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Johannes Strate im Interview : „Wir erzählen die Geschichten unserer Generation“

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Alphatier mit Rudel: Johannes Strate (vorne) und seine Bandkollegen Kristoffer Hünecke, Jakob Sinn und Niels Grötsch in Hamburg Bild: Lucas Wahl

„Revolverheld“-Sänger Johannes Strate übers Vaterwerden, das Bravsein, die beste Zeile im Deutsch-Rock und das Strippen im Tourbus.

          5 Min.

          Ende letzten Jahres bist du Vater geworden. Ist das so schön, wie man sagt?

          Ja. Du wachst morgens auf, er lacht dich an, und du denkst: Ja! Gerade für so ein Alphatier wie mich ist es gut, sein Ego mal hintanzustellen und einfach nur auf die Bedürfnisse des Kindes zu reagieren. Ich habe mir um die Geburt meines Sohns zwei Monate freigenommen, was ein Privileg ist, das ich an meinem Beruf sehr zu schätzen weiß.

          Du hast mit deiner Partnerin einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Kannst du das weiterempfehlen?

          Nein. Wir saßen da mit zwölf Paaren, die teilweise unglaublich dämliche Fragen gestellt haben. Einer hat die Hebamme gefragt: „Greifen Sie dann da unten so rein, mit Ihrem Arm, und ziehen das Kind raus?“ Sie meinte völlig entgeistert: „Nee, sagen Sie mal, Ihre Frau ist doch keine Kuh!“

          Dein Sohn heißt Emil; ein Name aus vergangenen Zeiten.

          Ich finde klassische Namen gut und bin kein Freund von Modenamen und Leuten, die ihre Kinder schon über den Namen zu etwas ganz Besonderem machen wollen.

          Dein Name Johannes lässt auf eine christlich orientierte Familie schließen.

          Nein, meine Eltern fanden den Namen einfach schön. Aus meiner Familie ist keiner mehr in der Kirche.

          Deine Freundin, Anna Angelina Wolfers, ist Schauspielerin. Wieso sind Sänger häufig mit Schauspielerinnen zusammen?

          Weil ein gegenseitiges Verständnis für die Probleme da ist, die unsere Berufe mit sich bringen. Wir haben unbeständige Leben, müssen flexibel sein. Da kann es schon mal passieren, dass der Urlaub spontan wegen eines Drehs oder eines Auftritts abgebrochen werden muss. Anderseits können wir beide auch im Zweifelsfall morgens auspennen – wenn unser Sohn uns lässt.

          Johannes Strate: „Wir sind keine Punkrock-Band, die sich im Tourbus volllaufen lässt“

          Beschreibe deine Freundin mal mit drei Adjektiven.

          (Denkt nach.) Intelligent, einfühlsam, herzlich.

          Sicher keine Gründe, weshalb die Leser von „FHM“ sie zur zweiterotischsten Frau der Welt wählten.

          Doch, da geht’s doch nur um die inneren Werte...

          Trotz des Erfolgs hattet ihr mit Revolverheld bisher keinen echten Hit.

          Für „Halt dich an mir fest“ haben wir eine Goldene Schallplatte bekommen, und der Song war, wie übrigens auch „Spinner“, einer der meistgespielten Songs im Radio.

          Die Frage ist doch, ob ein Lied in den Köpfen bleibt.

          Also, wir sind sicher nicht die Band, die über einen Song definiert wird. Ich weiß aber, dass es da draußen sehr viele Menschen gibt, die mit unseren Songs viel verbinden. Spätestens beim Konzert merkt man, wie emotional und bewegend ein Song sein kann.

          Schon mal den Vorwurf gehört, dass eure Musik brav sei?

          Klar, aber ich sehe das anders. Wir erzählen die Geschichten unserer Generation und sind keine Punkrock-Band, die sich im Tourbus volllaufen lässt. Es gibt Bands, die erzählen von wilden Partys imTourbus, zu denen sie vierzig Frauen einladen. In der Pop- und Rockmusik ist das eigentlich ein Klischee, bei Rappern gibt es das aber. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass da zwei Mädels einsteigen, und da sind dann zehn Jungs im Bus und dann... – nun ja.

          Jetzt fragt man sich natürlich, was bei euch im Tourbus läuft.

          Bei uns gab es so was nie. Wenn wir betrunken waren, haben wir uns selbst ausgezogen. Dann haben wir uns auf die große Ablage vor der Windschutzscheibe gestellt und die Lkw-Fahrer gegrüßt: als nackte Galionsfiguren.

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