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Hollywood-Karriere : Die talentierte Miss Chastain

  • -Aktualisiert am

Hollywood-Überfliegerin Jessica Chastain Bild: Reuters

Hollywood hat eine Weile gebraucht, bis es mit ihr etwas anfangen konnte, aber inzwischen wird Jessica Chastain als „neue Meryl Streep“ gefeiert. Und es ist, als wäre es nie anders gewesen.

          6 Min.

          Als Jessica Chastain in einem blauen Rachel-Roy-Kleid und hochhackigen Louboutin-Schuhen die Hotelsuite in Manhattan betritt, sieht sie erst einmal ganz so aus, als spiele sie eine Rolle: den formvollendeten Filmstar. Zierliche Gestalt, tadellose Körperhaltung, fast durchsichtiger Teint, seidige rote Haare. Doch sie überrascht mich, der sie nicht nur im Kino als Usama-Bin-Ladin-Jägerin in „Zero Dark Thirty“ oder als Punk-Biest in „Mama“, sondern auch schon auf manchem roten Teppich gesehen hat.

          Im Gespräch nämlich zeigt sie keine Spur von Star-Gehabe, im Gegenteil: Sie macht einen bodenständigen, natürlichen, warmherzigen Eindruck, bietet mit sanfter Stimme etwas zu essen und zu trinken an. Zudem lässt sie sich keinerlei Erschöpfung anmerken, obwohl sie bei unserem Gespräch – es ist unser erstes damals, im Januar 2013 – schon einen Interview-Marathon hinter sich hat und seit Monaten achtmal pro Woche drei Stunden lang am Broadway auf der Bühne steht, in „Die Erbin“, einem Drama von Ruth und Augustus Goetz nach dem Henry-James-Roman „Washington Square“. Es ist die Emanzipationsgeschichte eines Mauerblümchens.

          Stipendium von Robin Williams

          Am meisten jedoch verblüffte mich die Art, wie Chastain über jene frustrierenden Jahre sprach, in denen sie viel Ablehnung erfuhr und sich in Hollywoods Haifischbecken vergeblich abstrampelte: schonungslos, aber ohne Bitternis. Aufgewachsen war sie in der kulturellen Diaspora von Nordkalifornien mit vier Geschwistern, als Tochter einer Köchin und eines Feuerwehrmanns. Ihre Großmutter steckte sie mit der Theaterbegeisterung an, als sie die Siebenjährige in eine Musical-Aufführung mitnahm; sie spendierte ihr Ballettstunden und ermunterte sie später, sich an der renommiertesten Schauspielschule des Landes zu bewerben – der Juilliard School in New York.

          Die talentierte Miss Chastain wurde dort nicht nur angenommen, sondern ergatterte auch noch ein vom einstigen Juilliard-Absolventen Robin Williams gestiftetes Stipendium, mit dem sie die Studiengebühren finanzieren konnte. Ihre vierjährige Ausbildung, das Lernen unter Gleichgesinnten, bezeichnet sie noch heute als schönste Zeit ihres Lebens.

          Doch als sie nach dem Studienabschluss zu ihrer Familie an die Ostküste zurückkehrte, um ihren Platz in der Filmbranche zu finden, gab es ein böses Erwachen: „Hollywood wusste schlichtweg nichts mit mir anzufangen“, konstatierte sie. „Ich war nicht groß, blond und braungebrannt. Ich kam allenfalls für die Darstellung einer Irren oder eines Vergewaltigungsopfers in Frage – niemals für die Hauptfigur, denn die musste eine glatte Schönheit sein.“

          Die Wende kam mit Al Pacino

          Jahrelang kämpfte sie um Rollen, die sie eigentlich gar nicht wollte. Für acht verschiedene Serien wurde sie immerhin zu Probeaufnahmen eingeladen, flog jedoch jedes Mal in der letzten Runde raus. Um sich finanziell über Wasser zu halten, verkörperte sie Leichen in Fernsehkrimis und ließ sich bei der Eröffnung von Shoppingcentern in Mickymaus-Kostüme stecken. Zigfach bekam sie nach Bewerbungsgesprächen zu hören: „Der Regisseur fand dich toll, aber die Produzenten haben sich jetzt doch für ein Model entschieden.“

          Die Wende kam schließlich durch Al Pacino: Er engagierte sie als seine Bühnenpartnerin für die Titelrolle in Oscar Wildes Theaterstück „Salome“, schwärmte von Chastain als „Wunder“ und vermittelte sie an Terrence Malick, der sie an der Seite von Brad Pitt in seinem Magnum Opus „The Tree of Life“ besetzte. Malick wiederum verkündete, sie sei eines der begabtesten Menschen, mit denen er je gearbeitet habe, und legte sie seinen Regie-Kollegen Jeff Nichols und John Madden ans Herz, die sie für „Take Shelter“ und „Eine offene Rechnung“ anheuerten.

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