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Fernbeziehungen : 48 Stunden für immer

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So kann es gehen - obwohl sich die meisten Paare in einer Fernbeziehung einen gemeinsamen Alltag wünschen und den Zusammenzug somit eher als den Zieleinlauf sehen. Doch gerade wenn man sich vorher nur an den Wochenenden gesehen hat, birgt die neue Nähe viele Stolpersteine. „Während der Fernbeziehung haben sich beide meistens von ihrer Sonntagsseite gezeigt, und dann gibt es selten Konflikte“, erklärt Psychologe Ernst. „Im Alltag hatte jeder seine eigene Welt. Diese zwei Welten prallen dann beim Zusammenzug aufeinander.“ Wie bei Fricke und Albrecht können dann Macken zum Vorschein kommen, die den anderen enttäuschen können.

Partner sollte sich wohlfühlen

Um das zu vermeiden, empfiehlt Ernst, vorher eine Art Probelauf zu absolvieren. Zum Beispiel in Form eines längeren Urlaubs, in dem man einige Zeit gemeinsam verbringt. Grundsätzlich sei es auch einfacher, gemeinsam etwas Neues zu starten, als dass der eine Partner zum anderen zieht. Dennoch sei Letzteres meistens der Fall, so Ernst, und weiter: „Beide müssen sich dann gegenseitig einfach Zeit geben - auch wenn der Tipp vielleicht abgedroschen klingt.“ Rund sechs Monate könne es schon mal dauern, bis sich beide an den neuen Lebensrhythmus gewöhnt haben. Denn gerade auf demjenigen, für den alles aufgegeben wird, laste ein riesiger Druck. Immerhin will dieser Partner, dass der andere sich auch in der neuen Heimat wohl fühlt.

So war es laut Fricke für ihren damaligen Freund, der mit der neuen Situation nicht fertig wurde. Und so ähnlich ist es auch bei Miriam Burg und Clément Gutowski. Vor rund einem Jahr zog Gutowski zu seiner Freundin nach Karlsruhe, nachdem sie sich zuvor zwei Jahre lang auf Distanz liebten. Sie wohnte damals noch in Heidelberg, er als gebürtiger Franzose in einem kleinen Dorf an der französisch-schweizerischen Grenze. Den Druck auf dem Partner mit Heimvorteil kennt auch Burg: Kontinuierlich wolle sie, dass ihr Partner sich wohl fühlt. Deshalb haben die beiden gerade anfangs viel die Stadt erkundet oder sind oft in Restaurants ausgegangen. „Er soll es schließlich nicht irgendwann bereuen, für mich nach Deutschland gekommen zu sein“, so die 24-jährige Studentin.

Kennengelernt haben die beiden sich, als Burg während der Schulzeit ein Auslandsjahr in der Heimatstadt von Gutowski verbrachte. „Er war der einzige Franzose, der Englisch konnte, das hat mich fasziniert“, so Burg lachend. Auch nach ihrer Abreise hielten sie den Kontakt über vier Jahre, bis sie sich 2013 endlich wieder trafen und ein Paar wurden. Für beide war es schnell klar, dass die Beziehung ernst ist und sie irgendwann auch räumlich zusammen sein wollen. Eine Fernbeziehung als Dauerzustand ohne die Perspektive, bald zusammenzuziehen, kam für keinen der beiden in Frage. Sie sprachen viel darüber, wägten ab, wer zu wem zieht, und schließlich verlagerte Gutowski sein Leben nach Karlsruhe, wo Burg mittlerweile Lehramt für Sonderpädagogik studiert.

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