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Zeremonie in Tokio : Während der Thronbesteigung klart der Himmel auf

Bild: AFP

Japans neuer Kaiser Naruhito verkündet Japan und der Welt seine Thronbesteigung. Im traditionellen Throngehäuse Takamikura verspricht er, für den Weltfrieden zu beten und die Verfassung zu achten.

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          Dienstag, 13.24 Uhr im Staatssaal des Kaiserpalasts in Tokio. Ministerpräsident Shinzo Abe verbeugt sich zwei Mal und tritt einige Schritte zurück. Dann reißt er beide Arme hoch und ruft drei Mal laut: „Banzai – auf tausend Jahre“. So begrüßt Japan seinen neuen Kaiser Naruhito, der im Throngehäuse vor Abe die Ehrung gelassen entgegennimmt. Doch der Jubelruf bleibt verhalten. Im Staatssaal jubeln mit Abe nur die Spitzen der Parlamentskammern und des Verfassungsgerichts. Die rund 2000 Gäste aus Japan und der Welt, die zur Thronbesteigung Naruhito die Ehre erweisen, sitzen auf der anderen Seite des Palasthofs hinter geschlossenen Glasscheiben. Von der Zeremonie im Staatssaal bekommen sie nicht viel mit, es sei denn auf den im Palast aufgestellten Fernsehbildschirmen. Der strömende Regen, der Tokio schon seit dem Vorabend im Griff hat, verhindert, dass auf dem Palasthof Japaner in traditioneller Kluft mit Schwert und Bogen der Zeremonie Farbe verleihen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Eigentlich war Naruhito schon am 1. Mai zum Kaiser auf dem Crysanthementhron geworden, nachdem sein Vater Akihito aus Altersgründen zurückgetreten war. Doch die große Feier mit Festbanketten und Vertretern aus rund 170 Ländern findet erst jetzt statt. Für Deutschland war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dabei. Als dritter Akt der Kaiserwerdung schließt sich im November das Daijosai an, eine religiöse Zeremonie, in der der neue Kaiser mit der Sonnengöttin Amaterasu Erntedank feiert und seinen Vorfahren und den Göttern neuen Reis und Sake des Jahres opfert.

          In den Reigen der Zeremonien fügt die Inthronisierung genannte Zeremonie vom Dienstag sich als der Moment ein, in dem der Kaiser Japan und der Welt seine Thronbesteigung verkündet. In seiner kurzen Ansprache erinnerte der 59 Jahre alte Naruhito daran, dass sein Vater dreißig Jahre lang für das Glück des Volkes und den Weltfrieden gebetet habe. Das gilt als wichtiges Signal, dass Naruhito der Linie seines Vaters folgen will.

          Er versprach, im Einklang mit der Verfassung zu handeln und seiner Verantwortung als Symbol des Staates und der Einheit des japanischen Volkes gerecht zu werden. Im Unterschied zu anderen Monarchien ist der japanische Kaiser seit der maßgeblich von Amerika bestimmten Nachkriegsverfassung von 1947 nicht mehr Oberhaupt, sondern nur noch Symbol des Staates. Amerika wollte damit verhindern, dass Japan im Namen des Kaisers abermals einen Angriffskrieg beginne.

          Für Deutschland war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dabei. Bilderstrecke

          Naruhito hatte am Morgen in einem weißen Kimono an drei Shinto-Schreinen im Palast seinen Vorfahren, den Göttern und besonders der Sonnengöttin seine Ehre erwiesen, auf die das Kaiserhaus seine mehr als 2000 Jahre lange Geschichte zurückführt. Den Shinto-Riten folgend wurden Naruhito auch im Staatssaal die Reichsregalien vorangetragen, ein Schwert und die Krummjuwelen. Das dritte der Symbole des Kaisertums ist ein Spiegel in einem Schrein im Shinto-Heiligtum in Ise.

          In der Zeremonie, die sich in Teilen auf ein 900 Jahre alte Geschichte beruft, wurde Naruhito dem Land und der Welt im Tamamikura, dem kaiserlichen Thron gezeigt. Die achteckige Plattform ist sechseinhalb Meter hoch und rund acht Tonnen schwer. Das Dach ist mit neun güldenen Phönixen versehen. Auf zwei kleinen Tischen sind die Reichsregalien abgelegt. Im kleineren Throngehäuse Michodai stand nebenan die 55 Jahre alte Harvard-Absolventin Kaiserin Masako in einer traditionellen Robe mit zwölf Lagen.

          Vor dem Palast warteten für japanische Verhältnisse nur einige wenige, also ein paar Hundert Zuschauer, um den Gästen und dem Kaiser bei der An- und Abfahrt zuzusehen. Die Autoparade, in der das neue Kaiserpaar sich vor Hunderttausend oder mehr dem Volk zeigen sollte, war schon vergangene Woche aus Respekt vor den Opfern des schweren Taifuns Mitte Oktober auf November verschoben worden. In der Fernsehberichterstattung vor der Zeremonie zeigt sich das darin, dass sich immer wieder Bilder von der Ankunft der Gäste mit Aufnahmen zerstörter und überschwemmter Häuser mischen. Die festliche Stimmung in Japan wird an diesem extra ausgerufenen nationalen Feiertag von dem Schrecken der Naturkatastrophe getrübt. Doch am Schluss setzt der Himmel ein versöhnliches Zeichen. Während der Inthronisierungszeremonie hört der strömende Regen auf und für einen kurzen Moment hellt sich auch der Himmel auf.

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