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Hollywood-Karriere : Die talentierte Miss Chastain

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Aber für das Kinopublikum blieb die Vielgepriesene weiterhin unsichtbar. Es war wie verhext: Pacino inszenierte eine Filmversion der „Salome“, fand jedoch keinen Verleiher; Malick schnitt drei Jahre lang an „The Tree of Life“; die Finanzierung von „Take Shelter“ dauerte eine Ewigkeit, und kurz vor dem Kinostart von „Eine offene Rechnung“ wurde das Studio verkauft und der Film auf Eis gelegt. „Meine Mutter tat mir so leid“, seufzte Chastain. „Sie hatte jedem erzählt, ich hätte Filme mit Al Pacino und Brad Pitt gedreht. Die Jahre vergingen, aber es passierte nichts!“

Plötzlich die omnipräsente Überfliegerin

So erlebte sie erst 2011, mit fast fünfunddreißig Jahren, ihren großen Durchbruch: Da liefen sechs Filme mit ihr in den amerikanischen Kinos an. Plötzlich galt sie als omnipräsente Überfliegerin – und nannte sich selbst „die Unbekannte, die jeder jetzt schon satthat“. Wegen ihrer Wandlungsfähigkeit wurde sie als „neue Meryl Streep“ gefeiert: Ihre Bandbreite reichte von der sanftmütigen Mutter („The Tree of Life“) über die knallharte Mossad-Agentin („Eine offene Rechnung“) bis hin zur naiven, unbeholfenen Südstaaten-Außenseiterin in „The Help“ – eine Rolle, die ihr 2012 die erste Oscar-Nominierung einbrachte. Die zweite folgte ein Jahr später für „Zero Dark Thirty“.

Gefeiert als die neue Meryl Streep: Jessica Chastain.

Inzwischen hat sie rund 70 Preise gewonnen, darunter den Golden Globe, und mit Christopher Nolans Science-Fiction-Drama „Interstellar“ ihren ersten Blockbuster gedreht. Aus der unbekannten Berühmtheit von 2011 ist ein echter Star geworden. Und nun, knapp zwei Jahre nach unserer ersten Begegnung, soll ich sie beim Filmfestival von Deauville abermals interviewen, wo sie einen Ehrenpreis entgegennehmen soll und auch schon erste Publicity für Projekte macht, die bald darauf in die Kinos kommen, von dem Beziehungsdrama „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ bis zu dem smarten Thriller „A Most Violent Year“. Der Pessimist in mir befürchtet, dass sie sich mittlerweile einen Schutzpanzer zugelegt hat oder der Ruhm ihr zu Kopf gestiegen ist. Weit gefehlt: Im Gespräch begegnet sie mir mit der gleichen Offenheit wie beim ersten Interview – und mit demselben mädchenhaften Lachen.

An ihren Erfolg habe sie sich immer noch nicht gewöhnt, versichert sie mir. „Als mich meine Oma zu meinen beiden ersten Oscar-Verleihungen begleiten durfte, kamen wir uns vor wie zwei Mädels, die sich heimlich auf eine Party einschleichen“, erzählt sie. „Noch heute fühle ich mich oft wie eine Hochstaplerin. Nach wie vor bin ich total aufgeregt, wenn ich jemandem begegne, den ich bewundere.“ So sei es ihr auch am Set von „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ gegangen; Isabelle Huppert spielt da ihre Mutter: „Ned Benson, der Regisseur, hat mich ausgelacht, weil ich Isabelle buchstäblich verfolgt habe. Ständig hing ich an ihren Lippen – ich hoffte, ich könnte durch bloßes Zuschauen viel von ihr lernen. Sie ist so großartig, weil sie sich einen schier unstillbaren Appetit auf neue Herausforderungen bewahrt hat.“

Chastain: „Ich kann keine Emotionen vortäuschen“

Chastain ist bekennender Huppert-Fan, seit sie in New York zu Beginn ihres Studiums Michael Hanekes verstörendes Drama „Die Klavierspielerin“ sah: „Der Film hat mich völlig umgehauen – und mir die Augen geöffnet für die Möglichkeiten des Kinos.“ Daraufhin habe sie sämtliche Filme von Huppert oder Haneke verschlungen, die sie in die Finger bekommen konnte, und davon geträumt, irgendwann mit europäischen Filmemachern drehen zu dürfen. „Wahrscheinlich bin ich eine verkappte Europäerin“, lacht sie.

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