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John Nashs Auszeichnung : Ein Nobelpreis für Bieter 5039

  • -Aktualisiert am

Preisträger: John Nash 2011 Bild: AFP

In New York wurden die Goldplaketten von gleich zwei berühmten Forschern versteigert. Reinhard Selten und John Nash waren vor 25 Jahren zusammen ausgezeichnet worden.

          4 Min.

          Die Reihenfolge der Auktionslose schien wie ein Gruß in John Nashs Richtung zu sein. Von den mehr als 150 Büchern, Manuskripten und Americana-Artefakten, die vergangene Woche in New York versteigert wurden, wählte das Auktionshaus Christie’s ausgerechnet eine Erstausgabe von Ken Keseys Psychiatrieroman „One Flew Over the Cuckoo’s Nest“, bevor es den Nobelpreis und die Notizen des Mathematikers aufrief. Wie Keseys Hauptfiguren „Chief“ Bromden und Randle Patrick McMurphy hatte Nash mehrere Jahre in Nervenkliniken verbracht.

          1959 diagnostizierten die Ärzte bei dem 30 Jahre alten Wissenschaftler paranoide Schizophrenie. Am Massachusetts Institute of Technology, wo Nash nach seiner Promotion forschte, waren seine Halluzinationen aufgefallen, als er verkündete, in der „New York Times“ verschlüsselte Nachrichten von Außerirdischen zu erkennen. In den folgenden Jahrzehnten wechselten sich Wahnvorstellungen mit Publikationen zu Spieltheorie und Differentialgleichungen ab.

          Genie und Wahnsinn

          Dass Nashs Geisteskrankheit ihn im Oktober 1994 fast den Nobelpreis gekostet hätte, verriet die Autorin Sylvia Nasar jetzt im Auktionskatalog. „Eine Stunde vor Bekanntgabe der Preisträger wurde die Entscheidung um ein Haar zurückgenommen. Viele Mitglieder der Schwedischen Akademie der Wissenschaften weigerten sich, die Wahl des Preiskomitees zu bestätigen. Sie fürchteten, die Ehrung eines ,Verrückten‘ könne die Marke Nobel besudeln“, schrieb die Deutsch-Amerikanerin, die auch die von Hollywood verfilmte und mit vier Oscars ausgezeichnete Nash-Biographie „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ verfasst hatte.

          In letzter Minute habe sich das Komitee dazu durchgerungen, Nash wie geplant gemeinsam mit dem deutschen Volkswirt und Mathematiker Reinhard Selten sowie dem ungarisch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler John Harsanyi auszuzeichnen. Ein Jahr nach seinem Nobelpreis bot Princeton dem arbeitslosen Mathematiker Nash wieder eine Stelle an. „Wir haben Nash auferstehen lassen“, erinnerte sich Assar Lindbeck, der damalige Vorsitzende des Komitees, später.

          Auszeichnung: Nashs Plakette
          Auszeichnung: Nashs Plakette : Bild: dpa

          Der Weg der Medaille zu Christie’s gestaltete sich ähnlich abenteuerlich. Vor drei Jahren hatte Nashs ältester Sohn John David Stier versucht, die Goldplakette seines Vaters versteigern zu lassen. Der 86 Jahre alte Nobelpreisträger und dessen Ehefrau Alicia waren 2015 tödlich verunglückt. Der erste Versteigerungsversuch scheiterte überraschend. Die Gebote bei Sotheby’s blieben so weit hinter den geschätzten zwei bis vier Millionen Dollar zurück, dass die Familie den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, wie die Auszeichnung offiziell heißt, wieder einpackte.

          „Ein idealer Anlass“

          „Vor einigen Monaten nahm Nashs Sohn Kontakt zu uns auf. Dass sich die Preisverleihung jetzt zum 25. Mal jährt, bot einen idealen Anlass“, sagt Christie’s-Kuratorin Heather Weintraub. Auch der Nobelpreis des gebürtigen Breslauers Selten schaffte es in den Auktionssaal an der Rockefeller Plaza. Der einzige deutsche Nobelpreisträger für Wirtschaft hatte bis zu seinem Tod 2016 an der Universität Bonn zu Spieltheorie und „eingeschränkter Rationalität“ geforscht. „Zwei Nobelpreise zusammen zu präsentieren ist natürlich eine Rarität“, sagt Weintraub. Wie Seltens Medaille den Weg nach New York fand, will sie allerdings nicht verraten.

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