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Fernbeziehungen : 48 Stunden für immer

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Eine „feste Sprechzeit“ vereinbaren

„Es war auf jeden Fall eine Herausforderung“, beschreibt der 32-Jährige die damalige Entscheidung. „Ich habe einen guten Job als taktischer Einkäufer in einem großen Technologieunternehmen für uns aufgegeben und musste nun schnell etwas Neues finden.“ Nach nur einem Monat Suche fand er eine neue Anstellung im Einkauf eines Unternehmens für Medizintechnik. Er arbeite seitdem „wie ein Tier“, sagt er, belegte parallel die ersten sechs Monate abends noch einen Deutschkurs - und lernte auch neue Seiten an seiner Freundin kennen. „Wir haben zwei verschiedene Streitkulturen, damit mussten wir beide erst mal umgehen lernen“, so Burg. Denn während sie ihre Familie eher als harmoniebedürftig beschreibt, bei der es auch im Konflikt ruhig und sachlich zugeht, kenne Gutowski es so, dass es auch gerne mal kurzzeitig lauter wird. Gerade am Anfang hatten beide deswegen schnell und viel Stress. „Wir haben uns dann oft in Situationen festgefahren und wussten nicht weiter“, erklärt Burg.

„Nicht romantisch. aber realistisch“: Paar am Bahnhof in Berlin.
„Nicht romantisch. aber realistisch“: Paar am Bahnhof in Berlin. : Bild: Andreas Müller

Doch da sie schon aus der Zeit der Fernbeziehung gelernt hatten, wie wichtig es ist, Probleme direkt anzusprechen, haben sie darüber geredet und sich schließlich dazu entschieden, Hilfe von außerhalb zuzulassen. Drei Sitzungen bei einem Paartherapeuten haben den beiden geholfen, die Kommunikationsmechanismen des anderen besser zu verstehen und damit umzugehen. Man müsse einfach stetig offen sein, an sich zu arbeiten und sich immer die Zeit füreinander nehmen - auch wenn es gerade stressig sei, findet Gutowski.

Dass eine gute Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg ist, sieht Beziehungsexperte Ernst genauso und denkt, dass viel zu wenig über das Wesentliche gesprochen und viel zu viel vermutet oder ignoriert wird. Natürlich solle nicht jede Kleinigkeit totgeredet werden, aber über die großen, wichtigen Sachen sollte immer ausführlich gesprochen werden. Gerade in der Anfangsphase kann es auch helfen, eine Art „feste Sprechzeit“ zu vereinbaren, in der über Wichtiges gesprochen wird, so der Psychologe.

„Man soll sich bloß nicht zu stark auf den anderen fixieren„

Aber auch schon vor dem Zusammenzug muss dieser große Schritt diskutiert werden. Wie stellen wir uns das Zusammenleben vor? Welche Eigenarten hat jeder von uns, die zu Konflikten führen könnten? Wie werden wir damit umgehen, dass wir uns plötzlich so viel sehen? Was passiert, wenn der schlimmste Fall eintritt und es nicht klappt? Über viele Fragen dieser Art sollte vorher klipp und klar gesprochen werden. „Das ist zwar nicht romantisch, aber realistisch“, bringt Ernst es auf den Punkt.

Burg und Gutowski reden viel und ausgiebig. Dennoch sind auch nach über einem Jahr noch nicht alle Hürden genommen: Einen eigenen Freundeskreis beispielsweise hat Gutowski noch nicht gefunden. Doch das könnte sich bald ändern, denn nach all der Zweisamkeit geht er mittlerweile wieder seinem Hobby nach: dem chinesischen Kampfsport Jeet Kune Do. Ein bisschen „Ich-Zeit“ muss sein. Damit macht das Pärchen nach Markus Ernst auf jeden Fall noch einen Schritt in die richtige Richtung. Denn für den Psychologen ist es wesentlich, dass neben dem Aufbauen einer gemeinsamen Welt nicht vergessen wird, jedem Partner auch noch seine eigene zu lassen: „Man soll sich bloß nicht zu stark auf den anderen fixieren. Es ist äußerst wichtig, sich gegenseitig Freiräume zu geben und nicht alles zusammen zu machen.“

Das französisch-deutsche Pärchen scheint also in vielen Punkten einiges richtig zu machen und freut sich schon auf den neusten Beziehungstest: Im Oktober erwarten sie ihr erstes Kind. Und auch Hannah Fricke hat den missglückten Start in Hannover mittlerweile verdaut, ist dort geblieben und nun neu verliebt in einen Mann, der diesmal in der gleichen Stadt lebt wie sie. Eine Fernbeziehung wäre für sie nicht noch mal in Frage gekommen.

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