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Johnny Depp : Nie wieder Posterboy

Johnny Depp im Jahr 1990 Bild: laif

Johnny Depp ist fünfzig geworden. Brad Pitt wird auch bald feiern. Beide sind Superstars, haben ihre Karriere zur gleichen Zeit begonnen. Trotzdem ist Depp so etwas wie die Antithese zu Pitt - und der bessere Fifty-Something.

          4 Min.

          Das erste Mal in mein Blickfeld geriet Johnny Depp Anfang der neunziger Jahre. Er war Ende 20 und hatte gerade auf ziemlich brachiale Weise seinen Status als Teeniestar demontiert. In der Serie „21 Jump Street - Tatort Klassenzimmer“ spielte er einen Polizisten, der undercover in Highschools ermittelt. Er trug keine Uniform, sondern weiße Tanktops, schwarze Lederjacken und goldene Ohrringe. Amerikas Teenager hängten sich Johnny-Poster auf, obwohl der Junge aus Kentucky mit seinen hohen Wangenknochen und den melancholisch umschatteten Augen nicht unbedingt dem Bild des all-American boy entsprach. 45.000 Dollar Gage erhielt er pro Folge und 10.000 Liebesbriefe im Monat. Doch Depp fühlte sich nicht geehrt, er wollte kein Posterboy sein. Also verbrannte er seine Unterwäsche am Set, demolierte Hotelzimmer und nahm Drogen.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1988 traf er am Set auf Brad Pitt, der eine Gastrolle übernommen hatte: blond, blauäugig, muskulös und ehrgeizig, bis dahin aufgefallen in einer Jeans-Werbung und einer Bettszene in „Thelma & Louise“.

          Wenn man so will, ist Pitt die Antithese zu Depp. Beide begannen ihre Karriere zur selben Zeit, beide waren Teen-Idole und kassieren heute zweistellige Millionen-Summen für einen Film. Beide werden dieses Jahr 50 Jahre alt. Und doch fragt man sich nur bei Johnny Depp, wie er es eigentlich geschafft hat, ein Superstar zu werden - so planlos, wie er seine Karriere verfolgte.

          „Fear And Loathing In Las Vegas“: Depp 1998 mit Benicio Del Toro
          „Fear And Loathing In Las Vegas“: Depp 1998 mit Benicio Del Toro : Bild: The Kobal Collection/Knesebeck

          Talkmaster David Letterman: Sie waren eigentlich Musiker, bevor Sie ins Filmgeschäft kamen?

          Johnny Depp: Ja.

          Letterman: Wollten Sie schon immer Musiker werden?

          Depp: Ja, äh, seit ich 12 war.

          Letterman: Als Sänger?

          Depp: Hauptsächlich Gitarre.

          Letterman: Fingen Sie damit in Kentucky an?

          Depp: Äh, ja, ich denke, es war dort. Muss wohl so gewesen sein.

          9. Juni 1963. Johnny Depp kommt in einer Stadt namens Owensboro zur Welt, in the middle of nowhere also, wo es nicht viel gibt außer Pferden und Whiskey und einem Internationalen BBQ-Festival. Johnny ist das jüngste von vier Kindern. Als die Familie nach Florida übersiedelt, zeichnet sich schon ab, dass der Kleine aus dem Ruder läuft. Er verletzt sich selbst und beginnt, mit Drogen zu experimentieren. Mit 15 verlässt er die Schule und spielt nur noch Gitarre. Mit der Garagenband The Kids schlägt er irgendwann in Los Angeles auf.

          Letterman: Wollten Sie ein Musikstar werden?

          Depp: Nicht unbedingt. Ich wollte ein Gitarrenspieler werden.

          Letterman: Wollten Sie Studiomusiker sein?

          Depp: Nein, nein, dafür war ich zu schlecht.

          Letterman: Und warum fingen Sie dann mit der Schauspielerei an?

          Depp: Äh, ja, irgendwann begriff ich: Es gibt so was wie Miete, Rechnungen und so.

          Depp jobbte als Bauarbeiter, Tankwart und im Call-Center. Er lernte Nicolas Cage kennen, der ihn zu Castings überredete. Warum nicht? Komparse zu sein war immer noch besser, als übers Telefon Kugelschreiber zu verkaufen. Am Anfang war er darauf spezialisiert, Leichen in Horrorfilmen zu spielen. Irgendwann fand er sich in einer Teenie-Serie wieder. Damals begann sein Hass auf Hollywood.

          Depp: „21 Jump Street“ war der dümmste Job, den ich je gemacht habe. Um ehrlich zu sein: Hollywood geht mir am Arsch vorbei.

          Sommer 1994. Am Strand in Südfrankreich bleibe ich bei einer „Paris Match“-Fotostrecke von zwei Menschen hängen, die sich so scheu und ungelenk vor der Kamera bewegen, als hätten sie mit dem Medium nichts zu tun. Haben sie aber: Kate Moss, Supermodel, und Johnny Depp, Superstar. Das Paar strahlt etwas Unschuldiges aus. Etwas, das es nicht mehr gibt in diesem PR-gesteuerten Business. Etwas, das Brad Pitt und Angelina Jolie nie besessen haben.

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