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Nach fast 50 Jahren : John Kerry trifft Kriegsgegner in Vietnam wieder

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Sie reichen sich beide Hände: John Kerry am Samstag beim Treffen mit seinem ehemaligen Kriegsgegner Bild: AFP

Emotionale Begegnung: Der amerikanische Außenminister John Kerry trifft einen Mann, dessen Vietcong-Einheit ihn 1969 in einen Hinterhalt gelockt hatte. Das Zusammentreffen endete damals blutig.

          Ihre erste Begegnung vor fast 50 Jahren hatte blutig geendet, nun reichten sich John Kerry und Vo Ban Tam freundschaftlich die Hand: Bei einem Besuch im vietnamesischen Mekong-Delta traf Kerry, der inzwischen Außenminister ist, am Samstag den Krabbenfischer Tam, dessen Vietcong-Einheit am 28. Februar 1969 ein von Kerry kommandiertes Boot in einen Hinterhalt gelockt hatte.

          „Ich bin froh, dass wir beide leben“, sagte der 73 Jahre alte Kerry zur Begrüßung zu dem drei Jahre jüngeren Mann. Wie die „Washington Post“ berichtet, hatten Mitarbeiter des amerikanischen Konsulats den ehemaligen Vietcong aufgespürt und das Treffen eingefädelt. Die beiden sprachen über die Geschehnisse von damals. Kerry hatte sein Boot aus dem Hinterhalt retten können, war an Land gegangen und hatte einen der Angreifer erschossen.

          Höhepunkt des zweitägigen Vietnam-Besuchs

          „Er war ein guter Soldat“, erinnerte sich der frühere Vietcong-Kommandeur Tam an den Erschossenen. Es habe sich um den damals 24 Jahre alten Ba Tanh gehandelt. Dieser Name war Kerry bislang nicht bekannt gewesen.

          Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt war der amerikanische Außenminister zu einem Besuch nach Vietnam gereist. Dabei besuchte er auch erstmals seit dem Krieg sein früheres Einsatzgebiet im Süden des Landes. Insgesamt verbrachte er zwei Tage in Vietnam. Das Treffen mit seinem früheren Kriegsgegner dürfte der emotionale Höhepunkt dieser Zeit gewesen sein.

          Kerry hatte gegen den Krieg mobil gemacht

          Kerry war ein hoch dekorierter Soldat im Vietnam-Krieg. Als er im Jahr 2004 als Präsidentschaftskandidat antrat, hatten Gegner in Frage gestellt, dass all die im Krieg gewonnen Auszeichnungen überhaupt verdient gewesen seien. Wie die „Washington Post“ schreibt, unterstellten sie ihm damals, dass der Vietcong, den er erschossen hatte, bloß ein Teenager gewesen sei. Dieser „Vorwurf“ wurde jetzt aus dem Weg geräumt.

          Ob das Kerry etwas bedeutet, ist nicht bekannt. Nach seiner Rückkehr aus Vietnam in die Vereinigten Staaten im April 1969 hatte er aber öffentlich gegen diesen Krieg mobil gemacht.

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