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Jeder vierte Erwachsene adipös : „Ihr seid doch nur zu dick zum Abnehmen“

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Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass Fettleibige nur zu faul zum Abnehmen seien – darunter auch Ärzte. Bild: dpa

Drei von vier Deutschen finden Fettleibige unästhetisch – das ist laut einer Studie nur eines von vielen Problemen, mit denen Übergewichtige zu kämpfen haben.

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          In Deutschland ist jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren adipös. Sehr dicke Menschen müssen nicht nur gegen ihre Pfunde, sondern oft auch gegen Vorurteile und gesellschaftliche Ausgrenzung kämpfen. Fast drei Viertel (71 Prozent) der Deutschen finden Fettleibige unästhetisch, wie eine am Mittwoch von der Krankenkasse DAK-Gesundheit vorgestellte Umfrage ergab. Jeder Achte (15 Prozent) vermeidet sogar bewusst Kontakt.

          Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass Fettleibige nur zu faul zum Abnehmen seien – darunter auch Ärzte. Adipositas (Fettleibigkeit) sei jedoch eine Volkskrankheit, die durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden könne. Studien belegten außerdem, dass Fettleibigkeit Auslöser für mehr als 60 Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Depressionen sein könne. Ausgrenzung im Alltag und im Job forciere die Krankheit zusätzlich. Sie führe in der Regel zu noch mehr Stress und damit zu einem erneut veränderten Essverhalten sowie zu weiterer Gewichtszunahme.

          Fast jeder Zweite findet dicke Menschen gesellig

          Die Befragten machen zudem deutliche Unterschiede zwischen leicht übergewichtigen und fettleibigen Menschen. So finden dicke Menschen zwar auch 38 Prozent unästhetisch, aber dies sind deutlich weniger als die 71 Prozent der Befragten, die dieses Urteil über adipöse Menschen fällen. Übergewichtige werden von einem Drittel (35 Prozent) der Menschen als lustig eingeschätzt, über Fettleibige sagen dies nur 13 Prozent. Fast jeder Zweite (43 Prozent) findet dicke Menschen gesellig, bei Adipösen sind es nur 13 Prozent.

          Wenn es um Gründe für das starke Übergewicht geht, sehen viele Menschen die Schuld bei den Betroffenen selbst. Fast jeder Zweite (47 Prozent) meint, dass Bewegungsmangel und übermäßiges Sitzen schuld daran seien. Ein Drittel (33 Prozent) schiebt es auf falsche oder ungesunde Ernährung. Gesundheitliche Gründe wie Stoffwechselstörungen oder genetische Dispositionen scheinen laut DAK dagegen für die Befragten gar keine Rolle zu spielen.

          „Adipöse Menschen haben ein schweres Los“

          „Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los, sie kämpfen gegen Pfunde und Vorurteile“, erklärte DAK-Vorstand Thomas Bodmer. Die Krankenkasse startete deshalb zusammen mit dem Unternehmen Johnson & Johnson Medical die Aufklärungskampagne „schwere(s)los“.

          Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), erklärte, die Kampagne mache Menschen mit Übergewicht Mut, „sich über Ursachen und Behandlungen zu informieren, den leider noch immer vorhandenen Vorurteilen zu begegnen und vorhandene Angebote zu nutzen“.

          Übergewicht wird nach dem so genannten Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Dieser Index wird errechnet, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern teilt. So gilt ein 1,80 Meter großer Erwachsener ab 81 Kilogramm als übergewichtig und ab 97 Kilogramm als stark übergewichtig.

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