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Jodie Foster : „In Wahrheit bin ich keine Rebellin“

  • -Aktualisiert am

Zum ersten Mal in ihrem Leben spiel Jodie Foster eine weibliche Hauptrolle, die im Film älter ist als sie selbst. Bild: AP

In ihrem neuen Film spielt Jodie Foster eine Frau, die älter ist als sie selbst im wahren Leben. Ein Anstoß, über Frauenbilder, Führungsstile, Talente und die eigene Identität zu sprechen.

          7 Min.

          Frau Foster, in Ihrem neuen Film „Hotel Artemis“ sagt Ihre Figur an einer Stelle: Man kann sich nicht aussuchen, worin man gut ist. Sie selbst sind mit erstaunlich vielen Talenten gesegnet...

          Na ja, das meiste davon dreht sich um Film. Aber ich kann auch einen Ball auf meiner Fingerspitze zum Drehen bringen. Und ich spreche Französisch. Das ist auch schon alles. Im Film klammern sich diese Figuren sehr stark an das, was sie tun, es ist die Quelle ihrer Identität. Dabei wird ihnen die eigene Identität zum Gefängnis.

          Aber eine Identität ist doch auch sinnstiftend.

          Oder man sperrt sich ein: Dies ist meine Bestimmung, und ich kann ihr nicht entkommen. – Ich hatte einmal einen seltsamen Traum: Ich war auf einer Cocktailparty, und es gab Getränke und Horsd’œvres, und ich trank und aß, aber ich war die Einzige. Alle Gespräche drehten sich sehr intensiv um die Bedeutung des Lebens, alle hatten enorm wichtige Dinge zu tun, ich auch. Irgendwann wurde mir klar, dass außer mir niemand etwas aß. Und dann ging mir auf – die sind alle tot. Sie wussten es nur noch nicht. Alle strampelten sich im Hamsterrad der Bedeutungsfindung ab, und sie konnten nicht akzeptieren, dass das eigentlich gar keine Rolle spielt.

          Ihre eigene Laufbahn brach eher mit überkommenen Bedeutungsmustern – Sie waren nicht das niedliche Mädchen, das Leute von einem Kinderstar erwarteten, und Sie waren nicht die aufregende Femme fatale, wie das für Frauen im Hollywood der Neunziger angesagt war. Ist Ihnen das passiert, oder haben Sie das mit Absicht betrieben?

          Als ich drei oder vier war, habe ich das auf jeden Fall nicht mit Absicht betrieben, aber ich war halt so drauf. Und ich bin zu einer Zeit in Hollywood aufgetaucht, als das anders war. So hatte man das auf der Leinwand noch nicht gesehen. Der Schriftsteller Malcolm Gladwell schreibt in seinem Buch „Outliers“ darüber, dass es ein gewisses Privileg und zehntausend Stunden Übung braucht, um ein Handwerk zu meistern. In meinem Fall hatte ich vermutlich mit zwölf Jahren diese zehntausend Stunden geschafft – aber ich bin auch zu einer Zeit in Hollywood aufgeschlagen, als es keine Peppermint Pattys gab, also Frauen wie die Figur aus den „Peanuts“. Immer wenn ich zu einem Casting ging, waren alle anderen Mädchen sorgfältig geschminkt und trugen niedliche Kleidchen und blondierte Haare. Es war mir damals nicht klar, aber ich war offenbar so etwas wie die Vision einer alternativen Weiblichkeit.

          Klingt ziemlich mutig. Die meisten von uns passen sich ja lieber den bereits existierenden Standards an.

          Ich weiß nicht, ob das eine bewusste Sache war. Das war einfach ich, und das ließ sich nicht übertünchen. Ich bin nämlich eigentlich ein total braves Mädchen. Ich mache mir Notizen, ich kriege gern gute Zensuren, ich tue, was mir gesagt wird. Ich bin in Wahrheit keine Rebellin.

          In „Hotel Artemis“ spielt Jodie Foster eine Krankenschwester, die ein Geheimnis hat: Sie betreibt ein Krankenhaus, in dem sich Kriminelle behandeln lassen.
          In „Hotel Artemis“ spielt Jodie Foster eine Krankenschwester, die ein Geheimnis hat: Sie betreibt ein Krankenhaus, in dem sich Kriminelle behandeln lassen. : Bild: interTOPICS /Entertainment Pictu

          Ihre Mutter soll Ihnen prophezeit haben, dass Ihre Karriere mit spätestens 18 Jahren vorbei sein würde und Sie einen ernsten Beruf ergreifen müssten. Können Sie sich vorstellen, wohin das geführt hätte?

          Ich habe mir tausend verschiedene Dinge vorgestellt. Vielleicht etwas, das mit Schreiben zu tun hat, weil das eine Sache ist, in der ich einigermaßen gut bin. Das ist aber nicht geschehen, und inzwischen ist es schwer, mir etwas vorzustellen, was nicht mit dem Filmgeschäft zu tun hat. Vielleicht hätte ich auch einen Lehrberuf ganz gut gemacht, wo ich viel reden muss...

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