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Jella Haase : „Es gibt nichts Schlimmeres, als krampfhaft lustig zu sein“

Jella Haase Bild: Debora Brune

Sie gilt als das große Nachwuchstalent der deutschen Filmszene. Die Schauspielerin Jella Haase über Erwachsensein, lesbische Liebesszenen und ihre Lieblingsstadt.

          Frau Haase, Sie spielen im Film ,Looping‘ eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst. Eine sehr ernste Rolle, die im krassen Kontrast zur Chantal in ,Fack ju Göthe 2‘ steht. War es Absicht, sich etwas ganz anderes zu suchen?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Was heißt Absicht? Es ist ja nicht meine erste ernsthafte Rolle. Die Regisseurin kam mit dem Buch auf mich zu, und es hat mich interessiert. Ich schau immer auf die Geschichte, und was die Rolle mit mir macht. Und ich konnte von der Regisseurin Leonie Krippendorf viel lernen. Sie ist eine ganz in sich ruhende Person, und ich fand die Arbeit sehr bereichernd. Aber es ist natürlich wichtig, dass sich beides die Waagschale hält, und man im besten Falle beides hinbekommt: Komödie und einen Film wie ,Looping‘.

          Sie spielen Ihre erste lesbische Liebesszene. Wie bereitet man sich darauf vor?

          Mir kommt es vor, als hätte ich das schon öfter gemacht. In meinem ersten Film ,Lollipop Monster‘ habe ich auf jeden Fall schon mal eine Kussszene mit einer Frau gespielt. Bei den Dreharbeiten zu ,Looping‘ war es aber ganz essentiell, dass wir uns zu dritt verstehen, das war das A und O. Da muss von Anfang an die Chemie stimmen, sonst wird es bei so intimen Szenen schwierig. Wir haben vorab viel über die Szenen gesprochen. Und wir hatten mit Jieun Yi eine tolle Kamerafrau, die diese sensiblen Szenen einfing.

          Es ist der zweite Coming-of-Age-Film, den Sie gedreht haben. Ist Erwachsenwerden mit 23 Jahren noch immer ein Thema?

          Absolut. Ich glaub’ nicht, dass ich schon erwachsen bin. Ich nenne die Älteren auch immer noch ,Erwachsene‘. Ich schließe mich da selbst nicht ein. Ich weiß gar nicht, wann man erwachsen wird oder sich so fühlt. Ich glaube, das ist immer eine Reise. Und das sind auf jeden Fall die Geschichten, die mich noch interessieren: Jugend, an der Grenze zur Frau, aber noch nicht ganz dort angekommen. Diese Themen sind für mich noch sehr relevant.

          Sie spielen immer extreme Charaktere und haben dabei ein breites Spektrum. Suchen Sie diese extremen Rollen mit Absicht aus, um sich im Spiel weiterzuentwickeln?

          Ich glaube nicht, dass das bewusst passiert. Das ist eher ein unbewusster Vorgang. Ich mag es, mit meinen Rollen Geschichten zu erzählen, die ich noch nicht gespielt habe. Ich habe zum Beispiel jetzt gerade einen Film über die Loveparade in Duisburg abgedreht. Der hat mich sehr an meine Grenzen gebracht, weil ich dort Panikattacken spielen musste. Also: Ja, ich denke schon, dass ich mir unbewusst Dinge aussuche, die ich noch nie gemacht habe und vor denen ich totalen Respekt habe. Es gibt immer Projekte, bei denen ich weiß, da kommt etwas Ungewisses auf mich zu. So wie hier bei ,Looping‘ die Sexszene mit den zwei Frauen. Das reizt mich. Ich bin aber auch sehr glücklich, dass mir solche Drehbücher überhaupt angeboten werden.

          Jella Haase und Elyas M’Barek in „Fack ju Göthe 2“.

          Was ist schwieriger? Komödie oder Ernsthaftes?

          Eine gute Komödie ist fast schwieriger, als ein Drama zu machen. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als wenn man krampfhaft versucht, lustig zu sein.

          Sie haben früh mit der Schauspielerei angefangen. War schon immer klar, dass Sie das machen wollen?

          Ich war schon immer so ein kleines anstrengendes Kind, das gefilmt werden wollte. Ich hab’ Zirkusdirektorin gespielt und die anderen Kinder überredet, mit mir Aufführungen zu machen, und unsere Eltern mussten uns filmen. Dann sollte ich ein Musikinstrument lernen und hab’ auch ganz viel ausprobiert, aber richtig musikalisch war ich nicht. Mit zehn oder elf Jahren hab’ ich von einer Theatergruppe an einer Musikschule in Berlin-Neukölln gehört. Da habe ich angefangen, Theater zu spielen, das war cool. Mit 15 habe ich zusammen mit einer Freundin bei einer Agentur vorgesprochen – und bei der bin ich noch heute. Die Presseagentur, in der wir gerade sitzen, ist später hinzugekommen, mit ,Fack ju Göhte‘. Ich wollte mir sicher sein, dass ich da nicht so rein geworfen werde. Wie man seine Privatsphäre schützt, das muss man erst lernen: Wie gebe ich mich in der Öffentlichkeit, und was sollte ich besser nicht tun?

          Werden Sie oft auf der Straße angesprochen?

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