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„Malizia“-Yacht unterwegs : Jetzt ist Greta Thunberg Wind und Wetter ausgeliefert

Adieu: An Bord des Schiffs ist auch Greta Thunbergs Vater Svante Thunberg sowie ein Kameramann. Bild: AFP

Greta Thunberg ist auf dem Weg nach New York. Zwei Wochen lang reist die Aktivistin nun auf einer Hightech-Yacht, die nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist. Eigentlich gibt es bei dem Trip nur eine große Gefahr.

          Die vielleicht bekannteste Jugendliche der Welt, Greta Thunberg, ist am Mittwoch mit leichter Verspätung vom südenglischen Hafen Plymouth aufgebrochen und hat ihre Reise mit einer Hightech-Segelyacht nach New York begonnen. Dort will sie im September an einer UN-Klimakonferenz teilnehmen. Starker Wind und Regen verzögerten allerdings die Abreise der 16 Jahre alten „Fridays-for-Future“-Aktivistin aus Schweden etwas. An Bord des Schiffs ist auch ihr Vater Svante Thunberg sowie ein Kameramann. Zwei erfahrene Profiskipper sollen sie über den Nordatlantik bringen: der Hamburger Boris Herrmann sowie sein monegassischer Freund und Teamkollege Pierre Casiraghi, der Sohn von Prinzessin Caroline von Hannover.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Sebastian Reuter

          Die Reise auf der 18 Meter langen, knapp 20 Meter hohen und acht Tonnen schweren Hochseeyacht „Malizia“, die Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten (46,3 Kilometer in der Stunde) erreichen kann, wird etwa zwei Wochen dauern – je nach Wind- und Wetterverhältnissen. Eigentlich gefertigt ist die Yacht für die Teilnahme an der härtesten Segelregatta der Welt, der Vendée Globe, die in knapp 80 Tagen über 45.000 Kilometer nonstop einmal um den Globus durch die Ozeane führt. Bei ihr will Herrmann im nächsten Jahr als Einhand-Segler an den Start gehen.

          Weder Dusche noch Toilette

          Die „Malizia“ gleicht einem technischen Wunderwerk: Dutzende Hilfsmittel und Analysegeräte sollen dem Skipper und seiner Crew beim Navigieren über das Meer und der Auswahl der besten Route helfen. Außerdem stehen Herrmann, der schon mehrfach mit verschiedenen Teams um die Welt gesegelt ist, und Casiraghi Meteorologen, Techniker und Mediziner vom Festland aus für Beratungen und bei Notfällen zur Seite.

          „Unsere Aufgabe ist es, Greta die Reise so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten. Die Geschwindigkeit spielt keine Rolle“, hatte Herrmann der F.A.Z. gesagt – kurz vor dem Start der etwa 3000 Seemeilen langen Reise durch die Ausläufer des Ärmelkanals und über den nördlichen Teil des Atlantiks bis zur Anlegestelle direkt unterhalb des Freedom Tower am Hudson in Manhattan.

          Ein Umarmung zum Abschied: Greta Thunberg vor der Abreise

          Allerdings ist die „Malizia“ nur mit dem Nötigsten ausgestattet und hat weder eine Dusche noch eine Toilette. Geschlafen wird in zwei Rohrkojen. Das hauptsächlich gefriergetrocknete Essen aus der Dose wird mit einem einzelnen Gaskocher erhitzt. Die größte Gefahr geht für Thunberg und ihre Mitsegelnden davon aus, dass sie bei voller Fahrt über Bord gehen und in den eiskalten und aufgewühlten Ozean stürzen könnten. Allerdings ist der Plan, dass sich die Crew bei unruhigen Wetterverhältnissen größtenteils unter Deck aufhält.

          In den vergangenen Tagen hat Thunberg das Leben an Bord schon etwas geübt. Sie will mit dem Schiff fahren, weil es kein Kohlendioxid ausstößt. Allerdings hat der Bau der Rennyacht, die einem reichen Immobilieninvestor aus Deutschland gehört, natürlich viele Tonnen Kohlendioxid verursacht, so dass der zweiwöchige Trip rechnerisch auch Kohlendioxid-Emissionen kostet.

          Ein Jahr, nachdem Greta vor dem schwedischen Reichstag ihren Schulstreik für das Klima begonnen hat, und sieben Monate nachdem sie auf dem Weltwirtschaftsforum mit ihrer Rede („Ich will, dass ihr in Panik geratet“) auf der ganzen Welt Aufsehen erregte, landen die Thunbergs mit dem Segeltrip den nächsten Coup, auch wenn sie verneinen, dass es um Public Relations gehe. Hunderte Journalisten, Kameraleute und Schaulustige verfolgten in Plymouth die Abreise der „Malizia“.

          Allerdings fällt auf, dass der jungen Schwedin in der britischen Presse weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als in den deutschen Medien. Das am häufigsten erwähnte Detail der Reise war, dass es an Bord des Schiffs keine Toilette gibt, nur einen Eimer. In angelsächsischen Medien kommen auch scharfe Kritiker der Klimaaktivistin zu Wort, etwa ein australischer Kolumnist, der Greta Thunberg als „tief verstörten Messias der Globale-Erwärmung-Bewegung“ bezeichnete, was die Jugendliche via Twitter als „Hass“ zurückwies.

          Während Buchmacher schon darauf wetten, dass Greta Thunberg in diesem Herbst den Friedensnobelpreis bekommen wird, könnte ihr in Amerika ein anderes politisches Klima entgegenschlagen. Die Regierung von Donald Trump zweifelt daran, dass der Mensch einen großen Anteil am Klimawandel hat. Thunberg wird in New York an dem Klimagipfel vieler Staats- und Regierungschefs am 23. September teilnehmen, anschließend will sie im Dezember nach Chile zu einer Weltklimakonferenz reisen. Weitgehend im Hintergrund hält sich ihr Vater Svante. Zusammen mit Gretas Mutter Malena Ernman gilt er als geschickter Organisator des Medienspektakels um seine Tochter.

          Greta Thunberg überquert den Atlantik
          Verfolgen Sie die „Malizia II“ in Echtzeit

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