard, darf stark bezweifelt werden. Bleiben werden von diesem Prozess vor allem die unappetitlichen Einblicke in die dysfunktionale Beziehung des Paars, über die sich die Leser zum Beispiel der „Sun“ entsetzt zeigen und zugleich ein wenig freuen konnten.

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          Da hilft es Depp auch nicht, dass sein Leibwächter und die gemeinsame Stylistin des Ehepaars vor Gericht sagten, sie hätten Gewalttätigkeiten seitens des Schauspielers nie erlebt. Es hilft ihm auch nicht, dass die Verwalterin seiner Bahamas-Insel „Little Halls Pond Cay“ sagte, sie habe gesehen, „wie sich Amber gewalttätig auf Johnny gestürzt, ihn an den Haaren gerissen und anderweitig körperlich angegangen hat“. Und ebenso wenig helfen ihm die schriftlichen Aussagen seiner ehemaligen Partnerinnen, der französischen Sängerin Vanessa Paradis und der Schauspielerin Winona Ryder, auch wenn beide ihm einen liebevollen und fürsorglichen Umgang attestierten.

          Es bleibt dabei: Der Gewinner dieses Prozesses, ganz gleich wie das baldige Urteil lauten mag, ist allein die „Sun“, die sich wohl selten einer so intensiven Publicity und eines so exklusiven Schatzes an Celebrity-Schmutz erfreuen durfte. So hatte Heard vor Gericht wiederholt die Glaubwürdigkeit ihres ehemaligen Manns in Frage gestellt, indem sie von seinen Alkohol- und Rauschgifteskapaden berichtete. Den Behauptungen fügte sie angebliche Beweisfotos bei. Eines zeigt Depp zusammengesunken auf einem Sofa, einen umgekippten Becher mit halbgeschmolzenem Eis im Schritt. Das ist wohl auch nach englischem Recht nicht strafbar. Bei der Verurteilung Depps durch die Öffentlichkeit spielt es aber durchaus eine Rolle: Am gleichen Tag, an dem es vor Gericht gezeigt wurde, erschien das Bild auf der Website der „Sun“.

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