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Fernbeziehungen : 48 Stunden für immer

  • -Aktualisiert am

Keine Zeit mehr für Zweisamkeit

Bei Fricke und Albrecht gab es bereits nach einem Dreivierteljahr ein absehbares Ende der Wochenendbeziehung. Laut Fricke kam die Initiative von ihrem Partner, der immer wieder betonte, wie gerne er sie bei sich hätte und dass er sich eine richtige Perspektive für beide wünsche. Zusammen. An einem Ort. Ein Umzug von ihm zu ihr habe nicht zur Debatte gestanden, wegen der Kinder. Nachdem sie einen neuen Job als Kundenbetreuerin bei einem Radiosender in Hannover fand, kündigte sie den in Stuttgart. Leicht sei das für Fricke nicht gewesen, immerhin hatte sie mit ihrem alten Team zehn Jahre zusammengearbeitet und fühlte sich in diesem durchaus wohl. Doch die Aussicht auf ein gemeinsames Leben mit ihrem Partner überwog alle Bedenken: Sie gab ihre Wohnung auf, verkaufte all ihre Möbel, verabschiedete sich von ihren Freunden und war bereit für das neue Leben im Haus von Albrecht.

Noch ein Handkuss dann fährt der Zug los: Der Bahnsteig als Ort des Abschieds oder Wiedersehens
Noch ein Handkuss dann fährt der Zug los: Der Bahnsteig als Ort des Abschieds oder Wiedersehens : Bild: Andreas Müller

„Doch nach dem Umzug bin ich ziemlich schnell und ziemlich hart von meiner rosa Wolke in die Realität gestürzt“, kommentiert Fricke ihre Entscheidung heute. „Der Mann, den ich von der Fernbeziehung kannte, war ganz anders als der, den ich dann in den ersten Wochen kennengelernt habe.“ Denn während Albrecht sich anfangs noch von seiner besten Seite gezeigt habe, wurden seine Macken nur allzu schnell deutlich: Fricke beschreibt ihn als einen Morgenmuffel, der sich sogar aufregte, wenn die Kaffeemaschine zu laut war. Auch die Rollenverteilung habe er sehr traditionell gesehen: Selbst wenn Albrecht zwei Stunden früher Feierabend hatte, kochte er nicht, sondern wartete, bis Fricke daheim war und es übernahm. War das Bad mal nicht sauber, gab es abfällige Kommentare von ihm, selbst geputzt hat er nicht, so Fricke.

Ein Alltag, in dem die beiden aneinander vorbeilebten, nahm schnell überhand. Während früher die Wochenenden ihnen gehört hatten, gab es nun keine Zeit für Zweisamkeit mehr. Nicht einmal nachts: Die kleine Tochter schlief immer mit im Bett. Und auch tagsüber hielten die drei Kinder, die mit im Haus lebten, die Erwachsenen auf Trab.

„Nur: Im Alltag war kein Platz für mich. Obwohl ich alles für ihn aufgegeben habe.“

Als Fricke dann nach gerade mal vier Wochen von einer ihrer häufigeren mehrtägigen Dienstreisen wiederkam, war ihr Partner distanziert und gestand ihr, er sei sich seiner Gefühle nicht mehr sicher. „Ich habe ihm gesagt, dass es doch ganz normal ist, dass wir erst mal ein bisschen Zeit brauchen, uns aneinander zu gewöhnen“, erzählt Fricke. Er meinte, er wolle es weiter versuchen: „Aber eigentlich bin ich mir sicher, dass es für ihn schon nach dem ersten Monat vorbei war.“

Wirklich zu Ende ging es dann nach vier Monaten: Auf einer Gartenparty hatte Albrecht zu viel getrunken und warf Fricke, nicht gerade unter vier Augen, an den Kopf, dass er sie nicht liebe und dass sie hier nicht hingehöre. Einen Tag später packte sie ihre Sachen und zog aus. „Ich hatte nach meinem Auszug das Gefühl, als wäre es doch noch nicht vorbei und als wolle er, dass es wieder so ist wie während der Fernbeziehung: Glück und Euphorie pur“, so Fricke. „Nur: Im Alltag war kein Platz für mich. Obwohl ich alles für ihn aufgegeben habe.“

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